Kommenden Mittwoch und Donnerstag starten fast 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in NRW ins neue Schuljahr, unter ihnen etwa 170.000 Erstklässlerinnen und Erstklässler. Was sie dann erwartet, hat Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am Freitag in Düsseldorf vorgestellt. Sie will Lernlücken früher erkennen, Grundschulkinder stärker beim Schreiben fördern sowie einheitliche Lernstand-Tests in der 5. Klasse erproben.
Neue Tests in Klasse fünf
Mit der neuen Lernstandserhebung "Lernstand 5" sollen Lehrkräfte früh erkennen, wie gut ihre neuen Klassen Texte verstehen und mathematische Grundlagen beherrschen. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler bearbeiten dabei einheitliche Aufgaben, die vor allem auf das Leseverständnis und grundlegende mathematische Zusammenhänge abzielen. Fast 500 Schulen haben laut Ministerium Interesse an dieser freiwilligen Erprobung bekundet.
Anschließend soll das Verfahren überprüft werden. Bei guten Rückmeldungen könne es bereits 2027/28 Pflicht werden, erklärte Schulministerin Feller. Bis 2030 sind zudem neue Lernstandserhebungen in den Klassen zwei und sieben geplant. Die Ergebnisse sollen helfen, Kinder gezielter zu fördern.
"Die Kinder können zum Teil keinen Stift mehr halten." Schulministerin Dorothee Feller (CDU)
Mehr mit der Hand schreiben
Unter dem Motto "Stift zur Hand" will das Schulministerium den Schreibunterricht an Grundschulen stärken. Dabei geht es um lesbare Handschrift, Rechtschreibung und die Fähigkeit, eigene Texte zu planen und zu überarbeiten. Lehrkräfte berichteten, dass Kinder zwar gut wischen, aber zum Teil keinen Stift richtig halten können, erklärte Ministerin Feller.
Die Grundschulen sollen ihren Schreibunterricht zunächst freiwillig anhand einer Checkliste überprüfen. Fachberatung und neue Materialien sollen sie dabei unterstützen. Feste Übungszeiten wie beim Lesen sind zunächst nicht vorgesehen.
Schülerfeedback auch zur Unterrichtsqualität
Schulen können künftig beim Schülerfeedback auch nach der Unterrichtsqualität fragen. Etwa danach, ob Kinder hilfreiche Rückmeldungen zu ihren Leistungen bekommen. Bisher ging es vor allem um Wohlbefinden, Beteiligung und Schulkultur. Einzelne Lehrkräfte sollen weiterhin nicht bewertet werden können.
Im zweiten Halbjahr können die Schulen den erweiterten Fragebogen zunächst freiwillig erproben. Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen alle Schulen verbindlich teilnehmen. Eine KI-Assistenz soll helfen, die Ergebnisse einzuordnen und Verbesserungen abzuleiten.
"Das Schülerfeedback ist kein Instrument, um einzelne Lehrkräfte zu bewerten." Schulministerin Dorothee Feller (CDU)
Schulen sollen messbare Ziele vereinbaren
Die Ergebnisse aus Schülerfeedback und Tests sollen künftig in die Gespräche zwischen Schulleitungen und Schulaufsicht einfließen. Dabei werden konkrete, überprüfbare Ziele vereinbart, etwa zur Förderung in Mathematik. Im neuen Schuljahr hilft erstmals ein digitales Werkzeug, diese Vereinbarungen festzuhalten.
Neue Fortbildungen für Lehrkräfte
NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU)
Bildquelle: dpa/Henning KaiserErstmals wird es in NRW landesweit einheitliche Angebote bei der staatlichen Lehrkräftefortbildung geben. Schwerpunkte sind etwa ein guter Fachunterricht, soziale und emotionale Kompetenzen sowie Demokratiebildung. Dazu gehören der Umgang mit KI und Desinformation sowie Gewaltprävention und Kinderschutz. Zur Landtagswahl im nächsten Jahr soll eine digitale Informationsreihe für Lehrkräfte hinzukommen.
Deutschlernen stärker mit Fachunterricht verbinden
Neu zugewanderte Jugendliche sollen besser dabei unterstützt werden, Deutsch von Anfang an mit Bezug zu den Unterrichtsfächern zu lernen. So erhalten Lehrkräfte an weiterführenden Schulen und Berufskollegs ein Handbuch und vorbereitete Unterrichtseinheiten für unterschiedliche Sprachniveaus.
Rückkehr zu G9 abgeschlossen, Oberstufenreform folgt
Ab diesem Schuljahr gibt es an den auf G9 umgestellten Gymnasien in NRW wieder neun statt acht Jahrgänge. Im Frühjahr 2027 legt dann der neue 13. Jahrgang Abitur ab. Landesweit erwartet das Ministerium rund 70.000 Abiturprüflinge, nach rund 30.000 in diesem Jahr.
Die reformierte Oberstufe startet erst 2027/28 für die dann neu eintretenden Jugendlichen. Sie sieht neue Prüfungsformate und ein fünftes Abiturfach vor. Zur Vorbereitung erhalten die Oberstufenlehrkräfte bereits in diesem Schuljahr einen zusätzlichen pädagogischen Tag.
SPD kritisiert: "Streichliste statt Checkliste"
"Es zeigt sich wieder einmal, dass Schulministerin Feller versucht, das System mit immer neuen Daten, Tests und Kontrollinstrumenten zu verwalten", kritisiert Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Den Schulen fehle es nicht an Testergebnissen, sondern an Zeit und Personal, um daraus eine individuelle Förderung zu machen. "Schulen in NRW brauchen keine weitere Checkliste, sondern endlich eine Streichliste: Die Lehrpläne müssen entschlackt, unnötige Vorgaben gestrichen und neue Aufgaben mit ausreichenden Ressourcen hinterlegt werden."
GEW: "Nicht noch mehr Druck"
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält es hingegen für richtig, aus den erhobenen Daten konkrete Entwicklungsziele für Schulen abzuleiten. Verbindliche Zielvereinbarungen bräuchten jedoch auch verbindliche Ressourcenvereinbarungen, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik. Schulen mit hohen sozialen Belastungen oder großem Personalmangel bräuchten mehr Unterstützung als Schulen unter günstigeren Bedingungen. Ohne zusätzliche Ressourcen erzeugten die neuen Aufgaben weiteren Druck in einem ohnehin belasteten System.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz von Schulministerin Feller in Düsseldorf
- Mitteilung der SPD-Landtagsfraktion
- Mitteilung der GEW-NRW
Sendung: WDR 5, Der Tag um zwölf, 28.08.2026, 12:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 28.08.2026, 12:45 Uhr
