Ana Romas in Nachbars Küche : Frittierte Teigtaschen: Piroshki mit Ei und Frühlingszwiebeln
Wenn man die Tür zu Galina Harwardts Küche in Jüchen öffnet, schlägt einem sofort dieser unverwechselbare, warm-herzhafte Duft entgegen: frischer Hefeteig, im heißen Öl goldgelb ausgebacken, kombiniert mit dem knackigen Aroma frischer Frühlingszwiebeln.
Galina Harwardt
Das Wort Piroshki leitet sich vom altslawischen "pir" ab, was so viel wie "Fest" oder "Gastmahl" bedeutet. Die kleinen, gefüllten und goldbraun ausgebackenen Teigtaschen werden in ganz Osteuropa und Zentralasien geliebt. Bei meiner Mama, Galina (57), kommen Piroshki vor allem im Sommer bis Spätsommer auf den Tisch. Das hat einen einfachen Grund: Die Füllung besteht aus hartgekochten Eiern und reichlich frischen Frühlingszwiebeln.
Meine Mama ist gelernte Dreherin und Friseurin, heute wohnt sie im Rhein-Kreis Neuss. Geboren ist sie – genau wie ich – in Kasachstan. Beim Backen verlässt sie sich meist auf ihr Gefühl und das berühmte Augenmaß. Doch beim Hefeteig macht sie keine Kompromisse: Das Geheimnis für besonders luftige Piroshki mit knusprigen Bläschen liegt ihrer Meinung nach in der richtigen Hefe-Aktivierung.
Für mich ist das gemeinsame Kochen in Mamas Küche mehr als nur Schwelgen in Erinnerungen. Es ist auch ein Stück eigene Familiengeschichte. Kasachstan wurde im 20. Jahrhundert unter der Sowjetunion zum Zielort für Deportationen und Vertreibungen vieler unterschiedlicher Völker. Ein Teil unserer Familie gehört zu den Russlanddeutschen, die 1941 unter Stalin pauschal gebrandmarkt und ebenfalls nach Zentralasien deportiert wurden. In Mamas Küche spiegelt sich dieses kulturelle Zusammenleben bis heute wider:
"Wir sind mit dieser Küche aufgewachsen. Deshalb machen wir sowohl deutsche als auch russische, kasachische, usbekische und ukrainische Gerichte. Wareniki zum Beispiel. Bei uns gab es keine Trennung, wir waren alle gleich und befreundet. Wir standen uns teilweise näher als die eigene Verwandtschaft."
Man kann die Vergangenheit nicht verändern, aber man kann sie bewahren und teilen. Und manchmal reicht ein einziger Bissen von einem heißen Pirozhok aus Mamas Küche, um mich sofort wieder ganz zu Hause zu fühlen.
Mamas Piroshki mit Ei-Frühlingszwiebel-Füllung
Zutaten für ca. 15 bis 20 Stück
Für den Hefeteig:
500 ml lauwarme Milch
1 Pck. Trockenhefe (oder ½ Würfel frische Hefe)
½ TL Zucker
¾ TL Salz
1 Ei (Größe M)
100 g Sonnenblumenöl (plus etwas mehr zum Einfetten der Schüssel)
ca. 800 g bis 850 g Weizenmehl
Für die Füllung:
8–10 hartgekochte Eier
2–3 Bund frische Frühlingszwiebeln
2 EL geschmolzene Butter (oder etwas Sonnenblumenöl)
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer nach Geschmack
Zum Ausbacken:
Reichlich Pflanzenöl (z. B. Raps- oderSonnenblumenöl)
Zubereitung
Die lauwarme Milch in eine große Schüssel geben. Die Hefe darin auflösen. Zucker, Salz und ca. 150 g Mehl (etwa ein Glas) unterrühren. Den dünnflüssigen Vorteig abgedeckt an einem warmen Ort für ca. 20 Minuten ruhen lassen, bis er Blasen wirft und im Gefäß hoch steigt.
100 g Sonnenblumenöl und das Ei zum Vorteig geben. Nach und nach das restliche Mehl einarbeiten und zu einem geschmeidigen, weichen Teig kneten. Tipp: Der Teig darf ruhig noch leicht klebrig und sehr weich sein, nur so werden die Piroshki später luftig. Die Schüssel mit etwas Öl einfetten, den Teig hineinlegen und abgedeckt ca. eine Stunde an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. In dieser Zeit den Teig ein- bis zweimal leicht umkneten.
Die hartgekochten Eier pellen und klein würfeln. Die Frühlingszwiebeln waschen, trocken tupfen und in feine Ringe schneiden. Beides in einer Schüssel vermengen, mit der geschmolzenen Butter verfeinern und mit reichlich Salz und Pfeffer abschmecken.
Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche etwa 0,5 cm dick ausrollen. Mamas Tipp: Damit alle Piroshki gleich groß werden, mit einem großen Glas oder einer Schale Kreise (ca. zehn bis zwölf Zentimeter Durchmesser) ausstechen. In die Mitte jedes Teigkreises etwa 1 bis 1,5 EL der Füllung geben. Die Ränder nach oben klappen und sehr gut zusammendrücken, damit beim Ausbacken keine Füllung austritt.
In einer tiefen Pfanne reichlich Sonnenblumenöl erhitzen (das Öl sollte etwa zwei bis drei Zentimeter hoch stehen). Die Piroshki portionsweise mit der Nahtstelle nach unten ins heiße Öl geben und bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldgelb und knusprig ausbacken. Auf Küchenpapier oder einem Gitter abtropfen lassen und am besten noch warm genießen!
Autorin: Ana Romas
Redaktion: Monika Kophal
Ana Romas ist Foodbloggerin und schaut für "WDR 5 Neugier genügt" ihren Nachbarn in den Topf.
Service Essen und Trinken ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort mittwochs zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.