Grubenwasser das Erbe des Bergbaus

WDR 03:10 Min. Verfügbar bis 24.07.2028

Grubenwasser in Herne Wie riesige Pumpen das Ruhrgebiet schützen

Stand:

Wegen des steigenden Grubenwassers bündelt die RAG ihre Pumpen in Herne: ein Job für die Ewigkeit mit Energie-Potenzial.

In Reih und Glied hängt gerade ein halbes Dutzend Pumpen an Stahlhalterungen in der neuen Logistikhalle. Jede größer als ein Torpedo, an die 20 Tonnen schwer. Bereit zum Einsatz unter Tage.

Hier in der neuen zentralen Pumpenhalle und Werkstatt der RAG in Herne hat Stefan Roßbach das Sagen. Er leitet den technischen Bereich der Wasserhaltung und freut sich über seine neue Zentralwerkstatt. "Wir können von hier aus alle Standorte prima erreichen, auch das Saarland." Mit seinen sogenannten Tauchmotorkreiselpumpen erfüllen Roßbach und seine Kollegen eine wichtige Aufgabe: das langsam steigende Grubenwasser in den ehemaligen Schachtanlagen an Rhein, Ruhr und Saar auf Distanz zum Grundwasser zu halten. Grubenwasser pumpen, eine Aufgabe - Stand heute - für die Ewigkeit.

Stefan Roßbach blickt über das Gelände der ehemaligen Zeche.

Stefan Roßbach von der Wasserhaltung der RAG blickt auf die Feuerwache am Fuß des Schachtgerüstes der ehemaligen Zeche Robert Müser. Die Feuerwache bezieht ihre Wärme aus dem Grubenwasser von Robert Müser.

"Das ist wie Gardena nur in groß." Stefan Roßbach, Bereichsleiter Wasserhaltung RAG zum Pumpen von Grubenwasser.

Herne: Neue Logistikhalle der RAG für Grubenwasser-Pumpen

Die neue Halle auf dem Standort Pluto steht neben einem riesigen dunkelroten Schachtgerüst. Hier trifft Vergangenheit auf Zukunft. Die Außenwände der Halle sind komplett mit PV-Modulen belegt, in grau-schwarzer Kohle-Optik, so viel Nostalgie muss sein! 10 Millionen Euro hat alles gekostet.


Direkt daneben die moderne Leitwarte. Eine übergroße Leinwand mit allen ehemaligen Bergbau-Standorten im Revier, an der Saar oder in Ibbenbüren. Von hier überwachen die Techniker Pumpen, Polderanlagen oder Grubenwasserreinigung. Gerade sind zwei sogenannte Leitwartenfahrer im Einsatz. Schichtarbeit mit je vier Kollegen - rund um die Uhr.

Auf ewig pumpen: Schutz vor Senkungen und Seenlandschaft

Warum dieser Aufwand? Die RAG als Nachlassverwalter des Steinkohlebergbaus in Deutschland muss dafür sorgen, dass die Menschen insbesondere im Ruhrgebiet nicht auf Dauer nasse Füße bekommen. Da sind einerseits die Senkungen und Mulden an der Tagesoberfläche: Mancherorts ist die Oberfläche im Revier um die 20 Meter abgesackt, verursacht durch den Kohlebergbau in teils über 1.000 Metern Tiefe. In diesen Vertiefungen sammelt sich zum Beispiel Regenwasser. Würde es nicht abgepumpt - das Ruhrgebiet wäre längst eine komplette Seenlandschaft.

Andererseits gibt es die Herausforderung unter Tage. In den ehemaligen Stollen und Schächten steigt langsam das Grundwasser. Es enthält teilweise Schadstoffe, die sich nicht mit dem darüber befindlichen Grundwasser mischen sollen. An rund 6 Standorten im Revier wird das Grubenwasser jetzt und in Zukunft nach oben gepumpt, teilweise gereinigt und am Ende in den Rhein geleitet. Deswegen die riesigen Pumpen, für die immer in Herne Ersatz bereitsteht.

Ein Mitarbeiter kontrolliert die Übertageanlagen der Grubenwasserhaltung in einem Kellerraum.

Die Übertageanlagen der Grubenwasserhaltung der ehemaligen Zeche Robert Müser in Bochum

Energie aus Grubenwasser: Wärme und Kühlung für Nachbarn

Aber das Grubenwasser macht nicht nur Arbeit, es steckt auch voller Energie. Am Standort Robert Müser, einer alten Großzeche in Bochum, wird es mit rund 28 Grad Celsius an die Oberfläche gebracht - ideal um eine benachbarte Schule und auch die Feuerwache mit Wärme zu versorgen.

Durch den Einsatz von Großwärmepumpen ist auch eine Kühlung von Gebäuden möglich. Wichtig dabei - die Nießnutzer dieser Energieform müssen in der Nachbarschaft sitzen. Mit längeren Transportstrecken funktioniert das nicht. "Bei der Feuerwache läuft das gut", sagt Stefan Roßbach.

Kontrolle des Grubenwassers: Schadstoffe und Aufbereitung

Das Grubenwasser von Robert Müser fließt keine drei Kilometer entfernt in die Harpener Teiche. Das mineralreiche Wasser hat eine auffällig türkisfarbene Färbung - die Harpener Teiche werden deshalb im Volksmund auch "Blaue Lagune" genannt. Die Idylle darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Grubenwasser an bestimmten Standorten auch Salze oder gefährliche Schadstoffe wie PCB mit an die Oberfläche spült.

Darüber wird seit Jahren zwischen der RAG und Kritikern heftig diskutiert. Die RAG spricht von sehr geringer Belastung und bezieht sich dabei auf Gutachten und Untersuchungen. Zurzeit wird am Standort Haus Aden zwischen Lünen und Bergkamen eine große Aufbereitungsanlage gebaut, um künftig zum Beispiel Eisen aus dem Grubenwasser zu entfernen.

Den Nilgänsen an den Harpener Teichen ist das in diesen Tagen ziemlich egal. Sie genießen die Vorteile des Grubenwassers an dieser Stelle - warme Füße!

Grubewasser fließt über eine Steinfläche ab in die Harpener Teiche, Vögel stehen darin.

Grubenwasser der ehemaligen Zeche Robert Müser fließt in die Harpener Teiche in Bochum

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Gespräch mit Stefan Roßbach, Fachbereichsleitung Technik Wasserhaltung RAG
  • Gespräch mit Christian Melchers, Professor für Nachbergbau an der Hochschule Georg Agricula in Bochum

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 21.07.2026, 19:30 Uhr
Erstveröffentlichung des Beitrags am 25.07.2026

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