Jens Spahn tritt zurück | Aktuelle Stunde

WDR 08:04 Min. Verfügbar bis 18.07.2028

Reaktionen aus NRW Unions-Fraktionschef Spahn tritt zurück

Stand:

Der Unionsfraktionschef Jens Spahn hat seinen Rücktritt erklärt. Hintergrund ist eine Debatte um eine Leihmutterschaft in den USA.

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Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Mann sind mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden - und das hat eine kontroverse Debatte in Deutschland ausgelöst. Da Spahn und die CDU sich in der Vergangenheit gegen Leihmutterschaften ausgesprochen hatten, war Spahn in die Kritik geraten. Am Ende ist der Druck offenbar zu groß geworden - am Samstag zog Spahn, der aus dem Münsterland stammt, Konsequenzen.

Wüst bedauert Spahns Rücktritt

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bedauert den Rücktritt vom Unionsfraktionschef. "In der Entscheidung von Jens Spahn zum Rückzug liegt eine große Tragik", erklärte Wüst. "Ich bedauere diesen Schritt persönlich sehr und kann ihn zugleich gut nachvollziehen."

"Ich bin überzeugt: Viele Menschen werden das Dilemma zwischen politischem Anspruch und persönlicher Realität wahrgenommen haben." Hendrik Wüst, NRW-Ministerpräsident

NRW-Innenminister Herbert Reul erklärte dem WDR, dass Spahn sich richtig entschieden habe. Er habe seine Entscheidung getroffen und jetzt sei es auch gut. "Man sollte jetzt vor allen Dingen das Kind in Ruhe lassen", betont Reul.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch hat seinem Unionskollegen Jens Spahn (CDU) nach dessen Rücktritt Respekt ausgesprochen. "Wir haben in der Koalition sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet", teilte Miersch mit. Zur politischen Bewertung der Vorgänge äußere er sich nicht, das sei eine Frage, die die Union mit sich selbst klären müsse. 

Rücktrittsforderungen aus der CDU

Der Entscheidung von Spahn war eine intensive Diskussion vorausgegangen. Aus Spahns eigener Partei, der CDU, kamen klare Rücktrittsforderungen. Andere formulierten es etwas vorsichtiger - so wie der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach aus NRW im Deutschlandfunk-Interview. Aber auch er nennt Spahns Vorgehen "politisch hochproblematisch".

Politiker machten die Regeln und erwarteten, dass sich alle daran hielten, sagte Bosbach. Wenn auch nur der Eindruck entstehe, dass sie für einige Menschen nicht gültig seien oder "nur genug Geld" da sein müsse, "dann ist das fatal".

Auch in Spahns Wahlkreis im Münsterland wurde über die Angelegenheit viel diskutiert. Die Menschen in Ahaus waren geteilter Meinung, ob Spahn zurücktreten sollte:

Wir haben mit Sonja Jonas in Ahaus über ihren Blick auf Jens Spahn gesprochen.

Sonja Jonas hält von den ganzen Vorkommnissen um Jens Spahn überhaupt nichts. Spahn solle abtreten, denn das gehöre nicht zur Politik. "Die machen was sie wollen die Politiker", sagt sie.

Was die Menschen in NRW über Spahns Rücktritt denken

Theo Epping sagt: "Für mich hat er sich selber ins Aus geschossen". Seiner Meinung nach sollte Spahn zurücktreten. Denn: "Was in Deutschland nicht erlaubt ist, kann er sich ja auch nicht rausnehmen."

Was denken die Menschen in Spahns Wahlkreis über die Leihmutter-Debatte? Wir haben unter anderem bei Gerd Imping nachgefragt.

Auch Gerd Imping meint, dass Spahn zurücktreten sollte. Er sagt: "Ich finde es mehr als lächerlich". Spahn solle in seinem Leben machen, was er möchte, aber dann könne er den politischen Posten nicht mehr ausüben. "Sowas kann man nicht machen, wenn man auf so einem Posten ist. Sich dann so zu verhalten finde ich nicht gut."

Monika und Dietmar Rajkowski äußern sich zur Debatte um Jens Spahn.

Monika Rajkowski meint, das sei Privatsache - und Privates und Berufliches solle man trennen. Sie sagt: "Ich bin der Meinung es ist jedem selber überlassen, was derjenige macht." Auch Dietmar Rajkowski sagt, gerade in der heutigen Zeit müsse man einfach umdenken. Er glaubt, dass davon in Zukunft noch mehr Gebrauch gemacht werde und daher solle man jemanden nicht vorverurteilen, der sich dazu entschließt. "Das halte ich für affig", sagt er.

Auch Klaus Schücker hat eine Meinung zur Debatte um Jens Spahn.

Klaus Schücker findet das Ganze schwierig. Er kann Spahns Situation gut verstehen - dass er Familie und Kinder haben möchte. Aber wenn man als CDU Abgeordneter sagt, dass man gegen Leihmutterschaft ist, "dann sollte man sich eigentlich auch daran halten". Daher solle er sich jetzt um seine Familie kümmern und sich aus der Partei zurückziehen.

Sonja Jonas hält von den ganzen Vorkommnissen um Jens Spahn überhaupt nichts. Spahn solle abtreten, denn das gehöre nicht zur Politik. "Die machen was sie wollen die Politiker", sagt sie.

Theo Epping sagt: "Für mich hat er sich selber ins Aus geschossen". Seiner Meinung nach sollte Spahn zurücktreten. Denn: "Was in Deutschland nicht erlaubt ist, kann er sich ja auch nicht rausnehmen."

Auch Gerd Imping meint, dass Spahn zurücktreten sollte. Er sagt: "Ich finde es mehr als lächerlich". Spahn solle in seinem Leben machen, was er möchte, aber dann könne er den politischen Posten nicht mehr ausüben. "Sowas kann man nicht machen, wenn man auf so einem Posten ist. Sich dann so zu verhalten finde ich nicht gut."

Monika Rajkowski meint, das sei Privatsache - und Privates und Berufliches solle man trennen. Sie sagt: "Ich bin der Meinung es ist jedem selber überlassen, was derjenige macht." Auch Dietmar Rajkowski sagt, gerade in der heutigen Zeit müsse man einfach umdenken. Er glaubt, dass davon in Zukunft noch mehr Gebrauch gemacht werde und daher solle man jemanden nicht vorverurteilen, der sich dazu entschließt. "Das halte ich für affig", sagt er.

Klaus Schücker findet das Ganze schwierig. Er kann Spahns Situation gut verstehen - dass er Familie und Kinder haben möchte. Aber wenn man als CDU Abgeordneter sagt, dass man gegen Leihmutterschaft ist, "dann sollte man sich eigentlich auch daran halten". Daher solle er sich jetzt um seine Familie kümmern und sich aus der Partei zurückziehen.

Auch der Verband in Brilon, der Heimatstadt von Kanzler Merz, hatte in einem offenen Brief den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) gefordert. Man halte das notwendige Vertrauen in ihn als Vorsitzenden der Bundestagsfraktion für nachhaltig beschädigt, heißt es in dem Schreiben, das auf der Internetseite des Stadtverbands veröffentlicht wurde.

"Für mich gibt es nichts Wichtigeres als meine Familie"

Die Debatte ist an Spahn nicht spurlos vorbei gegangen. Die "zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung" habe ihn sehr nachdenklich gemacht, teilte er in seinem Rücktrittsschreiben an die Abgeordneten der Fraktion mit. Trotz aller Entschiedenheit in der Sache solle man auch immer menschlich im Ton bleiben.

"Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie." Jens Spahn, Unions-Fraktionschef im Bundestag

Im Podcast des Journalisten Paul Ronzheimer verteidigte Spahn die Entscheidung ein Kind durch eine Leihmutter in den USA austragen zu lassen. Er bedauere aber, sich nicht schon früher positioniert zu haben.

Spahn tritt zurück

WDR 18.07.2026 00:59 Min. Verfügbar bis 17.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • ARD-Hauptstadtstudio
  • Deutschlandfunk-Interview mit CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Umfrage eines WDR-Reporters in Ahaus

Sendung: WDR4, WDR aktuell, 18.07.2026, 14 Uhr

Kommentare zum Thema

71 Kommentare

  • 71 Jupp 20.07.2026, 10:23 Uhr

    Jens zerspahnt die CDU.

  • 70 verstört 20.07.2026, 08:17 Uhr

    merkwürdig, scheinheilig auch die gesamte cdu: erst jetzt bei einem so populistischen thema handelt diese partei u. das genauso bigott u. schizophren: erst gratulieren, dann -nach großer öffentlicher entrüstung- die forderung nach rücktritt. folge: wachsende politikverdrossenheit, die da oben machen eh´was sie wollen, wählen fruchtlos!!! und wenn jens s. das genauso geplant hat??

    Antworten (1)
    • Canasta Furie 20.07.2026, 14:05 Uhr

      Schon mit Merkel hat die CDU ihr Profil verloren. Jetzt der Spagat mit Ferse auf den Schultern von Heidi Reichinneck. Dennoch wurde die CDU in Köln beim CSD ausgebuht. Der Berliner Wegner ging nach Angriff auf unsere Infrastruktur Tennis spielen. Spahn passt eher in die Werteunion. Leihmutterschaft in USA bedeutet nichts, weil Deutschland ohnehin die Inkonsistenz vorlebt und während Corona, aber auch energiepolitisch und außenpolitisch und durch fahrlässige Migrationspolitik die falschen Weichen gestellt hat. Jetzt erleben wir Fälle wie in Stade. Stade wird politisch u. medial mehrheitlich tot geschwiegen. Ein Student wird in Trier ohne Anlass von einem Afghanen erstochen. Die Mutter des getöteten Studenten ist CDU Politikerin und wird vermutlich den Tenor der politischen Empörung anders gewichten. Nach Professor Raffelhüschen kostet Deutschland die Migration 5,8 Billionen. Das ist der Staatsbankrott. Der Schaden durch Messergewalt, Massenschlägereien usw. ist nicht eingerechnet.

  • 69 qwertz 19.07.2026, 23:13 Uhr

    Ich habe mir in den Zusammenhang noch mal die ganzen dubiosen Geschäfte und Kontakte während Spahns politischen Laufbahn angeguckt. Bei jedem anderen Politiker, der sich so was geleistet hätte, wäre die Karriere schon vor Jahren zu Ende gewesen. Diese Doppelmoral mit der Leihmutterschaft war wahrscheinlich der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte.

  • 68 Wüstenfähe 19.07.2026, 14:47 Uhr

    Soviel ich weiß, konnte Jens Spahn bisher keine Straftat nachgewiesen werden. Weder beim Hauskauf, noch bei den Maskendeals. Eine Vermittlungsagentur für eine Leihmutterschaft zu beauftragen, ist ebenfalls nicht strafbar. Außerdem ist Herr Spahn selbst nicht leiblicher Vater geworden, sondern der Ehemann. Es liegt außerdem an der Gesetzgebung und im Verantwortungsbereich des deutschen Staates, die entsprechenden Reisedokumente bei Leihmutterschaft auszustellen. Was soll also die Empörung? Die Doppelmoral hat anderen Ursprung.

  • 67 R W Echen 19.07.2026, 14:17 Uhr

    Bei homosexuellen Paaren läge nur dann ein Verzicht auf Kinderwunsch vor, wenn er zwischen den Partnern in der biologischen Praxis zu erfüllen wäre. Da dem natürlicherweise nicht so ist, besteht kein Verzicht in der Kinderlosigkeit, sondern nur Konsequenz. Nicht alles Gewünschte weil machbar kann allein schon deshalb erstrebenswert sein, zumal wenn Abhängigkeiten vom Geldbeutel bestehen. Bei einer explosionsartigen Entwicklung der zunehmenden Weltbevölkerung seit mehr als hundert Jahren kann man sich die Frage Stellen, ob der Verzicht auf den Kinderwunsch nicht ein Gewinn ist.

  • 66 and 19.07.2026, 13:34 Uhr

    Es geht hier um die moralische Integrität, Falschheit. Es geht um die Wünsche und Rechte kinderlose Menschen, die selber kein Kind bekommen können. Ja, richtig so. Ich möchte hier aber auch den Blick auf die Kinder lenken: Wir wissen dass Kinder ihre leiblichen Eltern kennen lernen wollen und Fragen haben. Zb. "Warum hat sie mich geboren und gleich wieder abgegeben." Es geht viel zu oft um die "egozentrischen" "Rechte" von uns Erwachsenen, als um die Bedürfnisse von Kindern. Und bitte: komme mir jetzt keiner mit dem Argument, ich würde Homosexuellen absprechen, liebevoll mit Kindern umgehen zu können.

  • 65 Köln 19.07.2026, 12:09 Uhr

    Das C in CDU und CSU wurde immer schon nur aus Reklamegründen als Christlich dargestellt. Die eigentliche Bedeutung ist: Chuzpe!

  • 64 Maximilian 19.07.2026, 12:00 Uhr

    Das politische Lager, welches für die Liberalisierung von Abtreibungen als Kassenleistung ist, sollte sich nicht moralisch über Spahn erheben. In den USA ist die Gesetzgebung eine andere. Es ist kein Widerspruch gegen die Leihmutterschaft in Deutschland zu stimmen u. gleichzeitig die Möglichkeit in den USA zu erwägen. Deutschland hat soziale Sicherungssysteme und eine zu liberale Migrations- und Einbürgerungspolitik. Die Situation hier ist von daher anders zu bewerten.

    Antworten (2)
    • Petra 19.07.2026, 14:03 Uhr

      Es geht hier nicht um pro oder contra Leihmutterschaft, es geht darum, politisch Positionen zu vertreten, welche der Bevölkerung eine Möglichkeit versagt, die man dann selbst aber mit dem vorhandenen Geld woanders nutzen kann.

    • Maximilian 19.07.2026, 15:56 Uhr

      @Petra. OK, aber ist es nicht so, dass man mit dem nötigen Kleingeld generell weniger Einschränkungen erfährt? Das fängt doch schon beim CO2 Verbrauch an. Lesen Sie bitte auf WDR den Artikel von Inga Lizengevic: Babys für die Welt. Low-Budget-Babyfabrik in der Ukraine zum Schnäppchenpreis ab 39.900 € mit Geld-Zurück-Garantie. Der Durchschnittsverdienst in der Ukraine liegt bei ca. 500 €. In kleineren Firmen werden nur umgerechnet 300 € gezahlt. Eine Leihmutterschaft in der korrupten Ukraine finanziert also eine lange Lebenszeit. Zurückbleiben aber frühgeborene und behinderte Babys, die aus der Vermittlung fallen. Und die Beauftragung einer Agentur ist in Deutschland "nicht" strafbar. In anderen Welten lebt der ukrainische Oligarch, der für 471 Millionen in Monaco eine Wohnung kaufte. Deutschland verzichtet übrigens als EU-Land auf Rückzahlung der Ukrainehilfen. Leihmütter sind angehalten in den -bisher- sicheren Westen der Ukraine umzuziehen, so beschreibt es Frau Lizengevic.

  • 63 Peter 19.07.2026, 09:52 Uhr

    Der Rücktritt kommt 9 Monate zu spät. Wer sich aktiv gegen Leihmütterschaft einsetzt und sich persönlich dann für diese Möglichkeit entscheidet muss dann zum Zeitpunkt dieser Entscheidung die notwendigen Konsequenzen ziehen und nicht abwarten in der Hoffnung, dass er damit durchkommt. Herrn Spahn wünsche ich alles Gute für seine Familie und ich wünsche mir, dass er nie wieder ein politisches Amt erhält.

  • 62 Bouvel Manni 19.07.2026, 09:46 Uhr

    Inkompetenz traf Arroganz! Jetzt noch die Niederlegung des Mandats im Bundestag und ich gratuliere Herrn Spahn zu seiner m.E. ersten richtigen Entscheidung!

  • 61 Tom 19.07.2026, 06:54 Uhr

    Leider ist (war) Spahn nicht der einzige in der aktuellen Regierung, von dem man sich fragt, warum der überhaupt noch im Bundestag sitzt. Dobrint z.B. hätte nach den Verfehlungen im Verkehrsressort auch längst abgetreten sein sollen so wie Spahn nach dem Masken-Skandal.

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