In Nordrhein-Westfalen durchsuchen heute Mitarbeitende von Kommunen und Behörden Schrottimmobilien in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Krefeld und Velbert. Geprüft werden bauliche und wohnrechtliche Missstände sowie mögliche Spuren, die auf übergreifenden Sozialleistungsmissbrauch hindeuten.
Kommunen und Behörden beteiligt
Mehr als 100 Mitarbeitende der Kommunen und Behörden sind an den Durchsuchungen beteiligt. Auch die NRW-Ministerin für Kommunales, Ina Scharrenbach und der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link sind vor Ort und begleiten die Kontrollaktion.
"Unser Ziel ist klar: Menschen schützen und das Geschäft mit ihrer Not stoppen." Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung
Datenanalysen sollen helfen
Erstmals ist auch ein Datenanalyse‑Team der Bundesagentur für Arbeit vor Ort, das verdächtige Immobilien schneller identifizieren soll. Die Datenanalyse stützt sich auf Informationen der Bundesagentur für Arbeit, etwa zu Minijobs, Leistungsbezügen oder auffälligen Adresshäufungen.
Wenn an einer Immobilie ungewöhnlich viele Leistungsbeziehende gemeldet sind oder Mietzahlungen nicht plausibel wirken, entsteht ein Datenhinweis. Diese Muster werden vor Ort überprüft, um verdächtige Strukturen schneller sichtbar zu machen. Sie arbeiten also ganz nach dem Prinzip "Follow the money" um mögliche Problemimmobilien zu identifizieren.
Sozialleistungen gehen an organisierte Banden
Küche der Schrottimmobilie in Duisburg zeigt menschenunwürdige Zustände
Bildquelle: WDR/Bernd NeuhausDurchsuchungen in "Schrottimmobilien" werden seit Jahren durchgeführt. Die Wohnungen werden häufig in schlimmsten Zuständen an Zuwanderer vermietet. Sie erhalten häufig Sozialleistungen und zahlen deutlich überhöhte Mieten.
In vielen Problemimmobilien greifen Vermieter gleich doppelt zu: Sie verlangen überhöhte Mieten, die häufig vom Jobcenter übernommen werden, und beschäftigen die meist zugewanderten Bewohner zusätzlich in schlecht bezahlten, nicht angemeldeten Jobs. Dieses Geld landet dann am Ende teilweise in den Hände organisierter Gruppen.
Ob die Zuwanderer wirklich in diesen Wohnungen leben, sei aber unklar. Es gebe keine Kommunikation zwischen den Einwohnermeldeämtern und den Sozialämtern, sowie zwischen den Städten untereinander. So bleibt es schwer nachzuvollziehen, ob die Wohnungen tatsächlich bewohnt sind. Mit weiteren Ergebnissen der Durchsuchungen ist am Freitag zu rechnen.
Politische Konsequenzen und neue Eingriffsmöglichkeiten
Die Landesregierung will den Kommunen mehr Werkzeuge an die Hand geben, um gegen solche Praktiken vorzugehen. Vorgesehen sind strengere Auflagen, ein Gütesiegel für faire Unterkünfte und als äußerstes Mittel die Möglichkeit, besonders problematische Immobilien zu enteignen. Damit soll verhindert werden, dass ausbeuterische Vermieter ihre Geschäftsmodelle fortsetzen.
Unsere Quellen:
- Presseinformation NRW-Ministerium
- WDR-Reporter vor Ort
- dpa
Sendung: WDR "Der Tag um 12" , 24.09.2026, 10:00 Uhr