Rebhuhn-Männchen auf einer Wiese
Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/W. RolfesMehr als 43.000 Tier- und Pflanzenarten leben in Nordrhein-Westfalen, ungefähr die Hälfte aller Arten, die in ganz Deutschland vertreten sind. Die Tendenz ist allerdings seit Jahrzehnten sinkend. Um die Artenvielfalt zu erhalten und Lebensräume gezielt zu schützen, hatte die Landesregierung 2015 erstmals eine Biodiversitätsstrategie aufgestellt.
Nach über Zehn Jahren wurde diese Strategie jetzt aktualisiert und im Landeskabinett beschlossen. Heute wurde sie dem Landtag vorgelegt. Neben einer Arbeitsgruppe im Umweltministerium konnten sich in einer Beteiligungsphase auch Vertreter aus dem Umweltschutz, der Forst- und Landwirtschaft und den Kommunen einbringen. Auch junge Menschen wurden gezielt angesprochen, da sie besonders stark von einem Rückgang der Biodiversität betroffen sind.
Artenvielfalt weiterhin stark bedroht
Die Strategie diagnostiziert als Ausganslage einen schlechten Zustand der Biodiversität in NRW. Von den 43.000 Arten stehen aktuell fast 45 Prozent auf der roten Liste des Landesamtes für Natur- Umwelt und Klima und gelten damit mindestens als gefährdet. Bei den Brutvögeln liegt diese Zahl sogar bei 53 Prozent.
Der Seeadle ist eine bedrohte Art, ist jedoch zurück am Niederrhein
Bildquelle: WDR/dpaEine weitere Kennzahl des Landesamtes bildet die "Artenvielfalt und Landschaftsqualität" ab - hier erreicht NRW 2022 gerade einmal 70 von angestrebten 100 Prozent. Trotz der bisherigen Biodiversitätsstrategie werden die Werte in allen Kategorien wie Wald, Gewässer oder Agrarlandschaft schlechter.
Grund für das Artensterben ist der Mensch
Das Erdmandelgras ist eine invasive Art, die sich in NRW ausbreitet
Bildquelle: Dominik Hamers/WDRDie Hauptursachen für den Verlust an Artenvielfalt liegen in der intensiven Nutzung der Landschaften durch den Mensch. Nordrhein-Westfalen ist eines der am dichtest besiedelten Gebiete Europas. Fast ein Viertel der Fläche des Landes waren 2024 Siedlungs- oder Verkehrsflächen. Auch intensiv betriebene Landwirtschaft und Bergbau gefährden durch Schadstoffe und Stickstoff den Erhalt vieler Arten.
Gleichzeitig wird die Situation durch den Klimawandel verschärft. Höhere Temperaturen und stärkere Dürrephasen setzen den Ökosystemen zu. In diesem Zusammenhang siedeln sich auch mehr invasive Arten an, die ursprünglich aus anderen Gebieten der Erde stammen, und einheimische Arten verdrängen.
Biodiversitätsstrategie soll Negativtrend umkehren
Mit der weiterentwickelten Biodiversitätsstrategie will das Umweltministerium den negativen Trend bei der Artenvielfalt stoppen. Bis 2045 soll ein dauerhaft guter Zustand erreicht werden. Dabei setzt das Ministerium auch auf eine stärkere Vernetzung mit anderen Ministerien und Kommunen in der Planung von Flächennutzung. Gezielt sollen junge Menschen auch immer wieder in die Weiterentwicklung der Strategie in einem festen Austauschformat für Jugendliche einbezogen werden.
Konkret plant das Ministerium unter anderem die Ausweitung bestehender Schutzgebiete und Biotope. Wälder und Agrarlandschaften sollen so genutzt werden, dass sie an den Klimawandel angepasst überleben können. Gewässer, Auen und Moore sollen wieder renaturiert werden und so einen besseren Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten. Zusätzlich soll auch Geld in die Umweltbildung fließen, um Menschen die Bedeutung von Artenvielfalt näher zu bringen.
"Einen entscheidenden Beitrag leistet die Bildung für nachhaltige Entwicklung, die Wissen, Bewusstsein und Handlungsfähigkeit stärkt." Oliver Krischer (Grüne), Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr
Oliver Krischer eröffnet Artenschutzkonferenz
Bildquelle: WDRDie Strategie enthält konkrete Zielwerte in verschiedenen Kategorien in mehreren Stufen bis 2045 erreicht werden sollen. So sollen zum Beispiel 15 Prozent der Landesfläche Teil von geschützten Biotopen werden, aktuell liegt der Wert bei etwa zwölf Prozent. Der Wert für gefährdete heimische Arten soll auf unter 40 Prozent reduziert werden. Auch für die Bildung gibt es einen Richtwert: hier sollen bis 2030 50 Prozent der der Bevölkerung ein hohes Naturbewusstsein besitzen.
Finanzierung bleibt unklar
Wie viel Geld in die geplanten Maßnahmen investiert werden soll, wird in der Biodiversitätsstrategie nicht ausformuliert. Ein Großteil soll sich aus Mitteln finanzieren, die der Bund und die EU bereitstellen. Alle Maßnahmen, die über den Landeshaushalt finanziert werden müssten, stehen daher unter Finanzierungsvorbehalt. Ein strukturell ausgeglichener Landeshaushalt sei eine zentrale Voraussetzung.
Unsere Quellen:
- Biodiversitätsstrategie Nordrhein-Westfalen
Sendung: WDR.de, Artenvielfalt nur wenn das Geld reicht, 21.09.2026, 18:25 Uhr