Die Volme in Hagen-Dahl.

Die Volme in Hagen überflutete 2021 große Teile des Stadtteils Dahl.

Meinung zum Flut-Jahrestag Wir haben die Chance, es besser zu machen

Stand:

Schwere Fehler führten beim Hochwasser zu Todesopfern und Verwüstungen. Das muss nicht so bleiben, kommentiert unser Autor.

Kann das, was vor fünf Jahren passiert ist, wieder passieren? Diese Frage stellen sich die Menschen in NRW und Rheinland-Pfalz seit der Hochwasser-Katastrophe immer wieder. Heute, am Jahrestag, gedenkt die Politik der Toten – das ist gut und wichtig. Doch schaut sie auch nach vorne? Was beim nächsten Starkregen passiert, wenn die Pegel wieder steigen? Sind wir dann besser vorbereitet?

Mehr als 180 Tote, davon 49 in NRW – das darf sich nicht wiederholen.

Unmittelbarer Schutz bleibt Schwachstelle

Die schlechte Nachricht zuerst: Leider bleibt der unmittelbare Schutz vor dem Wasser eine Schwachstelle. Kinder, die zur Zeit der Katastrophe das Laufen lernten, kommen bald in die Schule. Aber mit dem Bau von Schutzmauern oder Rückhaltebecken wurde vielerorts in NRW noch nicht einmal angefangen. Sie wären so wichtig, um die damals gefluteten Bereiche beim nächsten Mal zu schützen. Wo sie fehlen, wird die Verwüstung die gleiche sein, wenn die Naturgewalt noch einmal so zuschlägt.

Fehler wurden akribisch aufgearbeitet

Es gibt aber auch gute Nachrichten zu den Lehren aus der Katastrophe. Die erste: Durch akribisches Aufarbeiten sind schlimme Fehler bekannt geworden.

Der Starkregen kündigte sich Tage vorher an, doch die Infos dazu gingen zwischen Behördenschreibtischen verloren, erreichten ausgerechnet das Innenministerium und viele Kommunen nicht – obwohl genau diese Stellen für den Katastrophenschutz zuständig sind.

Ein Drittel der Menschen, die in NRW von der Katastrophe betroffen waren, wurde davor gar nicht gewarnt – weil es zu wenige Sirenen gab und keinen wirksamen Handy-Alarm. Das Land koordinierte in der Krise zu wenig, und der Schutz vor dem Wasser hielt an viel zu vielen Stellen nicht stand.

Kommentar zur Hochwasser-Katastrophe: Hoffen ist erlaubt

WDR Studios NRW 14.07.2026 03:00 Min. Verfügbar bis 13.07.2028 WDR Online

Aus Fehlern wurden Konsequenzen gezogen

Aus diesem Versagen auf vielen Ebenen sind dann auch Konsequenzen gezogen worden. Das ist die zweite gute Nachricht.

Sirenen werden wieder aufgebaut, die Handywarnung per Cell Broadcast ist da. Alarmketten wurden gestrafft. Im kommenden Jahr soll es endlich eine modellbasierte Hochwasservorhersage auch in NRW flächendeckend geben. Kommunen müssen jetzt Pläne für den Katastrophenschutz aufstellen. Auch das Land übernimmt mehr Verantwortung: mit einer zentralen Stelle im Innenministerium, die im Krisenfall Hilfe und Warnung koordiniert.

Ja, man fragt sich, warum es das nicht vorher schon alles gab. Aber dass diese Konsequenzen gezogen werden, ist gut.

Wir haben die Chance, es besser zu machen

Sie können helfen, Leben zu retten. Viele Häuser wurden und werden wieder aufgebaut. Der Hochwasserschutz kann rechtzeitig vor dem nächsten Jahrhundert-Starkregen fertig werden. Wir wissen, wie Klimaschutz geht und was dafür zu tun ist. Wir können ihn umsetzen und haben dadurch die Chance, für weniger extreme Wetterereignisse in der Zukunft zu sorgen.

Der 14. Juli wird immer ein Tag der Trauer bleiben. Doch inzwischen wissen wir auch, was zu tun ist, damit er sich nicht wiederholt. Deshalb ist Hoffnung erlaubt.

Und, noch besser: handeln.

Sendung: WDR 5 Westblick, Kommentar zur Hochwasser-Katastrophe: Hoffen ist erlaubt, 14.07.2026, 17:05 Uhr

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