Aus alten Textilien neue Rohstoffe machen: Mit dieser Idee haben sich Timur Oruz, Lars Conzendorf und Lauritz Schmidt aus Krefeld selbstständig gemacht. Mit ihrer Firma Crcl entwickeln sie Verfahren, um Altkleider zu recyceln, die bislang häufig verbrannt werden. Aus aufbereiteten Fasern wollen die Gründer unter anderem Granulat für Kunststoffstühle herstellen.
So sieht das Kunststoff-Granulat des Start-ups "Crcl" aus.
Doch innovative Ideen allein reichen oft nicht aus, um als Gründer erfolgreich zu sein. Wie viele junge Unternehmen ist das Start-up auf externes Kapital angewiesen. Gerade die Beantragung von Fördermitteln sei jedoch oft kompliziert und zeitaufwendig, sagt Mitgründer Timur Oruz. Vor allem für kleinere Fördersummen stehe der Aufwand häufig in keinem Verhältnis zum Nutzen.
"Da bräuchte man eigentlich ein, zwei Leute, die sich nur damit beschäftigen, um zu wissen, welche Fördertöpfe man wie beantragen muss." Timur Oruz, Crcl GmbH
Genau hier will die Bundesregierung mit ihrer neuen Start-up-Strategie ansetzen. Mehr als 150 Maßnahmen sollen bürokratische Hürden abbauen, Fördertöpfe leichter zugänglich machen und vor allem dabei helfen, dass Gründer mehr Geld von privaten Investoren bekommen.
Die Probleme kommen oft erst nach der Gründung
An neuen Geschäftsideen mangelt es oft nicht. Schwieriger wird für viele Unternehmen die Zeit nach der Gründung. Wenn Produkte auf den Markt gebracht, Mitarbeiter eingestellt und neue Standorte aufgebaut werden sollen, dann steigt der Kapitalbedarf oft sprunghaft an.
Mit Hilfe der neuen Strategie soll jetzt Wagniskapital mobilisiert werden können. Dabei investieren private Geldgeber in junge Unternehmen und beteiligen sich im Gegenzug am späteren Erfolg. Bisher kommen diese Investitionen häufig aus den USA und aus Asien, heißt es vom Start-up-Verband.
"Bisher profitieren hier vor allem amerikanische Investoren. Und es besteht auch immer das Risiko, dass Unternehmen ins Ausland abwandern." Janis Gilde, Startup-Verband
Bisher fließt nur ein kleiner Teil des Wagniskapitals nach NRW
Dass dieses Geld privater Investoren dringend benötigt wird, zeigen aktuelle Zahlen der Unternehmensberatung EY. Deutsche Start-ups sammelten demnach im ersten Halbjahr rund 5,3 Milliarden Euro Wagniskapital ein. Nach Nordrhein-Westfalen floss davon allerdings nur ein vergleichsweise kleiner Anteil von knapp 170 Millionen Euro.
Die Bundesregierung will das ändern. Geplant ist unter anderem, Wagniskapital als mögliche Anlageform in der neuen staatlich geförderten privaten Altersvorsorge zu berücksichtigen. Außerdem sollen bestehende Förderprogramme ausgebaut und neue Finanzierungsinstrumente geschaffen werden.
Rückenwind für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie
Im Rahmen der Start-up-Strategie möchte die Bundesregierung auch gezielt bei Unternehmen aus der Rüstungsbranche einsteigen. Erfolgreiche Beispiele für Rüstungs-Start-ups aus NRW gibt es bereits. Das Mülheimer Unternehmen "Infinteq" entwickelt Aufklärungsdrohnen, das Dortmunder Start-up "Smart Sensor Labs" arbeitet an Systemen zur Erkennung chemischer und nuklearer Gefahren.
Infinteq-Geschätsführer André Komp unterhält sich mit einem Mitarbeiter über den Status der Drohne.
Die Strategie der Bundesregierung passt deshalb gut zu dem Bereich, den auch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen derzeit gezielt stärken will: die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Sie plant mit dem "Production Launch Centre Defence" ein Technologiezentrum, in dem Hochschulen, Start-ups und Industrieunternehmen zusammenarbeiten sollen. Beteiligt sind unter anderem Rheinmetall, Leonardo, Siemens und die RWTH Aachen.
Weniger Bürokratie geplant
Neben der Finanzierung verspricht die Bundesregierung auch weniger bürokratischen Aufwand für Gründer. Unternehmensgründungen sollen stärker digitalisiert werden. Außerdem sollen junge Unternehmen häufiger öffentliche Aufträge erhalten.
Für Unternehmer wie Timur Oruz aus Krefeld wären das wichtige Schritte. Denn aus Sicht vieler Gründer fehlt es oft nicht an Ideen, sondern an Zeit und Ressourcen, sich durch komplexe Antragsverfahren zu arbeiten.
In der Start-up-Szene wird die neue Strategie grundsätzlich positiv bewertet. Ob sie tatsächlich für spürbare Erleichterungen sorgt, wird sich allerdings erst zeigen, wenn die angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden. Die Ausgangsvoraussetzungen für NRW sind jedenfalls nicht schlecht: Mit seinen Hochschulen, seiner Industrielandschaft und seiner Lage im Herzen Europas gehört NRW schon heute zu den wichtigsten Start-up-Standorten Deutschlands.
Unsere Quellen:
- Startup-Strategie der Bundesregierung
- EY-Studie zu Risikokapital für Jungunternehmen
- WDR-Interview Jannis Gilde, Startup-Verband
- WDR-Interview Timur Oruz vom Crcl GmbH
- Pressemitteilung des NRW-Wirtschaftsministeriums
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 22.07.2026, 13:34 Uhr
