Essensausgabe und Kisten mit Gemüse in der Tafel Essen

Die Essensausgabe in der Essener Tafel

"Keiner muss hungern" Wie die Tafeln in NRW der Hitze trotzen

Stand:

Die Tafeln kämpfen mit den Temperaturen. Welche Herausforderungen die Ehrenamtler haben, und warum trotzdem niemand hungern muss.

Von
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Benedikt Kaninski
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Frank Strohdiek
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Moritz Börner
und
Solveig Bader
Solveig Bader

"Wir sind doch keine Entsorger von Lebensmitteln", sagt Ulrich Pfeiffer, Vorstand der Tafel in Oberberg. Denn: Bei den Tafeln in ganz NRW machen sich die hohen Temperaturen der letzten Tage und Wochen bemerkbar.

An den drei oberbergischen Standorten Gummersbach, Marienheide und Bergneustadt merken sie das vor allem an den Lebensmitteln, die Mitarbeitende von Supermarktfilialen abholen: Dort steht die Ware teils schon so lang warm herum, dass "die Brühe unten aus den Kisten herausläuft", wie Vorstand Pfeiffer es formuliert.

Menge der Lebensmittelspenden sehr unterschiedlich

Diese Kisten lassen die Mitarbeiter der Oberberger Tafel dann einfach stehen. "Denn wir können das nicht für die Filialen entsorgen". Dadurch haben sie aber weniger Lebensmittel zu verteilen. Dazu kommt, dass in den Sommermonaten grundsätzlich weniger gespendet wird.

In anderen Regionen ist eher das Gegenteil der Fall: Die Bochumer Tafel etwa, die als größtes Verteilzentrum für die Tafeln in NRW rund 7.000 Kunden bedient, bekommt derzeit deutlich mehr Lebensmittelspenden als sonst. Ähnliches berichten die Tafeln in Essen und Düsseldorf.

Auch bei der Tafel in Köln gibt es bei der Hitze mehr Lebensmittelspenden. Die Supermärkte geben die Ware schneller raus. Darunter auch Kartoffeln, die bei der Wärme schneller keimen.

Bernd Jungk, Leiter der Tafel in Essen

Bernd Jungk, Leiter der Tafel in Essen

40 Prozent der Lebensmittel werden entsorgt

Der Grund: Wegen der Hitze kaufen und essen die Menschen weniger. Die Wirtschaftslage tut noch ihr Übriges. Die Supermärkte bleiben dann auf ihrer Ware sitzen und geben sie weiter an die Tafeln. Zur Essener Tafel kommen wegen der Temperaturen aktuell auch rund 20 Prozent weniger Kunden als sonst, erzählt Leiter Bernd Jungk. Und die freuen sich, etwa in Bochum, über "üppigere Mengen" an Lebensmitteln:

"Wir haben kürzlich eine Großspende von 14 Paletten Joghurt von einem Supermarkt bekommen." Kadir Karabas, Leiter Tafel Bochum

Auch das Thema Entsorgung sieht in Bochum anders aus als in Oberberg. Leiter Karabas sagt: "Die Tafel ist ein Lebensmittel-Recycling-Unternehmen und rettet das, was die Supermärkte entsorgen müssten. Dadurch spart die Lebensmittel-Industrie hohe Entsorgungskosten." Trotzdem würden etwa 40 Prozent der Lebensmittel weggeworfen.

Gerade bei Hitze: Herausforderung Kühlung bei Tafeln

Egal ob viel oder wenig Ware: Eine Herausforderung ist die Kühlkette, zumal in der Hitze auch Obst und Gemüse ins Kühlhaus muss. In Soest war just am Wochenende auch noch ein Kühlhaus ausgefallen, sodass Molkereiprodukte entsorgt werden mussten.

In Düsseldorf hat die Tafel extra Kühlfahrzeuge. Doch selbst damit bleibt das Thema schwierig; Frischfleich etwa wird dort gar nicht erst mehr mitgenommen. Umgekehrt kann die Tafel manchmal aber auch profitieren: Wenn in Supermärkten Kühltheken ausfallen, darf die Ware nicht mehr verkauft werden - und geht an die Tafeln.

Das berichtet auch Karin Fürhaupter. Sie ist Vorsitzende der Kölner Tafel. Vergangenen Freitag sind die Kühlungen von zwei Supermärkten ausgefallen. Bei einem konnte die Ware von den Tafel-Mitarbeitern gerettet werden. Dennoch: auch die Kölner Tafel ist mit ihrer Kühlung in der Hitzewoche ans Limit gekommen. Brot musste aus der Kühlung genommen werden, um Obst und Gemüse zu weichen.

Einige Tafeln haben so große Kühl- und Lagerräume, dass zumindest dieses Thema kein Problem bereitet, so berichten es etwa die Tafeln in Oberberg, Siegen und Krefeld.

Essensausgabe der Tafel in Essen

Frische Lebensmittel trotz hoher Temperaturen bei der Tafel

Viele Tafel-Mitarbeitende sind Senioren

Und dann ist da ja noch der Faktor Mensch, dem die Temperaturen auch zu schaffen machen. Das betrifft zum einen die Kunden. Die Oberberger Tafel macht deshalb jetzt schon um halb acht auf, statt erst zwischen zehn und elf - wenn es noch kühler ist.

Und zum anderen trifft die Hitze natürlich die Mitarbeitenden selbst, die oft älter sind. Die Siegener Tafel hat ihre Ausgabezeiten daher verkürzt, um ihre Ehrenamtlichen zu schützen. In Oberberg und Soest sorgt man dafür, dass genügend Getränke vorhanden sind; in Essen soll nächstes Jahr eine Klimaanlage installiert werden.

Tafeln weiterhin dankbar für jede Lebensmittelspende

Und noch drastischere Schritte geht Düsseldorf:

"Wir haben unseren älteren ehrenamtlichen Mitarbeitern auch gesagt, sie sollen lieber zu Hause bleiben." Eva Fischer, Tafel Düsseldorf

Dann aber fehlt wiederum Personal, um all die Ware abzuholen. Bei allen Herausforderungen sind die Tafeln dabei weiterhin auf Lebensmittelspenden angewiesen. Ulrich Pfeiffer aus Oberberg formuliert es so: "Wir sind sehr dankbar für jede Spende, weil wir damit Menschen in Not helfen. In Gummersbach muss niemand hungern."

Wie die Tafeln in NRW der Hitze trotzen

WDR 03.07.2026 01:59 Min. Verfügbar bis 02.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Tafel Oberberg
  • Tafel Soest
  • Tafel Siegen
  • Tafel Düsseldorf
  • Tafel Bochum
  • Tafel Krefeld
  • Tafel Essen
  • Tafel Köln

Sendung: wdr.de, Wie die Tafeln in NRW der Hitze trotzen, 03.07.2026, 05:02 Uhr

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