Der AfD-Bundesvorstand soll das Ausschlussverfahren am Montag eingeleitet haben. Nach WDR-Informationen wird Christian Blex aus dem Kreis Warendorf vorgeworfen, beim Landesparteitag in Marl Parteimitglieder eingeschüchtert zu haben.
Außerdem soll es zu Unregelmäßigkeiten rund um Zahlungen an die AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland gekommen sein. Blex wurden demnach auch die Mitgliedsrechte entzogen. Bis zum Abschluss des Verfahrens kann Blex seinen Job als Schatzmeister des Landesverbandes nicht ausüben.
Fortsetzung Machtkampf in NRW-AfD
Im Juli war bei einem Parteitag in Marl die Wahlliste für die Landtagswahl nächstes Jahr aufgestellt worden. Das Treffen war im Chaos versunken, weil die zwei Lager in der NRW-AfD aneinandergeraten waren. Die AfD ist gespalten in eine Gruppe um Parteichef Martin Vincentz, die einen extremeren Kurs ablehnt. Auf der anderen Seite steht ein rechtsextremes Lager rund um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich.
Blex will Vorwürfe entkräften
Vincentz, Blex und Gottschalk beim AfD-Parteitag
Bildquelle: Fabian Strauch/dpaChristian Blex wies im Gespräch mit dem WDR die Vorwürfe von sich. Er sei auch noch nicht offiziell über die Maßnahmen unterrichtet worden, sagte er. Die Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens nehme er "mit Verwunderung" zur Kenntnis - er habe sich nichts vorzuwerfen und sei zuversichtlich, die Vorwürfe entkräften zu können. Blex ist Mitglied im NRW-Landesvorstand. Auch dort stehen sich die zwei Fraktionen der Landes-AfD unversöhnlich gegenüber.
Durch das Parteiausschlussverfahren gegen Blex verschieben sich die dortigen Machtverhältnisse. Bisher umfasste das Lager um Martin Vincentz sieben Personen, das des gegnerische selbsternannten "patriotischen" Lagers fünf. Bis zu einer Entscheidung im Ausschlussverfahren bleibt Blex' Sitz im Landesvorstand frei, somit schrumpft die Mehrheit rund um Martin Vincentz auf Sechs-zu-Fünf.
Streit um Listen für Landtagswahl eskaliert
AfD-Parteitag in Marl, Stimmen werden ausgezählt
Bildquelle: WDR/Benedikt WalterBlex nannte den Zeitpunkt, an dem die Maßnahmen eingeleitet wurden, "bemerkenswert" - kurz vorher hatte der Landesvorstand, dem Blex angehört, entschieden zu prüfen, ob man Verantwortliche der sogenannten "Filibuster-Operation" beim Parteitag in Marl in Regress nehmen könne. Die Aktion hat die Partei laut Blex politisch und finanziell "erheblich belastet".
Mithilfe der Operation Filibuster hatten Angehörige des Helferich-Lagers versucht, den Nominierungsparteitag durch viele spontane Kandidaturen vorübergehend in die Länge zu ziehen. Bis dahin hatten sich mehrheitlich Kandidaten des gemäßigten Parteiflügels für die Wahlliste durchgesetzt - dieser Prozess sollte gestört werden.
Maßnahmen gegen Christian Loose beschlossen
Auch der Landtagsabgeordnete Christian Loose soll mit einer Ämtersperre belegt werden, weil er Parteichefin Alice Weidel als "Alice Merkel" bezeichnete. Auch er habe noch keine offiziellen Informationen vom Bundesvorstand erhalten, heißt es. "Ich weiß nicht, ob es ein Verfahren gibt. Gegen eine Ämtersperre würde ich mich natürlich mit allen rechtsstaatlichen Mitteln verteidigen", kündigte Loose an. Nach dem chaotischen Listenparteitag in Marl war es zu einem offenen Streit der NRW-AfD mit dem Bundesvorstand gekommen, in dem Berlin zeitweise den Abbruch des Parteitags gefordert hatte.
Unsere Quellen:
- Gespräch Christian Blex
- Statement Christian Loose
- AfD-Sprecher
- eigene Recherche
Sendung: WDR.de Machtkampf in NRW-AfD geht weiter, 22.09.2026, 13:10 Uhr
