Grüne Wälder im Naturpark Eifel, eine Abkühlung in der Attahöhle, Radtouren an der Ruhr oder Schwimmen am Fühlinger See: Wer in den Sommerferien spontan verreisen möchte, muss nicht weit fahren. Nordrhein-Westfalen wird als Urlaubsziel immer beliebter.
Urlaub vor der Haustür
Seit Corona haben viele Familien in NRW den Urlaub vor der eigenen Haustür für sich entdeckt. Im Vergleich zu 2019 ist die Zahl der Gäste um rund 40 Prozent gestiegen. So die Zahlen des Tourismusverbandes NRW.
Steigende Preise für Flüge, Hotels und Freizeitangebote sorgen dafür, dass die Menschen auf ferne Urlaubsreisen verzichten. Davon profitiert auch die Tourismusbranche in NRW - obwohl sie gleichzeitig vor einigen Herausforderungen steht.
Natur, Erholung und kurze Anreise
Ob verlängertes Wochenende oder spontane Auszeit: Kurzurlaube von zwei bis vier Tagen sind besonders beliebt und machen inzwischen 75 Prozent aller Urlaubsreisen in NRW aus.
Karibische Atmosphäre im Hochsauerland
Statt langer Flugreisen stehen spontane Auszeiten in der Eifel, im Sauerland oder in den großen Städten des Landes hoch im Kurs. Viele Menschen suchen Erholung in der Natur, möchten dabei aber gleichzeitig Zeit und Geld sparen.
Spontan buchen geht noch
Wer gerade versucht, trotz knappem Budget noch in den Urlaub zu kommen, hat gute Chancen, kurzfristig etwas zu finden. Denn die Übernachtungspreise sind im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil geblieben. Und die gute Nachricht: In NRW ist noch längst nicht alles ausgebucht.
"Es gibt noch in jeder Kategorie und für jeden Geldbeutel Kapazitäten für die kommenden Wochen.“ Dr. Heike Döll-König, Geschäftsführerin Tourismusverband NRW
Ob Eifel, Sauerland oder Münsterland – in vielen Regionen sind auch kurzfristig noch Unterkünfte verfügbar. Besonders hoch ist die Nachfrage nach Ferienhäusern, Ferienwohnungen sowie Camping- und Wohnmobilstellplätzen. Wer flexibel sucht, hat dennoch gute Chancen auf einen freien Platz.
Trotz gut gebuchter Sommerferien gibt es zum Beispiel im Sauerland noch freie Unterkünfte. Wie Rouven Souyka vom Sauerland-Tourismus berichtet, sind vielerorts noch Zimmer verfügbar. Sein Tipp: Nicht nur in den bekannten Tourismusorten suchen. Oft lohnt sich ein Blick in die umliegenden Orte, wo Urlauber noch attraktive und freie Unterkünfte finden können.
Urlaub im eigenen Bundesland
Der Tourismus-Boom in NRW wird vor allem von den Menschen aus dem eigenen Bundesland getragen. Rund 43 Prozent der Urlaubsgäste kommen aus Nordrhein-Westfalen selbst. Seit Corona haben viele die Region neu für sich entdeckt und verbringen ihre freie Zeit in der Eifel oder Münsterland. Von diesem Trend profitieren auch Unterkünfte, Restaurants und viele Freizeit- und Kulturangebote in NRW.
Tagesausflüge werden seltener
Während Kurzurlaube in NRW boomen, verzichten Reisende zunehmend auf klassische Tagesausflüge. Vor allem Freizeitparks und andere vergleichsweise teure Angebote spüren die Zurückhaltung.
Die mittelalterliche Burg Satzvey ist ein beliebtes Ausflugsziel im Rheinland.
"Vor allem ausgabenintensive Freizeitaktivitäten sind von dem Rückgang betroffen. Daran merkt man, dass das Geld nicht mehr so locker sitzt und Sparsamkeit zur Tugend geworden ist", sagt Dr. Heike Döll-König vom Tourismusverband NRW.
Viele Menschen überlegen heute genauer, wofür sie ihr Geld ausgeben. Beliebt bleiben trotzdem Ausflüge zu Burgen, Schlössern und Denkmälern.
Mehr Gäste, aber auch mehr Herausforderungen
Der Tourismus bleibt für NRW ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Im Jahr 2025 haben rund 5,4 Millionen Deutsche ihren Urlaub für mehrere Tage in Nordrhein-Westfalen verbracht. Doch die Branche klagt über schwierige Bedingungen: Viele Hotels, Restaurants und Freizeitanbieter kämpfen mit Personalmangel, steigenden Energiepreisen und höheren Kosten.
Hinzu kommt, dass viele Geschäftsreisen weggefallen sind. Seit Besprechungen oft per Video stattfinden, fehlen besonders Hotels die Einnahmen durch Tagungen und Geschäftskunden. Trotzdem gibt es auch gute Nachrichten für die Branche: Bereits zum dritten Mal in Folge gab es mehr Neugründungen im Gastgewerbe.
Viele Menschen wollen weiterhin verreisen, schauen aber genauer aufs Budget. Gefragt sind Angebote, die Erholung mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis verbinden.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz Tourismusverband NRW
- Interview mit Rouven Soyka von Sauerland-Tourismus e.V.
- Interview mit Uschi Regh von Eifel Tourismus (ET) GmbH
- Interview mit Caroline Bartmann von Münsterland e.V.
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 14.07.2026, 13:36 Uhr