Dorothea Axtmann greift vorsichtig in eine schuhkartongroße Kiste. Sie zieht einen lila Waschlappen zur Seite, darunter kommt ein felliges Tierchen zum Vorschein. Es hat die Größe einer Maus und schläft zusammengerollt auf einer Decke aus Moos.
Fütterung mit Spezialmilch und Pipette
Axtmann nimmt es in die Hand, das Tier erwacht und guckt neugierig um sich. Mit der anderen Hand beginnt sie es zu füttern. Es gibt Spezialmilch aus einer Pipette. Das Tierchen beginnt mit kleinen Schlucken zu trinken. "Das ist Laurie, ein kleiner Gartenschläfer, ein Waisenkind aus der Nähe von Berkum. Er wurde zwischen Steinen und Autos gefunden. Der Mutter ist wahrscheinlich was passiert, dann kriechen die Kleinen aus dem Nest raus und suchen dann nach ihrer Mutter. So ist Laurie gefunden worden", erzählt Axtmann.
Laurie ist seit zwei Wochen bei ihr. Als der Gartenschläfer zu ihr kam, wog er nur sieben Gramm. Mittlerweile hat er ordentlich zugelegt und wiegt schon 30 Gramm, erzählt Axtmann stolz. Denn der Anfang war auch für Lauries Ziehmutter anstrengend.
"Alle drei Stunden musste ich ihn füttern, auch nachts. Ich bin tatsächlich von alleine wach geworden und wusste immer, jetzt ist es soweit, dass er wieder was braucht. Ich freue mich auch wieder auf ruhigere Nächte." Dorothea Axtmann, Ehrenamtliche Naturschützerin
Nager mit Zorro-Maske
Gartenschläfer gehören zur Familie der Bilche genau wie Haselmäuse und Siebenschläfer. Sie sind so groß wie Mäuse, um ihre Augen haben sie eine dunklere Fellfärbung, die an eine Zorro-Maske erinnert.
Laurie kommt sogar mit zur Arbeit
Weil der Gartenschläfer regelmäßig versorgt werden muss, nimmt Axtmann ihn auch mit zur Arbeit. Dann packt sie ihn in einen weichen Bauchbeutel, den sie um die Hüften gebunden hat. Laurie mag das, weil er die menschliche Wärme spürt und sich geborgen fühlt. Mit ihm steigt sie dann auf ihr Fahrrad und fährt zur Arbeit.
Der Gartenschläfer - Wildtier der Jahres 2023
Weil Gartenschläfer in deutschen Gärten immer seltener werden, sind sie 2023 zum Wildtier des Jahres gekürt worden. Der starke Rückgang der kleinen Nager hat mit den immer weniger werdenden Insekten zu tun. Sie finden einfach nicht genug zu fressen.
Als Wildtier darf Laurie nur solange bei Axtmann bleiben, bis er ohne sie auskommt. Etwa zwei Monate wird das noch dauern, dann geht es für ihn zurück in die Freiheit.
Unsere Quellen
- Beobachtungen der Reporterin vor Ort
- BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen
Sendung: WDR.de, Einen Gartenschläfer-Waisen als Ziehkind, 06.08.2026, 05:07 Uhr