Grafik über die Waldbrandgefahr in NRW

Aktuelle Klima-Studie Waldbrand-Gefahr steigt europaweit - auch in NRW

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In Europa könnte sich die von Bränden betroffene Waldfläche vervielfachen - sagt eine aktuelle Studie. Was das für NRW bedeutet.

Heiß, trocken, windig: In Europa könnte bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich mehr Fläche durch Waldbrände zerstört werden. Das zeigt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Demnach könnte sich die Fläche aufgrund des Klimawandels fast verdreifachen.

Wie groß die betroffenen Flächen mutmaßlich sind, hängt laut der Studie von den Schadstoffmengen ab, die in die Umwelt gepustet werden. Selbst wenn die Emissionen niedrig bleiben, würde jedes Jahr etwa 39 Prozent mehr Fläche verbrennen als im heutigen Durchschnitt. In einem Szenario mit hohen Emissionen wären es sogar rund 192 Prozent mehr. Verglichen wurde dabei der prognostizierte Jahresdurchschnitt für den Zeitraum 2070 bis 2100 mit den Jahren 2000 bis 2030.

Studie zu Klimafolgen: Künftig steigt das Waldbrand-Risiko

WDR 20.08.2026 1 Min. 57 Sek. Verfügbar bis 20.08.2028 WDR Online

Je mehr Schadstoffe, desto mehr Brände

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die verbrannte Fläche selbst bei einer vergleichsweise geringen Erderwärmung von etwa 1,8 Grad deutlich zunehmen könnte", sagt der PIK-Forscher Maik Billing dem WDR. Steigt die Temperatur jedoch um etwa 3,6 Grad würden Brände wesentlich häufiger auftreten.

Maik Billing, Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

PIK-Forscher Maik Billing

Bildquelle: Privat

Insbesondere der Mittelmeerraum sowie weite Teile West- und Mitteleuropas könnten betroffen sein - und auch Gebiete, in denen es bisher kaum Brände gab. Dazu gehörten beispielsweise die Niederlande und Teile Westdeutschlands, so Billing. "Gleichzeitig nimmt die Brandgefahr auch in den mittleren Höhenlagen zu, etwa in Teilen der deutschen Mittelgebirge."

Keine genaue Studien-Aussage zu NRW

Was das für NRW heißt, kann aus der Studie allerdings nicht abgeleitet werden. Es gibt im Land zwar einige bewaldete Mittelgebirge. Dazu gehören: die Eifel, das Sauerland, das Bergische Land, das Weserbergland, der Teutoburger Wald und das Siebengebirge. Aber zu deren Gefährdung sagen die Forschenden nichts Genaues.

Der Grund: Lokale Faktoren wie Vegetation, Landnutzung und Waldbewirtschaftung spielen eine wichtige Rolle. Auch Borkenkäfer-Befall könne durch abgestorbene Bäume zusätzlich trockenes Brennmaterial liefern und die Brandgefahr erhöhen.

Waldbrände in NRW haben zugenommen

Ein Blick in die Statistik zeigt jedenfalls: Waldbrände in NRW haben seit 1991 zugenommen. Zwar gab es schon 1996 und 2003 Jahre mit einer hohen Anzahl von Bränden. Seit 2018 scheinen solche Ausreißer aber keine Seltenheit mehr zu sein: Bis 2025 gab es vier Jahre, in denen es jeweils mehr als 100 Waldbrände gab.

Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man sich die betroffenen Waldflächen anschaut. Zwischen 1991 und 2017 brannten 355,2 Hektar. Zwischen 2018 und 2025 waren es bereits 275,9 Hektar. 2026 dürfte die Bilanz noch drastischer ausfallen. Allein jetzt beim Waldbrand in Hürtgenwald brannten etwa 300 Hektar. Es ist der größte Brand seit Datenerfassung.

Mit welchen Gegenmaßnahmen kann das Ausmaß verringert werden?

Die aktuelle Studie des Potsdam-Instituts sieht zwei Ansatzpunkte, um das Ausmaß künftiger Waldbränden zu verringern: Entscheidend seien weniger Emissionen und ein besseres Brandmanagement. Dazu gehören etwa die Ausbildung von Einsatzkräften, eine angemessene Ausrüstung und eine gute Koordination zwischen Forstwirtschaft, Naturschutz und Feuerwehr.

"Kontinuierliche Verbesserungen im Brandmanagement könnten die Brandfläche in einem 1,8 Grad-Szenario um 92 Prozent und bei etwa 3,6 Grad um 72 Prozent reduzieren", heißt es in der Studien-Mitteilung. Das sei aber nur möglich, wenn mehr investiert werde als bisher.

Was das Land NRW unternimmt

NRW verweist auf sein Waldbrandschutzkonzept, das im Jahr 2022 vorgestellt wurde. Es seien mehrere Maßnahmen ergriffen worden, um Waldbrände zu verhindern, frühzeitig zu erkennen und effektiv zu bekämpfen, so Leonie Molls vom NRW-Landwirtschaftsministerium gegenüber dem WDR.

Das Speziallöschfahrzeug FireFighter des Landes Nordrhein-Westfalen fährt durch Gelände im Wald.

Speziallöschfahrzeug "Fire Fighter"

Bildquelle: Thomas Banneyer/dpa

Dazu gehören spezielle Löschfahrzeuge wie der Fire Fighter. Die geländegängigen Fahrzeuge mit 10.000-Liter-Tank des Landesbetriebs Wald und Holz NRW könnten abseits der Wege auf Waldflächen fahren und dort Flammen "in bis zu rund 50 Metern Entfernung" löschen.

Kamerasysteme überwachen Wälder

Außerdem wird seit 2024 Fire Watch, ein Kameraüberwachungssystem, getestet. Es ist ein Pilotprojekt am Niederrhein zur halbautomatischen Waldüberwachung mit Kameras. "Die optischen Sensoren ermöglichen eine flächendeckende Überwachung und erkennen und verorten Rauchentwicklungen bereits in 20 Kilometern Entfernung", so Molls. Den Waldbrand in Sonsbeck, der vergangene Woche ausgebrochen ist, habe das System schnell erkannt.

Zudem hat die Landesregierung drei Jahre lang an einer Waldstrategie gearbeitet, die im April 2026 vorgestellt wurde. Nach eigenen Angaben verfolgt das Land "einen umfassenden Ansatz zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel".

Im Mittelpunkt stehen demnach klimaangepasste, strukturreiche Mischwälder, die Wiederbewaldung der seit 2018 entstandenen Schadflächen sowie digitale Instrumente und eine enge Beratung der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer.

Unsere Quellen:

  • Statement des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)
  • Statement des NRW-Landwirtschaftministerium

Sendung: WDR.de, Studie zu Klimafolgen: Künftig steigt das Waldbrand-Risiko, 20.08.2026, 11 Uhr

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