Eine Pflegerin begleitet eine Bewohnerin durch einen Gang in einem Pflegeheim
Bildquelle: Sina Schuldt/dpa/dpa-tmnPflegekosten in NRW : Immer mehr Pflegebedürftige brauchen Sozialhilfe
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Zum dritten Mal in Folge ist die Zahl der Menschen gestiegen, die selbst oder deren unterhaltspflichtigen Angehörigen die Kosten der Pflege nicht mehr allein tragen können. Im Vergleich zu 2024 sind es rund fünf Prozent mehr.
Die meisten Betroffenen leben in Einrichtungen, zum Beispiel in Pflegeheimen, teilt die Landesstatistik-Behörde IT.NRW mit. Hier benötigten 91.125 Menschen Hilfe zur Pflege. Das liegt auch daran, dass in Nordrhein-Westfalen der Eigenanteil bei Heimunterbringung höher ist als anderswo. Der liegt hier bei durchschnittlich 3.671 Euro. Im Bundesschnitt sind "nur" 3.364 Euro fällig.
Auch außerhalb der Heime wächst die Zahl der finanziell Hilfebedürftigen. 18.300 Personen waren in NRW 2025 darauf angewiesen.
Betroffene meist weiblich
67 Prozent der Menschen, die Hilfe zur Pflege erhielten, waren Frauen. Ihr Durchschnittsalter lag bei 83 Jahren. Betroffene Männer waren im Schnitt jünger - 74 Jahre.
Kommunen kritisieren steigende Kosten
Das Geld für die Hilfe zur Pflege muss beim Sozialamt beantragt werden. Ausgezahlt wird es von der jeweiligen Kommune. Über die steigenden Kosten klagen deshalb schon seit langem die kommunalen Spitzenverbände. 1,3 Milliarden Euro haben die Städte und Gemeinden in NRW im vergangenen Jahr für die Hilfe zu Pflege bezahlt. Das ist der zweithöchste Posten bei der Sozialhilfe.
Mehr Geld fließt nur für Ausgaben für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Der Städte- und Gemeindebund verlangte erst in der vergangenen Woche den Eigenanteil zu deckeln, den Pflegebedürftige zahlen müssen.
CDU bei Deckelung zurückhaltend
Für eine solche Deckelung hat sich im Sommer auch die Frauen Union in Nordrhein-Westfalen eingesetzt. In einem Antrag für den Landesparteitag im Juli hatte sie fünf konkrete Maßnahmen aufgeschrieben, wie der steigende Eigenanteil bei der Pflege begrenzt werden könnte. Darunter auch den einer sozial gestaffelten Deckelung.
Doch der Antrag wurde zunächst in die zuständigen Ausschüsse verwiesen. Der zuständige Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist skeptisch, was die Deckelung des Eigenanteils angeht.
SPD: "Pflege darf nicht arm machen"
Die SPD-Opposition im Landtag sieht die Gefahr, dass immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze rutschen könnten. Die aktuellen Zahlen lägen jetzt sogar über denen von 2021. Damals wurde der Leistungszuschlag der Pflegekassen eingeführt, um die Kostenexplosion für die Pflegebedürftigen einzudämmen. Seitdem bekommen Menschen in Pflegeheimen prozentuale Zuschüsse, um den eigenfinanzierten Anteil zu senken.
Thorsten Klute (SPD)
Bildquelle: WDRKurzfristig hatte das Wirkung gezeigt. Mittlerweile ist der Effekt aber verpufft. Der pflegepolitische Sprecher der SPD-Fraktion Thorsten Klute apelliert deshalb an Bundesgesundheitsminister Linnemann, bei seiner geplanten Pflegereform auf eine gerechtere Finanzierung zu achten, die auch die Kommunen nicht weiter belastet.
Linnemann hatte vor wenigen Tagen angekündigt, eine Expertenkommission einzusetzen, die - ähnlich der Rentenkommission - bis nächstes Jahr Vorschläge für eine umfassende Reform der Pflegeversicherung machen soll.
Unsere Quellen:
- eigene Recherchen
- Pressemitteilungen IT.NRW und SPD-Landtagsfraktion
Sendung: WDR.de; Mehr Pflegebedürftige auf staatliche Hilfe angewiesen, 21.09.2026, 15:45 Uhr
