Waldzustandserhebung - unterwegs mit den Förstern

Bildquelle: WDR/ Laura Kasprowiak

WDR 3 Min. 29 Sek. Verfügbar bis 15.09.2028

Hitze, Trockenheit, Schädlinge Diese Bäume machen Förstern in NRW Sorge

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Wie stark haben Hitze und Trockenheit den Wäldern in Nordrhein-Westfalen zugesetzt? Das untersuchen derzeit Experten von Wald und Holz NRW. Im Dämmerwald bei Schermbeck zeigt sich: Vor allem ältere Bäume tragen die Folgen vergangener Dürrejahre noch immer mit sich.

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Laura Kasprowiak

Grüne Blätter, mächtige Kronen, viel Schatten: Wer durch den Dämmerwald bei Schermbeck läuft, sieht auf den ersten Blick einen gesunden Wald. Doch Holger Keding und Michael Drews schauen genauer hin. Die beiden Förster sind im Rahmen der Waldzustandserhebung unterwegs und untersuchen ausgewählte Bäume.

Der Gesundheitscheck beginnt am Stamm. "85,5 Zentimeter, keine Schäden." Förster Michael Drews betrachtet die Rinde der gut 120 Jahre alten Eiche akribisch. Umfang, Krankheiten, Ungezieferbefall und weitere Merkmale werden erfasst. Holger Keding notiert die wertvollen Informationen in einem Tablet. Dann entfernen sich die Förster vom Baum, bis sie einen möglichst freien Blick auf die Krone haben. Denn die verrät besonders viel darüber, wie es dem Baum geht.

Eine Hand misst den Umfang eines Baumstamms mit einem gelben Maßband.

Ein Baum im Gesundheitscheck - auch der Umfang muss gemessen werden

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Mehr als 10.000 Bäume werden untersucht

Seit den 1980er-Jahren wird der Zustand des Waldes in Nordrhein-Westfalen systematisch erfasst. Mehr als 10.000 Bäume an festgelegten Stichprobenpunkten werden dabei untersucht. Weil die Erhebung nach einem einheitlichen Verfahren erfolgt, lässt sich nachvollziehen, wie sich der Zustand des Waldes über Jahrzehnte verändert hat. Die Daten fließen auch in ein europaweites Monitoring ein.

Zwei Förster im Wald schauen mit Ferngläsern nach oben in die Baumkronen.

Förster von Wald und Holz NRW gucken, wie es den Bäumen geht.

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Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte Kronenverlichtung. Die beiden Förster schauen minutenlang mit ihren Ferngläsern in die Krone und analysieren, wie viele Blätter oder Nadeln einem Baum im Vergleich zu einer voll belaubten Krone fehlen. Je größer der Verlust, desto stärker gilt der Baum als geschädigt.

"Dieser Baum hat deulich Nekrosen, also trockene Stellen an den Ästen und Blättern", sagt Michael Drews. Für die beiden Förster ist der Baum damit deutlich geschädigt. Die Spuren der diesjährigen Dürre wird sich aber wohl erst im kommenden Jahr zeigen.

Förster Michael Drews blickt freundlich in die Kamera
"Bei dieser Eiche schätzen wir den Blattverlust auf 45 Prozent." Michael Drews, Förster Holz und Wald NRW

Dürrejahre wirken bis heute nach

Viele der Eichen im Dämmerwald sind über 100 Jahre alt oder älter. Gerade solche alten Bäume können sich nur langsam an veränderte Bedingungen anpassen. Nach Einschätzung der Förster sind an einigen von ihnen noch immer Folgen der extrem trockenen Jahre seit 2018 zu erkennen.

Was macht Trockenheit mit Bäumen?

Trockenheit kann einen Baum auf unterschiedliche Weise schwächen. Fehlt über längere Zeit Wasser im Boden, können besonders die feinen Wurzeln absterben, über die der Baum Wasser und Nährstoffe aufnimmt. Diese muss er anschließend mit hohem Energieaufwand neu bilden.
Gleichzeitig können Bäume bei Hitze und Wassermangel ihre Blätter frühzeitig abwerfen. Auch im Dämmerwald haben das bereits viele Bäume getan. Dadurch verdunsten sie zwar weniger Wasser, können aber auch weniger Photosynthese betreiben. Entsprechend weniger Reservestoffe können sie für den Winter in Stamm und Wurzeln einlagern.

Buchen besonders anfällig

Besonders große Sorgen machen sich die Förster um die Buchen. Sie leiden unter längerer Trockenheit besonders stark und auch das wird beim Gang durch den Dämmerwald beängstigend sichbar. Zum Teil sind ihre Kronen nahezu kahl. Ihr Wurzelsystem erreicht Wasserreserven in tieferen Bodenschichten teilweise schlechter als das anderer Baumarten. Mehrere trockene Jahre hintereinander können deshalb deutliche Spuren hinterlassen.

Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Für die Förster ist deshalb nicht nur entscheidend, wie es den heutigen Bäumen geht. Die Waldzustandserhebung liefert auch wichtige Hinweise darauf, wie Wälder künftig widerstandsfähiger werden können.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten. Die Idee dahinter: Kommt eine Baumart mit Hitze, Trockenheit oder Schädlingen schlechter zurecht, können andere Arten diese Belastungen möglicherweise besser verkraften. Das Risiko verteilt sich, der Wald ist weniger abhängig vom Zustand einer einzigen Baumart.

Wie stark Hitze und Trockenheit den Wäldern in NRW in diesem Jahr tatsächlich zugesetzt haben, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Die Daten der laufenden Waldzustandserhebung müssen zunächst vollständig erfasst und ausgewertet werden. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Wochen vorliegen.

Unsere Quellen:

  • Holz und Wald NRW
  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 15.09.2026, 05:09 Uhr

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