AfD Listenaufstellung zur Landtagswahl | WDR aktuell
WDR. 01:53 Min.. Verfügbar bis 10.07.2028.
"Ich schlafe sehr, sehr ruhig. Absolut.", sagt Martin Vincentz. Bezogen auf seinen Platz auf der AfD-Liste zur Landtagswahl mag das stimmen. Es wäre sehr überraschend, wenn er von den rund 500 Delegierten nicht auf Platz 1 gewählt werden würde.
"Die Vorentscheidung ist im Frühjahr bei den Wahlen zum Landesvorstand getroffen worden", ergänzt er. Damals wurde er als Landeschef der Partei im Amt bestätigt. Mit zwar nur 53 Prozent, aber zwischenzeitlich sah es so aus, als hätte er auch abgewählt werden können. Inzwischen kann er mit einem deutlich besseren Ergebnis rechnen, wenn er in Marl zum AfD-Frontmann für die Landtagswahl bestimmt wird. Insgesamt scheint es so, als hätten Vincentz-Unterstützer wieder eine größere Mehrheit unter den Delegierten.
Innerparteiliche Machtkämpfe
Hintergrund für seine zuletzt geschwächte Position ist ein schwelender Machtkampf im NRW-Landesverband, der bis heute nicht beruhigt ist. Im Gegenteil, er hat sich auf dem Bundesparteitag zugespitzt.Vereinfacht gesagt geht es um rechtsextreme Kräfte wie den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Das Tischtuch zwischen ihm und Vincentz ist zerschnitten. Helferich war von der NRW-AfD aus der Partei geworfen worden, was die Bundespartei aber wieder kassierte.
Man mutmaßt, auch weil der inzwischen immer mächtiger gewordenen AfD-Bundessprecherin Alice Weidel sehr passt, dass im größten Landesverband keine innerparteilichen Konkurrenten erwachsen könnten. Vincentz wurde zwischenzeitlich als ihr Nachfolger gehandelt.
Alice Weidel und Martin Vincentz
Seit den Vorwürfen gegen einen engen Vertrauten haben die Gegner des eher dem nationalkonservativen Lager zugehörigen Vincentz Oberwasser gehabt: Vor fast zwei Jahren wurde bekannt, dass Klaus Esser sein Jura-Examen gefälscht haben soll. Der Vorwurf - nicht nur aus rechtsextremen AfD-Kreisen - war dabei, dass Esser nicht aus der Partei und der Landtagsfraktion flog.
Auch Sven Tritschler will sich aufstellen lassen
Ebenfalls eine Zuspitzung im AfD-Machtkampf ist die Personalie Sven Tritschler. Der AfD-Landtagsabgeordnete gehört- so sagt er über sich selber - keinem Lager an. Der Kölner ist aber intern umstritten. Immer wieder werden über ihn Gerüchte zu seinem finanziellen Status gestreut und wie er Mitarbeiter beschäftigt.
AfD-Chefin Weidel wollte ihn zum Stellvertreter in der Partei haben und bekam ihn auch knapp ins Amt gehievt - mit 50,7 Prozent. Entgegen dem Wunsches des NRW-Landesverbandes.
Ihm wurde "per Frankfurter Allgemeinen Zeitung Folgendes ausgerichtet: Meine Kandidatur sei ein Affront", sagte Tritschler in seiner Bewerbungsrede. Deshalb sollte er nicht auf die Landesliste gewählt werden.
Er werde sich aber nicht unterkriegen lassen, sagte er und wird auch wahrscheinlich einen sicheren Listenplatz für eine weitere Wahlperiode erhalten. Nach WDR-Informationen will er auf Platz 4 kandidieren und es gibt aktuell keine wirklich aussichtsreiche Gegenkandidatur.
Bis die ganze Liste steht dauert es noch
Die Wahl der gesamten Liste wird übrigens insgesamt sehr lange dauern. Bei der AfD treten frühzeitig für jeden Platz mehrere Kandidaten und Kandidatinnen an, was die Wahl sehr in die Länge zieht. So sind alleine bis zu vier Wochenenden vorgesehen, auf denen die gesamte Liste gewählt werden soll.
Umfragen zufolge kann die AfD mit einer Verdreifachung ihres Ergebnisses rechnen - bei der Landtagswahl 2022 erreichte sie nur knapp über fünf Prozent. Und deshalb wird es für Vincentz auch wichtig sein, in der vielleicht deutlich größeren Fraktion weiterhin an der Spitze stehen zu können.
Unsere Quellen:
- Interview Martin Vincentz
- Rede Sven Tritschler Parteitag in Erfurt
- Eigene Recherche
Sendung: WDR 5 Morgenecho, Vor dem AfD-Parteitag, 10.07.2026, 06:05 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 10.07.2026, 12:45 Uhr
