Eine Frau mit dunklen Haaren sitzt auf einem Stuhl. In ihren Händen hält sie einen russischen Pass. Im Hintergrund sind Reisebroschüren.

Spätaussiedlerin Elena besitzt sowohl einen russischen als auch einen deutschen Pass

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Konsulat Bonn Was die Schließung für Russen in Deutschland bedeutet

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Das russische Generalkonsulat in Bonn wird heute endgültig geschlossen. Für viele Russen in NRW und in ganz Deutschland bringt das existenzielle Schwierigkeiten mit sich. Und dazu: Die Sorge vor Konsequenzen aus Russland auf der einen Seite und Anfeindungen in Deutschland auf der anderen.

Seit bekannt wurde, dass das russische Konsulat in Bonn geschlossen wird, laufen die Leitungen im Bonner Reisebüro "Kontinent" heiß. Das Büro unterstützt russische Kunden bei Passangelegenheiten. "Die Menschen sind in Panik geraten. Besonders die, die nur einen russischen Pass haben, der in den nächsten Monaten abläuft. Ihr deutscher Aufenthaltstitel ist an den Pass gekoppelt, sie können Probleme mit der Ausländerbehörde bekommen", sagt Mitarbeiterin Elena Markin.

"Ich konnte in der Nacht nach der Bekanntmachung der Schließung kaum schlafen. Ich habe mir gedacht, was machen wir jetzt mit 250 Kunden, deren Termine im Konsulat abgesagt werden?" Reisebüro-Mitarbeiterin Elena Markin, die sowohl einen deutschen als auch einen russischen Pass besitzt
Ein russischer Reisepass auf einem Tisch. Eine Person hält diesen mit der Hand am oberen Rand fest.

Etwa 250.000 Menschen in Deutschland besitzen ausschließlich die russische Staatsangehörigkeit.

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100.000 Pässe pro Jahr

Laut Elena Markin, die sich auf den russischen Generalkonsul Oleg Krasnitskiy bezieht, bearbeitete das Konsulat in Bonn rund 100.000 Passanträge pro Jahr. Die Vertretung in Bad Godesberg wurde zu einer wichtigen Anlaufstelle für russische Staatsangehörige - nicht nur aus Bonn, sondern aus ganz Deutschland, nachdem die russischen Konsulate in München, Hamburg, Leipzig und Frankfurt am Main zum 1. Januar 2024 geschlossen worden waren.

In Deutschland besitzen etwa 250.000 Menschen ausschließlich die russische Staatsangehörigkeit, dazu kommen viele Doppelstaatler. Ab heute steht ihnen allen nur noch die Botschaft in Berlin zur Verfügung - oder die Konsulate in den Nachbarländern, die allerdings in erster Linie für ihre eigenen Bewohner zuständig sind. Vor allem viele ältere Personen sind aber nicht einfach mobil, um weiter weg zu fahren.

Kein Reisen ohne gültigen Pass

Die 14-jährige Anna (Name geändert) kam vor zehn Jahren mit ihrer Mutter aus St. Petersburg nach Bonn. Vor Kurzem qualifizierte sie sich für die Karate-Europameisterschaft. Anna besitzt einen nicht-biometrischen russischen Reisepass, der fünf Jahre lang gültig ist. Solche Pässe werden von einigen EU-Staaten nicht mehr akzeptiert - auch in Lettland, wo der Wettbewerb am 3. Oktober ausgetragen wird.

Anna braucht dringend einen neuen Pass. Ihre Mutter ließ sie auf die Wartelisten der anderen Konsulate setzen. "In Berlin sind wir auf Platz 800, in Luxemburg auf Platz 570. Wir wären bereit, unser ganzes Geld dafür auszugeben. Aber das klappt nicht", sagt die Russin. Anna hat jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet. Nun droht ihr Traum von der Europameisterschaft zu platzen.

Viele Rentnerinnen und Rentner betroffen

"Ich lebe seit 32 Jahren in Deutschland. Ich habe nichts mit der Politik zu tun. Der Krieg wurde ohne meinen Willen angefangen." David (Name geändert), 84 Jahre, lebt in Bonn

Er kam wie viele andere Juden, die heute noch in Deutschland leben, aus Russland und besitzt beide Staatsangehörigkeiten. Neben seiner deutschen Rente von rund 250 Euro, bekommt er genauso viel an Rente von Russland, wo er als Ingenieur gearbeitet hatte. David ist sehr stolz, dass er ohne Sozialhilfe auskommt. Doch das könnte sich bald ändern.

Einmal im Jahr musste David bislang im Bonner Konsulat persönlich nachweisen, dass er noch lebt, damit die russische Rentenzahlung weiterläuft. Künftig müsste er dafür nach Berlin reisen. Für den Rentner ist das kaum zu bewältigen. Die Fahrt sei teuer und er wisse nicht, ob er die Reise allein überhaupt noch schaffen würde. "Für mich ist das eine Katastrophe, mir fehlen einfach die Worte", sagt David.

Wenig Verständnis bei Betroffenen

Auch Natalia aus Bonn Bad-Godesberg spürt die Folgen der Konsulatsschließung. Ihr achtjähriger Sohn hat einen russischen Pass, der ausgestellt wurde, als er erst ein halbes Jahr alt war.

Russen aus Bonn berichten, wie die Schließung des Konsulats sie trifft

WDR 17.09.2026 57 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028

Bei einem Besuch ihrer Mutter in Russland in den Sommerferien wurde sie an der Grenze darauf hingewiesen, dass das Kind auf dem Foto kaum noch zu erkennen sei. Bei den künftigen Reisen könnten Grenzbeamte die Einreise verweigern. Fahrten nach Berlin oder ins Ausland kann Natalia, die momentan arbeitslos ist, sich nicht leisten.

"Was ist das Ziel der Schließung des Konsulats in Bonn? Das Leben gewöhnlicher Menschen mit dem russischen Pass zu erschweren? Ein anderes Ziel wird damit kaum erreicht." Natalia, Russin aus Bonn

Die Bundesregierung reagierte mit der Schließung des Konsulats auf den mutmaßlichen russischen hybriden Angriff in Leipzig am 4. August 2026. Die vom WDR befragten Russinnen und Russen äußern sich dazu vorsichtig. "Es fühlt sich so an, als ob wir für alles schuldig gemacht werden. Sogar, wenn man grundsätzlich den Kurs der Bundesregierung unterstützt", sagt eine Russin im Gespräch mit dem WDR.

Doch kaum jemand traut sich, seine Kritik öffentlich zu äußern. Viele fürchten einerseits mögliche Konsequenzen bei Reisen nach Russland, andererseits Anfeindungen in Deutschland.

Wie geht es weiter?

Privatanbieter versuchen die Folgen der Schließung des Generalkonsulats abzufedern. "Wir werden die Auswärtstermine der russischen Diplomaten aus Berlin in verschiedenen NRW-Städten organisieren, bei denen die Passangelegenheiten gebündelt erledigt werden", sagt Elena Markin vom Reisebüro "Kontinent".

Ein Reisebüro am Konrad-Adenauer-Platz in Bonn-Beuel.

Nach der Schileßung des russischen Konsulats haben die Mitarbeiterinnen des Reisebüros mehr zu tun.

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Die Nachfrage sei groß, die Kapazitäten begrenzt. Für viele Russen in Deutschland heißt das: Für ihre Passangelegenheiten brauchen sie künftig mehr Zeit, Geld - und vor allem Geduld.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter im Gespräch mit russischen Menschen aus Bonn
  • Pressekonferenz der Deutschen Regierung vom 01.09.2026

Sendung: WDR2 Rheinland, Lokalzeit, 18.09.2026, 06.31 Uhr

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