Graffiti unter der Brücke der A544

Bildquelle: WDR / Claudia Becker

WDR 4 Min. Verfügbar bis 25.09.2028

Chris und Alex besprühen Aachen Graffiti auf 120 Quadratmetern

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Unter einer Autobahnbrücke ist aus grauem Beton ein riesiges Kunstwerk geworden - mit Adler, Skyline und einem ziemlich ungewöhnlichen Kaiser Karl.

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Claudia Becker

Über ihren Köpfen donnert der Verkehr über die Autobahn 544. Wenige Meter darunter kreieren Chris Hoven und Alex Shifferaw auf ihrem Gerüst bunte Welten aus Acryllack. Zwischen den Brückenwänden hallt stetig das helle Klackern der Mischkugeln in den Sprühdosen - die akustische Begleitung der Graffitikünstler.

Chris Hoven schiebt sein schwarzes Basecap in den Nacken und beäugt kritisch das fast fertige Kunstwerk. Statt in Betongrau strahlt die 30 Meter lange Brückenwand jetzt in Schwarz und Gelb - den Farben der Stadt Aachen. "Ich finde, das ist uns doch ganz gut gelungen", sagt er sichtlich stolz.

Aachen-typisch Adler, Dom und Rathaus auf 30 Metern

Im Zentrum: ein gigantischer Adler mit gelben Augen und ausgebreiteten Schwingen. Daneben, in zarten Grautönen, die Skyline der Stadt mit Dom und Rathaus. Die allerdings, sagt Alex Shifferaw noch immer ziemlich genervt, habe ihn schier wahnsinnig gemacht. "Porträts fallen mir leicht, aber dieses akkurate Klein-Klein der Gebäude, Zentimeter für Zentimeter – das mache ich nie wieder. Mit Skylines bin ich durch."

Die zweite Wand der Künstler in den Farben der Stadt Aachen mit riesigem Adler als Stadtwappen und der Skyline der Staft mit Dom  und Rathaus

Eine Hommage an die Stadt Aachen auf 30 Metern: Das neue Graffiti unter der Autobahn.

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Eine Woche haben die beiden gebraucht, um die Wand fertigzusprayen. Die Planung dauerte fast neun Monate. Eigentümerin der Brücke und damit auch der Wand ist die Autobahn GmbH des Bundes. Von dort habe es schon früh grünes Licht für das Projekt gegeben. "Klar, die mussten das ja auch nicht bezahlen", erzählt Alex schmunzelnd. Denn eine Wand dieser Größe zu gestalten, kostet eine Menge Geld - locker einen fünfstelligen Betrag. "Dafür brauchten wir Sponsoren und haben monatelang Klinken geputzt."

Graffitikunst: Die erste Wand war deutlich bunter

Erfahrung mit einer 30 Meter langen Wand haben die beiden schon im vergangenen Winter gesammelt. Damals gestalteten sie die gegenüberliegende Seite der Brücke - deutlich bunter als die neue Wand, mit typischen Tieren aus dem Haarbachtal. "Diesmal sind wir nicht so bunt. Das finden vor allem junge Menschen gut. Die Älteren mögen das Farbenfrohe der anderen Wand oft lieber", sagt Chris Hoven, der sich selbst nicht für eine Lieblingswand entscheiden kann. Eines aber haben beide Kunstwerke gemeinsam: Im Zentrum steht jeweils ein strahlendes Kindergesicht. "Das soll Lebensfreude zeigen und für die Zukunft der Stadt stehen", erläutert Alex Shifferaw.

Die erste Wand haben die Künstler im März fertiggestellt. Sie zeigt die Tiere im Haarbachtal

Zeigt die Tiere im Haarbachtal: Die erste Wand haben die Künstler im März fertig gestellt.

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Mit der Vergangenheit habe er es ohnehin nicht so. Deshalb hat er Kaiser Karl - der in einem Bild der Stadt Aachen natürlich kaum fehlen darf - kurzerhand als Totenkopf gemalt. "Als Aachener Graffitikünstler muss man ständig Kaiser Karl malen. Das ging mir so auf die Nerven, da habe ich hier mal ein Zeichen gesetzt und den Kaiser beerdigt."

Zwei Künstler, zwei Wege zum Graffiti

Alex begann mit Papier und Stiften und studierte später Kunst. Den finanziell waghalsigen Weg, von der Kunst zu leben, wollte er dann aber doch nicht gehen und entschied sich für den öffentlichen Dienst. Die Sehnsucht nach der Malerei blieb. Jahrzehnte später begann er, im Auftrag ganze Hauswände zu gestalten.

Chris fing schon als Jugendlicher an zu sprayen. "Das begann mit einem Workshop in der fünften Klasse, zu dem ich eigentlich gar nicht hinwollte. Aber dann hat mich das so fasziniert, dass ich weitergemacht habe." Ganz legal war das damals allerdings nicht. Und manchmal wurde er erwischt. "Zur Strafe habe ich als Minderjähriger in den Schulferien ziemlich viele Schulhöfe gefegt. Das war dann auch Lehrgeld." Später kamen Kinder, Haus und ein ganz normaler Beruf. Das Sprayen aber blieb - inzwischen ganz legal und ebenfalls als Auftragsarbeit.

Graffitistyle: Zwischen Comicstil und realistischen Motiven

So unterschiedlich ihre Lebenswege sind, so verschieden sind auch ihre Stile. Chris sprayt klassische, comicartige Graffiti, Alex arbeitet eher realistisch. Wenn zwei Künstler gemeinsam an einem Werk arbeiten, müssen also Kompromisse gefunden werden. "Wir haben bei der Planung literweise Kaffee getrunken und diskutiert. Aber irgendwie haben wir es hinbekommen." Was sie verbindet: Streetart liegt beiden am Herzen. "Man bekommt sofort Feedback von den Passanten. Die sprechen einen an und reden mit einem, während man arbeitet. Das ist mit viel Freude verbunden", sagt Alex.

Alex Shifferaw mit Spraydose an der Graffiti-Wand unter der Brücke

Graffiti-Künstler Alex Shifferaw arbeitet an der 30 Meter langen Wand.

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Chris ist vor allem wichtig, seine Heimatstadt ein bisschen schöner zu machen. "Wir wollen zeigen, dass Graffiti-Kunst viel mehr sein kann als ihr schlechter Ruf." Er hofft, dass die Menschen künftig nicht einfach unter der Brücke hindurchfahren, sondern vielleicht einmal anhalten und sich die beiden Kunstwerke in Ruhe ansehen.

Der nächste Traum ist noch größer - und steht in Aachen

Ganz fertig mit großen Wänden sind die beiden ohnehin nicht. „Ich träume davon, eine Seite des Hochhauses am Europaplatz zu sprayen. Das wäre mal eine Wand!“, sagt Alex. Sofort kommt die Reaktion seines Kollegen: "Hey! Das ist mein Traum. Das will ich machen!" Sollte das irgendwann tatsächlich möglich werden, würden sie diesen Traum wohl gemeinsam angehen.

Unter der Autobahn 544 ist jetzt Schluss. Das Bild ist offiziell ferigt. Chris und Alex sammeln ihre Spraydosen ein, das Gerüst wird abgebaut. Das Klackern der Mischkugeln verstummt. Nur der Verkehr auf der A544 donnert weiter über ihre Köpfe hinweg. Die beiden 30 Meter langen Wände darunter bleiben - und sind kaum noch zu übersehen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräche mit Chris Hoven und Alex Schifferau
  • Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Aachen: Graffiti auf 120 Quadratmetern, 27.09.2026 11:00 Uhr

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