Gerade wird mal wieder heftig darüber gestritten, wer welche Kosten für den Ganztagsbetrieb an Schulen übernehmen soll. Bund, Land und Kommunen zoffen sich schon seit Jahren, die Städte und Kreise fordern mit viel Nachdruck mehr Geld für die aufwendige Zusatzaufgabe.
Über die Inhalte, die Ausgestaltung des Ganztagsangebots, wird dagegen kaum noch gesprochen. Dabei wäre das eigentlich dringend nötig. Denn die Idee hinter der Ganztagsschule ist eine große: sie soll nicht nur eine komfortable Nachmittagsbetreuung bieten, sondern vor allem für mehr Gerechtigkeit sorgen. Im Kern geht es darum, Nachteile auszugleichen und Kinder möglichst so zu fördern, dass sie einen guten Start ins Leben haben.
Vorbild andere europäische Länder?
Das ist kein neues Konzept, in vielen europäischen Ländern gehen Kinder länger zur Schule als bei uns, teilweise kommen sie erst um 17 Uhr nach Hause oder noch später. Es gibt so mehr Zeit für Unterricht, gezielte Sprachförderung oder Unterstützung bei Lernschwierigkeiten. Die Kinder bekommen ein anständiges warmes Mittagessen. Und, netter Nebeneffekt, wenn sie mehr Zeit am Tag gemeinsam verbringen, lernen sie auch mehr voneinander.
Genau so etwas brauchen wir dringend, denn seit Jahren steigt die Zahl der Kinder, die an unseren Schulen nicht mehr mitkommen, deren Leistungen nicht mal mehr die Mindeststandards erreichen. Hier könnte, hier muss der Ganztag helfen.
Kein Personal für individuelle Förderung
Allerdings hat dieses Konzept wenig mit dem Modell zu tun, das gerade in NRW und auch in den anderen Bundesländern flächendeckend eingeführt wird. Denn an unseren Schulen bleibt es überwiegend beim Unterricht am Vormittag und Mittag, danach gibt es Nachmittagsprogramm. Das besteht dann eher aus Sport, Spiel, ein paar Arbeitsgemeinschaften und im Idealfall noch einer halbwegs anständigen Hausaufgabenbetreuung.
Individuelle Förderung soll es auch geben, aber durch welches Personal? Denn auch wenn die Beteiligung von Pädagogen am Nachmittagsangebot ausdrücklich erwünscht ist: woher sollen sie kommen, in Zeiten des Lehrermangels?
Dieser Ganztag ist eine Mogelpackung
Und welche Kinder am Nachmittag in der Schule bleiben, das entscheiden alleine die Eltern. Wer sein Kind lieber nach dem Unterricht nach Hause holen möchte, der kann das jederzeit.
Dieser Ganztag ist eine Mogelpackung! Ja, die Kinder sind am Nachmittag betreut, in den meisten Fällen auch gut - immerhin. Doch die großen Defizite, die viele von ihnen aus dem Elternhaus mitbringen, kann diese freiwillige Ganztagsschule nicht lösen.
Was wir brauchen, ist ein verpflichtender Ganztag. Eine so genannte gebundene Ganztagsschule, manche sprechen auch vom rhythmisierten Ganztag. Das ist eine Schule, in der alle Kinder gemeinsam den Tag verbringen müssen. In der auch am Nachmittag Lehrerinnen und Lehrer da sind, die unterrichten und fördern können, die die Probleme ihrer Schüler kennen und deshalb gezielter helfen können.
Unsere Quellen:
- eigene Recherche
Sendung: WDR.de, NRW-Städte fühlen sich bei Ganztagsbetreuung alleingelassen, 27.07.2026, 05:02 Uhr
