Prozess in Bonn: Mieter soll Mitbewohner getötet haben

WDR 00:51 Min. Verfügbar bis 03.08.2028

Klebeband-Prozess in Bonn

Untermieter soll Mitbewohner getötet haben

Stand:

Weil er seinen Bekannten umgebracht haben soll, muss sich ein 47-Jähriger vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Von
Christoph Hensgen

Mitte Oktober 2025 hatten Polizisten die Leiche eines 56-jährigen Mannes in dessen Wohnung in Bonn-Lannesdorf gefunden.

Angeklagter äußert sich nicht zu den Vorwürfen

Zu Prozessbeginn schweigt der Angeklagte, Sohn eines ehemaligen Hauptkommissars der Bonner Polizei, zu den Vorwürfen. Er äußert sich lediglich zu seinem Lebenslauf.

Er schildert den Richtern von seiner Schullaufbahn, einer Lehre zum Gebäudereiniger und davon, dass er nie als solcher gearbeitet habe, weil er stattdessen seinen Lebensunterhalt als Amateur-Fußballer verdient hätte.

Und er erzählt den Prozessbeteiligten von seiner Drogensucht. Kokain, Amphetamine, Marihuana - als Folge des Todes seines Vaters und seiner Stiefmutter. Er machte eine Entziehungskur, wurde Vater einer Tochter. Erst 13 Jahre nach der erfolgreichen Kur habe er wieder Amphetamine genommen. Wochen später auch wieder Kokain. Im Sommer 2025 sei das gewesen.

Freund alarmiert Polizei: Beamte finden Leiche in Bonn-Lannesdorf

Wie dann der Kontakt zu dem späteren Opfer zustande kam, warum er eine Zeit lang in dessen Wohnung lebte - dazu schwieg der 47-Jährige. Im Oktober 2025 hatte ein Freund des Opfers die Polizei gerufen, weil er längere Zeit nichts mehr von dem 56-Jährigen gehört und sich Sorgen gemacht hatte. Weil auf Klingeln und Klopfen niemand öffnete, riefen die Beamten die Feuerwehr zur Hilfe. Die öffnete die Wohnungstür.

In der Wohnung fanden die Polizisten die Leiche des Mannes. Mund und Nase des Toten waren mit Klebeband umwickelt. Eine Obduktion ergab, dass es "massiv komprimierende Gewalt auf den Hals des Opfers" gegeben habe.

"Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte sich auf den Hals des Geschädigten gekniet oder gestellt hat", sagte Stephan Schulz, Sprecher des Bonner Landgerichts dem WDR. "Im Anschluss soll er dann Mund und Nase des Mannes verklebt haben."

Im dritten Stock dieses Mehrfamilienhauses lebten der Angeklagte und das Opfer zusammen in einer Wohnung. | Bildquelle: WDR/Christoph Hensgen

Mitbewohner unter Verdacht

Schnell bekamen Ermittler Hinweise darauf, dass das Opfer Mieter der Wohnung war, dort aber nicht allein gelebt hatte. Auch ein Bekannter des Opfers war dort untergekommen. Zehn Tage nach dem Fund der Leiche nahmen Ermittler diesen 47-jährigen Bekannten, den nun Angeklagten, fest.

Streit um Untermiete könnte Motiv sein

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass ein Streit über die Höhe der Untermiete der Hintergrund für die Tat gewesen sein könnte. Insgesamt hat das Schwurgericht acht Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird für Ende September erwartet.

Untermieter soll Mitbewohner getötet haben

WDR 03.08.2026 00:26 Min. Verfügbar bis 02.08.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Polizei Bonn
  • Landgericht Bonn
  • WDR-Reporter beim Prozessauftakt

Sendung: WDR.de, Untermieter soll Mitbewohner getötet haben, 03.08.2026, 15 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 03.08.2026, 19.30 Uhr