Eigentlich war schon alles beschlossene Sache, der Rat der Stadt Lünen hatte im März grünes Licht für die Pläne von Rossmann gegeben. Der Drogerie-Konzern wollte auf der ehemaligen Steag-Fläche einen Logistik-Park errichten - mit rund 1.400 neuen Arbeitsplätzen. Doch daraus wird nun nichts. Das hat die Stadt am Morgen in einer Pressemitteilung erklärt
"Große Enttäuschung" für die Stadt Lünen
"Das ist natürlich eine große Enttäuschung. Wir haben seitens der Stadt Lünen in den vergangenen Wochen alles getan, um die Voraussetzungen für die Ansiedlung zu schaffen", so Lünens Bürgermeisterin Martina Förster-Teutenberg. Nachdem Rossmann der Bürgermeisterin die Entscheidung mitgeteilt habe, sei es noch zu Gesprächen gekommen. Aber der Entschluss der Drogerie-Kette steht.
Rossmann prüft andere Standorte
Rossmann selbst teilte dem WDR in einer schriftlichen Stellungnahme heute mit: "Im Zuge des weiteren Ausbaus unserer Logistikstrukturen prüfen wir derzeit mehrere potenzielle Standorte. Auch der Standort Lünen wurde in diesem Zusammenhang intensiv bewertet. Nach eingehender Prüfung haben sich jedoch verschiedene Faktoren ergeben, die aus unserer Sicht gegen eine Umsetzung des Projekts auf dem ehemaligen Steag-Gelände sprechen."
Hohes Verkehrsaufkommen vs. Neue Arbeitsplätze
Im März wurde noch kontrovers im Rat der Stadt Lünen über das Thema diskutiert. Nicht alle waren mit der Ansiedlung von Rossmann auf dem Gelände des früheren Steag-Kohlekraftwerks einverstanden. Die Drogerie-Kette wollte dort ein Warenzentral- und Regionallager bauen.
Hier sollte das Logistikzentrum entstehen: auf dem brachliegenden Steag-Gelände
Die Gegner des Logistikzentrums hatten vor allem das zu erwartende erhöhte Verkehrsaufkommen kritisiert. Kalkuliert worden war mit 350 bis 400 Lkw-Bewegungen von und nach Lünen pro Tag. Befürworter hoben damals vor allem die vielen Arbeitsplätze hervor, die mit dem Zentrum nach Lünen kommen würden. Ebenso, dass der Drogerie-Riese nach dem Tarif des Einzelhandels bezahlt. Trotz aller Streitereien gab es am Ende eine Einigung im Rat. Die ist jetzt hinfällig.
Im März hatte der Rat für das Projekt gestimmt:
Politische Diskussion könnte ein Grund sein
Die Bürgermeisterin stellte in ihrer Stellungnahme klar, dass politische Diskussionen und auch konträre Meinungen zum Wesen der Demokratie gehören. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die politische Diskussion im Nachgang zur Ankündigung der Ansiedlungspläne offenbar ein schlechtes Gefühl bei dem Konzern hinterlassen hat", ordnet Förster-Teutenberg die eventuellen Beweggründe des Unternehmens ein.
Stadt will nun eine andere Lösung finden
Zusammen mit den Firmen Hagedorn und der Dietz AG als Eigentümer will Lünen nun eine andere Lösung für das Gelände finden. "Ich appelliere daher an alle Fraktionen im Rat, unsere weiteren Anstrengungen zur Ansiedlung von Betrieben auf der ehemaligen Steag-Fläche positiv zu unterstützen", so Förster-Teutenberg heute. Und weiter: "Sichere Arbeitsplätze, mehr Gewerbesteuer, höhere Kaufkraft – das sind Faktoren, die für die Entwicklung unserer Stadt immens wichtig sind."
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung der Stadt Lünen
- Vorherige Berichterstattung des WDR
- Stellungnahme von Rossmann
Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 26.06.2026, 09:30 Uhr