Landwirte sorgen sich um Existenz

Bildquelle: WDR/Julian Lang

WDR 1 Min. 50 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028

Hohe Dieselpreise Landwirte sorgen sich um ihre Existenz

Stand:

Die hohen Spritpreise sind für einige Landwirte existenzgefährdend. Ein Landwirt aus Lünen denkt sogar darüber nach, umzuschulen.

In wenigen Tagen startet für Landwirt Julian Freisendorf die Kartoffelernte. Doch der Blick über seine Felder bereitet ihm momentan immer größere Kopfschmerzen. Der hohe Dieselpreis macht seinen Kollegen und ihm zu schaffen.

"Dass das alles gerade so verrückt spielt, ist schon außergewöhnlich", sagt er. "Aber es gibt aus meiner Sicht Möglichkeiten, die die Politik ergreifen kann. Alleingelassen fühlt man sich dann doch."

Landwirte fordern staatliche Unterstützung

Helfen würde Freisendorf und seinen Kollegen unter anderem, wenn der Staat Agrardiesel stärker subventionieren würde. Dafür spricht sich auch Hendrik Brügemann aus. Er ist der Lüner Ortsverbandsvorsitzende im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband.

Aus seiner Sicht sollte sich die Politik auch damit auseinandersetzen, andere Kraftstoffe für die Landmaschinen zuzulassen - beispielsweise gepresstes Rapsöl. "Die Technik der Motoren lässt das zu", erklärt Brügemann.

Momentan gebe es eine Spirale, aus der die Landwirte kaum aussteigen könnten: Für die Erntesaison seien aktuell besonders viele Maschinen mit teurem Kraftstoff im Einsatz. "Wir verteuern dadurch die Ernte, die wir gerade einholen, aber auch schon die kommende. Denn die wird ja teilweise bereits vorbereitet." Das habe gravierende Folgen.

"Ich kenne Berufskollegen, die sagen: Ich kann das nicht mehr, ich gebe auf." Hendrik Brügemann, Landwirt

E-Traktoren bisher keine Alternative

Aktuell plant Julian Freisendorf mit rund 40 Prozent höheren Kosten, damit seine Traktoren fahren können. Für 1.000 Liter Kraftstoff bedeute das beispielsweise 500 bis 800 Euro mehr. Eine echte Alternative zum Diesel, zum Beispiel Elektro-Maschinen, gibt es für ihn bisher nicht.

Landwirt Julian Freisendorf steht vor einem seiner Traktoren und schaut in die Kamera.

Bei Elektro-Traktoren sind für Julian Freisendorf noch zu viele Fragen offen.

Bildquelle: WDR/Julian Lang

"Ich muss erstmal die Gegebenheiten schaffen, den Traktor überhaupt laden zu können", sagt der Landwirt. Zusätzlich befürchtet er eine zu geringe Reichweite. "Und wenn man einen Traktor hat, der auf Diesel fährt, aber keine Probleme macht - den dann umzutauschen in einen, der elektrisch fährt, ist ein Kostenfaktor."

Landwirt denkt über Berufswechsel nach

Die hohen Dieselpreise, gestiegene Lohnkosten und die extreme Trockenheit: Für Landwirte gibt es aktuell gleich mehrere große Herausforderungen. Freisendorf ist sogar schon so weit, dass er über berufliche Alternativen nachdenkt. Vor allem als kleinerer Betrieb sei es aktuell extrem schwer zu überleben.

"Wir müssten stark investieren in diesen unsicheren Zeiten, in größere Maschinen investieren", sagt er. "Ich weiß nicht genau, ob sich das in den nächsten Jahren, zumindest für mich, lohnen würde."

Mehrere Säcke mit geernteten Kartoffeln

Freisendorfs aktuelles Projekt: die Kartoffelernte

Bildquelle: WDR / Julian Lang

Aber aufgeben will Freisendorf noch nicht. Erstmal muss er sich nun um seine Kartoffeln kümmern. "Wir müssen da durch. Tanken müssen wir. Nützt nichts. Es geht immer weiter."

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Landwirte Julian Freisendorf und Hendrik Brügemann

Sendung: WDR.de, Landwirte sorgen sich um Existenz, 16.09.2026, 17:15 Uhr

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