Es ist vielleicht ein letzter Versuch, den angeschlagenen Galeria-Konzern finanziell zu stabilisieren. Es geht um 83 Filialen in ganz Deutschland, 17 davon in Nordrhein-Westfalen, und um mehr als 10.000 Arbeitsplätze. Mit einem Kreditrahmen von 160 Millionen Euro soll der Betrieb weiterlaufen können - die Zusage hierfür bekam Galeria am Donnerstag, wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr.
Den Kredit stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit, abgesichert durch die Ware von Galeria. Die Verhandlungen zogen sich über Wochen hin. Voraussetzung für die Zusage war ein von der Unternehmensberatung AlixPartners erstelltes Gutachten zur wirtschaftlichen Lage von Galeria.
Filialnetz kommt auf den Prüfstand
Das Geld ist an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der jetzt umgesetzt werden soll. Die Warenhauskette will dabei unter anderem prüfen, welche Standorte rentabel sind, und mit Vermietern über Mietsenkungen sowie flexiblere Konditionen verhandeln. "Wir durchleuchten das gesamte Filialnetz, denn jedes Haus soll künftig wirtschaftlich tragfähig sein", sagte Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock der dpa am Donnerstag. Als Grund für die Maßnahmen nennt das Unternehmen unter anderem das anhaltend schwache Konsumklima im stationären Einzelhandel.
Etwa 30 der derzeit 83 Warenhäuser gelten als Wackelkandidaten und sollen besonders gründlich in den Blick genommen werden. Galeria dürfte in drei Jahren ein deutlich kleineres Filialnetz haben – das sagten Beteiligte, die über die Pläne informiert sind, der dpa. Hellenbock zufolge wird allerdings auch in Betracht gezogen, an früheren Standorten wieder Filialen zu eröffnen.
Zweifel, ob die neue Finanzspritze reicht
Viele Handelsexperten bezweifeln aber, dass die neue Finanzspritze reicht. Denn aus Sicht vieler Experten ist Geld nicht das einzige Problem. Galeria müsse vor allem klären, wofür die Kaufhäuser überhaupt noch stehen. Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sieht ein zentrales Problem im Sortiment.
Galeria hätte das Angebot viel stärker lokal ausrichten müssen, sagt Roeb dem WDR vor einigen Tagen. Dafür hätte auch das Management vor Ort mehr Macht gebraucht. Stattdessen habe der Konzern weiter stark auf zentralen Einkauf gesetzt. "Es ist wichtiger, dass man die Produkte hat, die dem Kunden gefallen, als dass man die Produkte, die dem Kunden nicht gefallen, möglichst billig anbietet", sagt Roeb.
Unsere Quellen:
- Interview mit Handelsexperte Thomas Roeb
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR.de, Angeschlagene Warenhauskette: Galeria erhält neuen Kredit für Sanierung, 25.06.2026, 18.30 Uhr