Kinder sollen lernen bewusst zu zocken
Bildquelle: WDR / Angela Sinne2 Min. 21 Sek.. Verfügbar bis 17.09.2028.
Gefährliche Algorithmen : "Geh heute online und du kriegst eine Belohnung"
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Bei den "Gamedays" am Bonner Ernst-Kalkuhl-Gymnasium lernen die Schülerinnen und Schüler, sich gegen die Psycho-Tricks von Online-Spielen und Social Media zu wehren. Und auch der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist gekommen und warnt vor Sucht-Gefahr beim Gaming.
"Was ist wirklich passiert? Taylor Swift verflucht Grusel-Insel" kleben Leni und ihre Freundin gerade an die Pinnwand. Social Media ist ihre dritte Mitmach-Station hier. Die Aufgabe: Fantasie-Überschriften finden, auf die viele Leute klicken würden.
Die Schüler sammeln Clickbait-Titel an einer Pinnwand
Bildquelle: WDR / Angela SinneNebenan spielen Max und Leo gerade "Brawl Stars" auf dem Ipad, ein Multiplayer-Online-Battle-Spiel. Sie versuchen, möglichst viele sogenannte "Dark Patterns" zu finden: Das sind Tricks der Spiele-Designer, die sie dazu bringen sollen, immer weiterzuspielen und nicht mehr aufhören zu können. Und sich dabei am Besten für Geld zusätzliche Spiel-Vorteile zu kaufen. Gerade sieht Max auf dem Display: "Geh heute noch online und du kriegst eine Belohnung."
Was sind Dark Pattens?
Dark Patterns sind Tricks im Design von Apps, Games und Websites. Sie sollen Menschen zu Entscheidungen bringen, die sie eigentlich nicht wollten. Ziel ist, dass die User mehr Zeit am Bildschirm verbringen, mehr Werbung sehen oder dort Geld ausgeben. Dafür nutzen sie psychologische Effekte, spielen mit unserem Gehirn und wollen uns süchtig machen.
Beispiele: Belohnungen, wenn man regelmäßig spielt. Zeitlich beschränkte Angebote. Glücksspiele oder Fake Rabatte.
Schüler informieren sich gegenseitig
"Gamedays" heißt das Projekt, bei dem Schülerinnen und Schüler des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums in Bonn-Oberkassel zwei Tage lang lernen, digitale Spiele und soziale Medien bewusster und selbstbestimmter zu nutzen. Um sich danach zum Beispiel nicht mehr so leicht in den Sog von Online-Spielen ziehen zu lassen.
Am ersten Tag werden Schüler der Stufe 8 zu Scouts ausgebildet. Um am zweiten Tag bei einem Mitmach-Forum den Siebtklässlern ihr erlerntes Wissen weiterzugeben.
Streeck spielt gerne, aber warnt vor Sucht
Mittendrin steht Prof. Hendrik Streeck (CDU) und hat eine VR-Brille auf. Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist gekommen, um sich das Projekt anzuschauen. Er selbst spielt gerne. Sieht aber auch die Sucht-Gefahr. Und wie notwendig es ist, früh gegenzusteuern.
Hendrik Streeck probiert die VR-Brille aus
Bildquelle: WDR / Angela Sinne"Es ist wichtig, dass wir Kindern und Jugendlichen sehr früh beibringen, was die Gefahr hinter solchen Games ist. Dass sie erkennen, was die Dark Patterns, die manipulierenden Algorithmen sind und einschätzen können, was sie für Daten preisgeben oder an Zeit oder Geld verlieren." Prof. Dr. Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter
Angeboten werden die Gamedays von "Gameshift NRW". Seit zwei Jahren besuchen die Trainer mit dem Präventionsprojekt wechselnde Schulen in Nordrhein-Westfalen, um Kinder und Jugendliche fit zu machen für einen sicheren Umgang mit digitalen Medien und sie so besser schützen zu können. Finanziert wird das Projekt übrigens vom Glücksspielbetreiber WestLotto.
David und Carl sind Schülerscouts aus der Stufe acht
Bildquelle: WDR / Angela SinneDaniel und Carl aus der Stufe 8 machen als Medien-Scouts mit. Nach diesen zwei Tagen sehen sie ihre Lieblings-Online-Spiele mit anderen Augen. Daniel will ab jetzt mehr auf seine Bildschirmzeit achten. Und wenn er gleich nach Hause geht, statt zu zocken erstmal lieber zum Sport.
Unsere Quellen:
- Yeliz Mahmutôglu, Gameshift NRW
- Sucht- und Drogenbeauftragter des Bundes, Hendrik Streeck
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräche mit Lehrern und Schülern am Ernst-Kalkuhl-Gymnasium in Bonn
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 17.09.2026, 19:30 Uhr
