Tote Gans nach Rhein in Flammen gefunden

Bildquelle: Stefan Bröckling

WDR 01:25 Min. Verfügbar bis 04.05.2028

Tote Gans wegen Feuerwerk?

Rhein in Flammen: Tierschützer äußern Kritik

Stand:

Ein Video von einer toten Gans sorgt in Bonn für Diskussionen. Sie wurde nach dem Feuerwerk von Rhein in Flammen gefunden. Erst vergangenes Jahr gab es eine ähnliche Dikussion um einen toten Schwan.

Es erinnert an die Diskussion nach Rhein in Flammen letztes Jahr: Damals war es ein toter Schwan - diesmal eine tote Gans. Stefan Böckling hat beide Male im Netz Videos geposted, in denen er berichtet, die verendeten Tiere gefunden zu haben.

Auf der Konrad-Adenauer-Brücke an der Bonner Rheinaue, jeweils am Tag nach dem Feuerwerk vom Großevent Rhein in Flammen.

"Stadt Bonn hat das Tier auf dem Gewissen"

Im Video, das Böckling am Sonntag, 03. Mai 2026, in den sozialen Medien mit seiner Tierschutz Organisation posted, hält er die tote Gans in der Hand. "Ihr habt die gleiche Scheiße gebaut wie letztes Jahr und deswegen ist dieses Tier gestorben."

Sein Vorwurf richtet sich gegen die Stadt Bonn. Die habe nicht genug getan, um Rhein in Flammen tierschutzgerecht zu gestalten. Das Feuerwerk scheuche die Tiere auf. "Die wären sonst nachts gar nicht unterwegs. Die haben große Probleme nachts in der Stadt zu navigieren", sagt er im Gespräch mit dem WDR.

Er vermutet, dass das Tier auf der Vogelinsel in der Rheinaue vom Feuerwerk aufgescheucht wurde und dann auf der Brücke mit einer Oberleitung oder einem Pfeiler kollidiert ist. "Die Stadt Bonn hat das Tier auf dem Gewissen", findet er.

Viele sehen keinen Zusammenhang mit dem Feuerwerk

Drohnenshows werden schon jetzt bei Rhein in Flammen gezeigt, zusammen mit Pyrotechnik. | Bildquelle: dpa / Marc John

Sein Video erhält viel Zuspruch auf Facebook und Instagram. Aber es gibt auch Gegenwind: Der Fund sei Zufall, kommentieren Nutzer. Die Gans sei einfach gegen das Brückengeländer geflogen. So etwas passiere immer wieder, auch dann, wenn kein Feuerwerk sei.

Die Veranstalter Dominique Winter und Jan Hermann von der RiF Bonn GmbH treffen wir am Montagmittag bei den Abbauarbeiten in der Rheinaue. Sie hätten verstärkt ein Auge darauf gelegt, ob Vögel geschädigt würden, berichten sie. Auch die Gärtner der Rheinaue seien von der Stadt angewiesen worden, verstärkt nach toten Vögeln zu schauen. Es sei aber nichts aufgefallen.

Auch Stadt Bonn bezweifelt Zusammenhang

Weiteres werde aus dem Bericht hervorgehen, den die Stadt in diesem Jahr begleitend zur Veranstaltung erstellt. Mehrere Ornithologen waren dafür während der Veranstaltung im Einsatz. Der Bericht soll auch die Bestände der in der Rheinaue brütenden Vögel erfassen - vor und nach dem Event.

Die Stadt Bonn hat das Video nach eigenen Angaben dem zuständigen Fachbüro vorgelegt. "Einer der Fachleute hat während des Feuerwerks auch die Situation von der Brücke aus beobachtet. Dabei konnte nicht festgestellt werden, dass Wasservögel die Brücke überfliegen", heißt es in einer Stellungnahme.

Gans wird genauer untersucht

Hinweise ließen darauf schließen, dass kein Zusammenhang zwischen dem Feuerwerk und dem Tod der Gans bestehe, so die Stadt weiter. Das Fachbüro empfehle, den Vogel genauer zu untersuchen.

Zudem seien die Abschussrampen des Feuerwerks - aus Tierschutzgründen - in diesem Jahr verlegt worden und hätten rund 180 Meter Abstand zur Vogelinsel gehabt.

Kann neues Konzept tierfreundlicher werden?

Für die Zukunft sind die Weichen ohnehin anders gestellt: Rhein in Flammen fand dieses Jahr zum letzten Mal in der Bonner Rheinaue statt. Im kommenden Jahr soll das Großevent pausieren. 2028 soll es dann ein "modernes, urbanes Stadtfest" werden - in der Bonner Innenstadt und am Rheinufer in Bonn-Beuel.

Die Verlegung des Standorts in die Innenstadt würde die Störungen der Rheinauen-Vögel, insbesondere auch der brütenden Vögel dort, aus Artenschutz-Sicht schon reduzieren, schätzt der ornithologische Leiter des Museum Koenig in Bonn, Till Toepfer.

Feuerwerk oder Drohnenshow verbieten?

Tierschützerinnen, wie etwa Elke Blaeser von der Wildvogelhilfe Rheinland, sehen in der Standort-Verlegung keine Alternative. Auch am Beueler Rheinufer würden viele Vögel brüten, sagt sie. Wichtig wäre ein Feuerwerksverbot. Wenn es nach ihr geht: am besten auch ein Verbot von Drohnenshows.

Da ist Tierschützer Stefan Böckling vom Tiernotruf weniger streng. "Drohnen tangieren die Vögel deutlich weniger", sagt er. Die Veranstaltenden von Rhein in Flammen sagen, sie können sich vorstellen, künftig auf Pyrotechnik komplett zu verzichten.

Trotz Tierschutz-Kritik ist Rhein in Flammen bei den Besuchenden weiterhin sehr beliebt. Auch in diesem Jahr kamen rund 100.000 Menschen in die Rheinaue.

Unsere Quellen:

  • Stefan Böckling, Tiernotruf.de
  • Facebook- und Instagramseite Tiernotruf.de
  • Stadt Bonn
  • Till Töpfer, Museum Koenig Bonn
  • Dominique Winter und Jan Hermann, RiF Bonn GmbH
  • Elke Blaeser, Wildvogelhilfe Rheinland

Sendung: WDR.de, Tote Gans nach Rhein in Flammen gefunden, 04.05.2026, 19.24 Uhr