Der Kopf eines humanoiden Roboters von Unitree

Der chinesische Roboter-Hersteller Unitree startet mit einem starken Kursanstieg an der Börse. Das Unternehmen setzt auf Humanoide Roboter.

Bildquelle: Hector Retamal / AFP

Boombranche Robotik Wie Roboter die Arbeitswelt verändern

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Der Robotik-Hersteller Unitree sorgt mit seinem Börsenstart für Aufsehen. Deutsche Hersteller wollen im Wettbewerb mithalten.

Die freundliche Begrüßung übernimmt der Roboter schon routiniert. Wer die Roboterspezialisten bei der Firma Igus in Köln besucht, wird zunächst von einem Roboter in Empfang genommen. Der Iggy Rob rollt auf Besucher zu, begrüßt sie und soll schon bald auch erste Fragen zum Unternehmen beantworten können.

Es ist ein erster Eindruck davon, was so genannte humanoide Roboter heute schon leisten können. Wozu die menschenähnlichen Maschinen sonst noch in der Lage sind, hat das chinesische Unternehmen Unitree in den vergangenen Monaten mehrfach demonstriert.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) besucht die Firma Unitree Robotics in der Provinz Zhejiang und lässt sich von Gründer und Geschäftsführer Wang Xingxing (l) durch die Präsentationsräume führen.

Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßt beim China-Besuch einen 1,30 Meter großen humanoiden Roboter des Herstellers Unitree.

Bildquelle: Michael Kappeler / dpa

Bei der China-Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz im Februar ließ Unitree seine Roboter tanzen und kämpfen. Beim Halbmarathon in Peking im April schickte Unitree hunderte Roboter ins Rennen - und die waren schneller als je ein Mensch über diese Distanz gelaufen ist. Die Erwartungen an das Unternehmen sind groß. Zum Börsengang war die Unitree-Aktie zwischenzeitlich mehr als 600 Prozent im Plus.

Hohe Erwartungen, große Herausforderungen

Doch ein Selbstläufer ist der Erfolg der Roboter nicht. "Es ist noch viel Spielerei dabei", sagt Patrick Schwarzkopf. Der Geschäftsführer des VDMA Fachverbands Robotik + Automation hat einen guten Überblick über die Branche. Trotz der eindrucksvollen Demonstrationen der humanoiden Roboter ist in seinen Augen noch viel zu tun.

"Einen humanoiden Roboter in der Produktion einzusetzen, ist eine wesentlich größere Herausforderung als Roboter tanzen zu lassen." Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des VDMA Fachverbands Robotik + Automation

Es reiche nicht, dass die Roboter zuvor programmierte Bewegungsabläufe ausführen. "Wir brauchen eine KI, die die humanoiden Roboter mit einer Art Vernunft ausstattet, man will ja nicht alles genau programmieren, sondern dem Roboter sagen: Erledige diesen Job - und dann soll der Roboter selbst einen Weg finden, wie er das tut", sagt Schwarzkopf.

Robotik gegen Fachkräftemangel

Bei einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hat im April mehr als die Hälfte der befragten Industrieunternehmen angegeben, dass humanoide Roboter eine wichtige Unterstützung zur Bewältigung des Fachkräftemangels sein können - etwa dann, wenn große Lasten von A nach B transportiert werden müssen. "Überall da, wo schwere und stupide Tätigkeiten anfallen, würde man humanoide Roboter einsetzen", sagt Sascha Mais vom Kölner Unternehmen igus.

Boombranche Robotik - große Chancen, große Konkurrenz

WDR 19.08.2026 5 Min. 1 Sek. Verfügbar bis 18.08.2028 WDR Online

Der Kölner Kunststoffspezialist igus hat 2025 auf der Hannover Messe seinen ersten humanoiden Roboter vorgestellt. Anwendungsfelder gibt es aber auch jenseits der Industrie: Bei der Essensausgabe in Restaurants, in der Pflege oder in der Reinigung.

Schon jetzt gibt es humanoide Roboter, die in Seniorenheimen mit den Bewohnern Bingo spielen oder Pflegebedürftigen bei der Einnahme von Tabletten helfen. Genau diese Anwendungsbereiche sind wichtig, damit sich das Geschäft mit den Robotern lohnt, sagt Robotik-Fachmann Dr. Sebastian Reitelshöfer von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Wo deutsche Hersteller ihre Chance sehen

"Wer heute einen humanoiden Roboter auf den Markt bringen möchte, der sollte unbedingt den breiten Markt adressieren, denn nur über große Stückzahlen wird es gelingen, dass die Robotersysteme sehr günstig sind", so Reitelshöfer. Obwohl die chinesischen Unternehmen auf dem Markt derzeit den Ton angeben, sieht er die deutschen Hersteller noch nicht komplett abgehängt:

"Wenn ich in naher Zukunft die Wahl habe, ein Robotersystem zu kaufen, das in meinem privaten Wohnumfeld oder im medizinischen Kontext eingesetzt wird, dann möchte ich, dass dort Firmen dahinterstehen, die sich an europäisches Recht halten, die wissen was Datenschutz ist, die eine ethisch gute KI implementieren." Dr. Sebastian Reitelshöfer, Robotik Fachmann von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Hier seien deutsche Unternehmen deutlich im Vorteil. Nun komme es darauf an, diese Roboter günstig und in Masse zu produzieren, damit sie wirklich konkurrenzfähig werden.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview Dr. Sebastian Reitelshöfer, Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • WDR-Interview Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA-Fachverband Robotik + Automation
  • WDR-Interview Sascha Mais, igus GmbH
  • Bitkom-Umfrage zu Humanoiden Robotern

Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin19.08.2026, 13:35 Uhr

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