"Ich mache diesen Job seit 30 Jahren. Noch nie habe ich so einen Boom erlebt", sagt Serkan Hansoylu. Sein Kälte-Klima-Fachbetrieb "Klima ON" aus Köln montiert Klimaanlagen in privaten Haushalten und Betrieben. Während der Hitzewelle Ende Juni gingen rund 50 Anfragen pro Tag bei ihm ein - fast fünfmal so viele wie sonst.
"Bei vielen Leuten war das die pure Verzweiflung", sagt er. Vor allem Menschen in Dachgeschoss-Wohnungen und Familien mit Kindern hätten sich bei ihm gemeldet. "Die haben es nicht mehr geschafft, ihr Haus runterzukühlen."
Nachfrage nach mobilen Geräten explodiert
Ventilatoren schaffen zumindest etwas Abkühlung in der Wohnung.
Ähnlich geht es auch den Anbietern von mobilen Klimageräten, für die Verbraucher nur eine Steckdose benötigen und die die warme Luft über einen Schlauch nach draußen führen. "Klimagerät und Ventilator zählen aktuell zu den meistgesuchten Begriffen in unserem Onlineshop", so Frank Surholt, Pressesprecher des Onlinehändlers Otto gegenüber dem WDR.
Demnach hat der Onlinehändler bei den Klimageräten im Juni ein Wachstum von rund 250 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnet.
"Es wurden schon jetzt mehr als doppelt so viele Ventilatoren und Klimaanlagen verkauft wie im gesamten Jahr 2025." Frank Surholt, Pressesprecher des Onlinehändlers Otto
Auch die Baumarkt-Kette Hornbach meldet, dass die Nachfrage nach mobilen Klimageräten allein im Juni so hoch war wie im gesamten Sommer 2025.
Zu wenige Gebäude werden gekühlt
Das Problem: Deutschland hinkt beim Einbau von Klimaanlagen im internationalen Vergleich hinterher. Nur 4,3 Prozent der im Jahr 2025 fertiggestellten Wohngebäude verfügten nach Angaben des Statistischen Bundesamts über eine Anlage zur Kühlung. Bürogebäude (37,8 Prozent) und Gebäude für Bildung, Wissenschaft und Forschung (33,9 Prozent) werden deutlich häufiger gekühlt. Im Sozialwesen - also bei Pflegeeinrichtungen und Kitas - waren es hingegen nur 14,5 Prozent. Im Vergleich dazu sind Klimaanlagen in den USA oder Japan in einem Großteil der Gebäude Standard.
Handwerker für den Einbau von Klimaanlagen sind derzeit schwer zu bekommen.
Gerade wenn die Temperaturen steigen, wollen viele Menschen auch hierzulande nachrüsten. Doch mobile Klimageräte waren zuletzt fast überall vergriffen. "Diese Geräte werden ein Jahr im Voraus in Asien bestellt", erklärt ein Hornbach-Pressesprecher. Wann Nachschub für die nächsten warmen Tage kommt, können die Baumärkte daher noch nicht absehen.
Vorteile fest verbauter Klimaanlagen
Fest verbaute Klimaanlagen sind noch zu bekommen. Diese sogenannten Split-Systeme mit Außen- und Inneneinheit gelten grundsätzlich als effizienter, sie sind aber deutlich teurer. Außerdem müssen sie von Fachpersonal montiert werden. Doch die Betriebe sind zurzeit gut ausgelastet und schon mit der Wartung bestehender Systeme beschäftigt.
"Wer sich jetzt bei uns meldet, kann frühestens in drei Monaten mit einer Klimaanlage rechnen." Serkan Hansoylu, Geschäftsführer des Kälte-Klima-Fachbetriebs "Klima ON"
Dabei stellt Hansoylu fest, dass immer mehr Menschen mit der Klimaanlage auch heizen wollen. So genannte Luft-Luft-Wärmepumpen gelten als umweltfreundliche Heizmethode und sind auch zum Kühlen verwendbar. Den Kauf und Einbau solcher Wärmepumpen bezuschusst der Staat.
Allerdings will die Bundesregierung die Fördersätze für den Austausch alter Heizungen deutlich absenken und stärker nach der Höhe des Einkommens staffeln. Wer Stromkosten sparen möchte, kann auch über ein Balkonkraftwerk nachdenken. Denn das liefert dann besonders viel Strom, wenn die Sonne scheint und das Klimagerät läuft.
Andere Tipps gegen die Hitze
Markisen und Sonnenschirme schützen vor direkter Sonneneinstrahlung.
Wer seine Wohnung dauerhaft vor Hitze schützen will, sollte auch über andere Lösungen nachdenken. Zum Beispiel sind außenliegende Verschattungen wichtig. Sie können die Sonneneinstrahlung abfangen, bevor sie auf die Fensterscheiben trifft. Hier können Rollläden, Markisen oder Sonnensegel helfen.
"Auch Dach- und Fassadenbegrünungen können dazu beitragen, Innenraumtemperaturen abzusenken", sagt Lukas Sander, der sich bei der Prognos AG mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt.
Hitze-Tipp für Mieter
Einen Notfall-Tipp für Mieter, für die bauliche Maßnahmen schwierig sind, nennt Sander noch: "Man kann Rettungsdecken von außen an die Fenster hängen - also die Decken, die man aus dem Sanitätskasten aus dem Auto kennt." Wichtig ist dann, die silberne Seite nach außen gerichtet zu lassen. Die reflektiert die Sonne und dient dazu, uns vor Sonnenstrahlen abzuschirmen.
Unsere Quellen:
- WDR Interview mit Serkan Hansoylu, Geschäftsführer "Klima ON"
- WDR Interview mit Lukas Sander, Experte für Klimawandel-Folgen, Prognos AG
- Statistisches Bundesamt zum Einbau von Klimaanlagen in Neubauten: 4,3 % der im Jahr 2025 fertiggestellten Wohngebäude haben eine Anlage zur Kühlung
- Anfrage Pressestelle des Online-Händlers Otto
- Interview Pressestelle Hornbach
- Informationen der Bauhaus Pressestelle
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 09.07.26, 13:35 Uhr