Service Garten : Disteln – stachelige Schönheiten
Von wegen lästige Unkräuter: Distelgewächse vereinen markante Architektur, faszinierende Blüten, hohe Trockenheitsverträglichkeit und einen enormen ökologischen Nutzen. Gleichzeitig gehören mit Artischocke und Cardy zwei traditionsreiche Gemüsepflanzen zu ihren bekanntesten Vertretern.
Strukturpflanzen mit Charakter
In der modernen Gartengestaltung sind Disteln längst unverzichtbar geworden. Ihre grafischen Blütenstände setzen markante Akzente zwischen locker wachsenden Stauden und Gräsern. Besonders in Prärie- und Steppengärten entfalten sie ihren unverwechselbaren Charme. Ihre oft silbrig bereiften Blätter reflektieren das Sonnenlicht, während die kugeligen oder sternförmigen Blütenstände den Beeten bis weit in den Winter hinein Struktur verleihen.
Viele Arten stammen aus trockenen Regionen Europas oder Vorderasiens und gelten als ideale Klimawandelpflanzen. Hitze, intensive Sonneneinstrahlung und zeitweilige Trockenheit vertragen sie meist deutlich besser als viele klassische Gartenstauden. Voraussetzung ist ein gut durchlässiger Boden, denn anhaltende Staunässe mögen die wenigsten Disteln.
Besonders reizvoll wirken Disteln in Kombination mit Federgras, Reitgras, Blauraute, Katzenminze, Steppensalbei, Sonnenhut, Schafgarbe oder Verbene. Durch den spannenden Kontrast zwischen den stacheligen Blütenständen und weich schwingenden Gräsern entstehen Pflanzungen mit außergewöhnlicher Dynamik.
Die Stars unter den Gartendisteln
Zu den beliebtesten Arten zählt die Kugeldistel (Echinops ritro), deren stahlblaue Blütenkugeln wie schwebende Kugeln über dem Beet stehen. Sie zählt zu den zuverlässigsten Sommerblühern und lockt unzählige Bienen sowie Schmetterlinge an. Nicht minder eindrucksvoll erscheinen die Edeldisteln (Eryngium). Ihre metallisch blau schimmernden Hochblätter wirken beinahe exotisch und bleiben auch getrocknet über viele Monate dekorativ. Die imposante Eselsdistel (Onopordum acanthium) entwickelt innerhalb weniger Jahre monumentale Pflanzen von bis zu drei Metern Höhe. Mit ihren silbrig behaarten Blättern und den kräftigen violetten Blüten wird sie schnell zum Blickfang großer Naturgärten. Es gibt aber auch viele bewährte kleinbleibende Sorten.
Bewährte Gartensorten
Die Kugeldistel "Veitch's Blue" überzeugt seit Jahrzehnten mit intensiv stahlblauen Blüten, hervorragender Standfestigkeit und reicher Blüte. Ebenfalls sehr beliebt ist "Arctic Glow", deren weiße Blütenkugeln außergewöhnliche Kontraste in sonnigen Beeten schaffen. Unter den Edeldisteln zählt "Blue Hobbit" zu den kompaktesten Sorten und eignet sich auch für kleinere Gärten. "Big Blue" beeindruckt dagegen mit besonders großen, intensiv gefärbten Blütenständen und langer Haltbarkeit als Schnittblume. Die Sorte "Sapphire Blue" begeistert durch ihre außergewöhnlich kräftige Blaufärbung. Ausgesprochen elegant präsentiert sich das Alpen-Mannstreu (Eryngium alpinum), dessen fein gefranste Hochblätter fast filigran wirken und zu den edelsten Erscheinungen unter den Disteln zählen. Hier gilt "Blue Star" als eine der schönsten Selektionen überhaupt. Ihre großen, metallisch glänzenden Blüten erscheinen nahezu künstlich und wirken besonders edel.
Disteln auf dem Teller – Artischocke und Cardy
Dass Disteln zur Feinschmeckerküche gehören, überrascht möglicherweise. Die Artischocke (Cynara cardunculus var. scolymus) wird seit der Antike im Mittelmeerraum kultiviert. Verzehrt werden die noch geschlossenen Blütenknospen mit ihren fleischigen Blütenböden. Im Garten entwickelt sie eindrucksvolle silbergraue Blattrosetten und große violette Blüten, sofern einige Knospen nicht geerntet werden. Besonders in warmen Weinbauregionen kann sie mehrjährig kultiviert werden; in raueren Gegenden empfiehlt sich ein guter Winterschutz. Neben ihrem kulinarischen Wert enthält die Artischocke Bitterstoffe wie Cynarin, die traditionell zur Unterstützung von Verdauung und Leberfunktion geschätzt werden.
Weniger bekannt ist der Cardy oder Kardon (Cynara cardunculus var. altilis). Seine gebleichten Blattstiele gelten vor allem in Norditalien, Südfrankreich, Spanien und der Westschweiz als Delikatesse. Dort gehört Cardy bis heute zu klassischen Weihnachts- und Wintergerichten. Im Garten beeindruckt die Pflanze mit bis zu zwei Meter hohen silbrigen Blättern und imposanten violetten Blütenständen. Sie verbindet den Nutzgarten mit dem Ziergarten auf besonders elegante Weise.
Disteln als Futter für Vögel und Insekten
Kaum eine Pflanzengruppe wird von Insekten intensiver besucht als Disteln. Wildbienen, Hummeln, Honigbienen, Schwebfliegen und zahlreiche Schmetterlinge finden hier über Wochen hinweg reichlich Nektar und Pollen. Später ernähren sich Distelfinken, Girlitze und andere Finkenarten von den ölreichen Samen.
Die Schattenseite: Wenn Disteln lästig werden
So attraktiv viele Zierdisteln auch sind – einige heimische Arten besitzen ein erhebliches Ausbreitungspotenzial. Vor allem die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) zählt zu den hartnäckigsten Gartenunkräutern überhaupt. Sie bildet weitreichende Wurzelausläufer und verbreitet sich zusätzlich über tausende flugfähige Samen.
Auch Lanzett-Kratzdistel (Cirsium vulgare), Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium palustre), Weg-Distel (Carduus acanthoides) oder verschiedene Gänsedisteln (Sonchus spp.) besiedeln offene Bodenflächen erstaunlich schnell. Am wirkungsvollsten lassen sich diese Arten bekämpfen, wenn sie bereits vor der Samenreife entfernt werden. Bei wurzelausläufertreibenden Arten hilft nur konsequentes Nachstechen der Austriebe. Dicht bepflanzte Beete, Bodendecker und Mulch erschweren den Wilddisteln die Ansiedlung erheblich.
Autorin: Anja Koenzen
Redaktion: Iris Möller-Grätz
Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.