Der Angriff der asiatischen Hornissen kam für Annette Sunderhaus plötzlich und unerwartet, als die 76-jährige Coesfelderin in ihrem Garten an den Blättern eines Baumes herumzupfte.
"Ich wurde mindestens zwei Mal gestochen. Ein Stich traf mich direkt in die Schläfe", erzählt sie. Wie viele Stiche es letztlich waren - sie weiß es bis heute nicht.
Annette Sunderhaus wurde von Hornissen im eigenen Garten gestochen und dadurch ohnmächtig.
Bildquelle: Marco Poltronieri/WDROhnmächtig nach Hornissenstichen
Sie weiß nur noch, dass sie sich ins Haus schleppte. Im Badezimmer wurde ihr schlecht, sie musste sich übergeben. Schließlich wurde sie ohnmächtig. Als Sunderhaus wieder zu sich kam, kroch sie auf allen Vieren zu ihrem Telefon und rief den Rettungsdienst. Der brachte sie sofort in eine Klinik.
"Mein Kopf tat so weh, als ob er gleich platzt. Es war nicht zum Aushalten." Annette Sunderhaus
20.000 Nester sind erst der Anfang
Die Asiatische Hornisse breitet sich in Nordrhein-Westfalen rasant aus. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben von Imker Klaus Maresch rund 7.000 Nester entfernt - in diesem Jahr könnten es mehr als 20.000 werden - und das könnte erst der Anfang sein.
"Finger weg von den Nestern"
15 Meter über einer Straße in Köln-Chorweiler hängt ein Nest bewohnt von rund 6000 asiatischen Hornissen. Imker und Mitarbeiter eines Baumpflegeunternehmens rücken gemeinsam an. In voller Schutzmontur fahren die Männer mit einer Hubleiter in die Baumkrone und schneiden den Ast samt Nest ab.
Imker Klaus Maresch entfernt ein Hornissennest aus einem Baum.
Bildquelle: WDR / Lena WenschSolche Einsätze sollten unbedingt Profis überlassen werden, warnt Imker Klaus Maresch: "Wir hatten erst letzte Woche einen Unfall bei dem ein Mitarbeiter ins Krankenhaus musste."
"Es sind bei solchen Aktionen schon Leute auf der Intensivstation gelandet." Klaus Maresch, Imker
Hornissen in der Tiefkühltruhe
Kurzerhand packt er das Nest in eine Kiste in sein Auto. "Es muss jetzt für mindestens 48 Stunden in die Tiefkühltruhe, danach kann es auf die Müllverbrennung", erklärt er. Denn die asiatische Hornisse kann auch bei kühlen Temperaturen lange überleben.
Die Hornissenjägerin: Eine Lokalzeit-Reportage
Bildquelle: WDR/Kreis KleveLokalzeit. 16.08.2026. 14:28 Min.. Verfügbar bis 15.08.2028. WDR. Von Petra Dierks.
Nester Online melden
Wer ein Nest entdeckt, kann das einfach Online über Portale melden. In vielen Städten und Kreisen ist das in diesem Jahr schon massenhaft geschehen, in Kleve zum Beispiel. Im öffentlichen Raum übernimmt in der Regel die zuständige Stadt oder Kommune die Kosten. Im eigenen Haus oder Garten müssen Eigentümer selbst bezahlen.
Je nach Aufwand kostet der Einsatz meist zwischen 150 und 350 Euro. Die Rechnung kann allerdings häufig bei der Gebäude- oder Hausratversicherung eingereicht werden, sagt Imker Maresch.
Ein typisches Nest der Asiatischen Hornisse in dem oft tausende Tiere leben.
Bildquelle: WDR / Lena WenschVorsicht bei Schnäppchen
Bei vermeintlichen Schnäppchenangeboten und Anbietern, die nur gegen Barzahlung arbeiten warnen Imker. "Das ist inzwischen schon ähnlich wie bei Schlüsseldiensten: Betrüger locken mit günstigen Preisen, und dann zahlt man gerne mal das Dreifache", sagt Maresch.
Hornissennest im Vogelhaus
Bei Anette Sunderhaus in Coesfeld hat Imker und Hornissen-Fachmann Andre König das Hornissen-Nest Tage später entsorgt. Die Hornissen hatten es sich in einem Nistkasten für Vögel gemütlich gemacht.
In diesem Vogelhaus hatten es sich die Hornissen gemütlich gemacht.
Bildquelle: Marco Poltronieri/WDR"Das ist typisch für die asiatische Hornisse", sagt König. "Die hat einen viel größeren Verteidigungsradius als die einheimische Hornissenart, reagiert aggressiver."
Nicht giftiger, aber schmerzhafter
Einen allergischen Schock hatte Annette Sunderhaus wohl nicht. "Ich bin schon öfter mal von ner Biene oder Wespe gestochen worden, hab aber nie allergisch reagiert", sagt sie. Dass die Hornissen-Attacke trotzdem solche Folgen hatte, überrascht Arzt Lars Herda nicht.
Herda leitet die Notfallambulanz am Clemenshospital in Münster: "Grundsätzlich ist die asiatische Hornisse nicht giftiger als andere Insekten. Aber sie hat einen längeren und breiteren Stachel."
Die Stiche sind nicht giftiger, aber schmerzhafter. Dr. Lars Herda, Arzt am Clemenshospital Münster
Im Zweifel zum Arzt oder in die Notfallambulanz
Wichtig deshalb: wer gestochen wird, aufmerksam die Stichwunde beobachten und kühlen. Und zum Abklären lieber einmal zu viel zum Arzt gehen oder in die Notfallambulanz.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Annette Sunderhaus in Coesfeld
- Gespräch mit Lars Herda, Notfallambulanz Clemenshospital Münster
- Gespräch mit Andre König, Imker in Münster-Wolbeck
- Gespräch mit Imker Klaus Maresch in Köln-Chorweiler
Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Münsterland, 13.08.2026, 10.30
Sendung: WDR.de, Die Hornissenjägerin - eine Lokalzeit-Reportage, 15.08.2026, 05:10
