Rettungskräfte, Notaufnahmen und Bestatter kamen in der Hitzewelle an ihre Grenzen. Der Kölner Bestatter Christoph Kuckelkorn schildert dem WDR, dass es sehr viele Tote in kurzer Zeit gab. Die Notärzte seien mit dem Ausfüllen von Totenscheinen nicht nachgekommen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jochen Ott forderte am Dienstag in Düsseldorf von der Landesregierung mehr Hitzeschutz. Er zitierte aus dem Kölner Stadt-Anzeiger: 120 Tote habe es in Köln allein am Samstag und Sonntag gegeben, vier Mal mehr als sonst. Die genauen Todesursachen seien noch unklar. Elf Tage in Folge warnte der Deutsche Wetterdienst vor Extrem-Hitze in weiten Teilen des Landes.
Was hat die NRW-Landesregierung in der Woche vom 21. bis zum 29. Juni gemacht? Eine Woche, die mit ihren Temperatur-Rekorden als historisch gelten muss. Deren Ausmaß wir noch gar nicht abschätzen können, weil es noch keine belastbaren Opferzahlen gibt. Was haben die NRW-Staatskanzlei, das Gesundheits- und das Umweltministerium den Bürgerinnen und Bürgern mitgeteilt? Hier ein paar Beispiele:
4. Warntag, Sonntag, 21. Juni
Das NRW-Gesundheitsministerium postet zum "#Tag des Sonnenschutzes" auf Instragram: "Hitzewelle in Nordrhein-Westfalen. Tipps für die heißen Tage". "Trinkt mindestens 2 Liter, auch dann, wenn ihr keinen Durst habt". Und das Ministerium empfiehlt "leichte, helle Kleidung", den Kopf bedecken, "regelmäßig Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor", Schatten aufsuchen, direkte Sonne meiden.
Es bleibt der einzige Beitrag des Gesundheitsministeriums zum Thema Hitze auf Instagram während der Hitzewelle.
6. Warntag, Dienstag, 23. Juni
Die Staatskanzlei postet auf X Bilder vom Sommerfest der NRW-Landesvertretung in Brüssel: Viermal ist Ministerpräsident Hendrik Wüst zu sehen, unter anderem mit EP-Vizepräsidentin Katharina Barley (SPD) und einer Albert-Einstein-Pappfigur.
7. Warntag, Mittwoch, 24. Juni
Die Staatskanzlei postet auf Instagram ein Video, in dem sich Schulministerin Feller an ihren "schönsten Schulmoment" erinnert. Es war der Schulstart, "weil ich dann mit meinen älteren Geschwistern gleichgezogen bin". Am gleichen Tag informiert das Schulministerium darüber, dass ab sofort Kurzunterricht und hitzefrei für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II möglich sei, weil die "anhaltend hohen Temperaturen" viele Schulen "vor große Herausforderungen" stelle.
8. Warntag, Donnerstag, 25. Juni
Die Staatskanzlei NRW feiert auf X 40 Jahre deutsch-japanischen Wirtschaftskreis, Ministerpräsident Wüst betont die strategische Partnerschaft mit Japan.
9. Warntag, Freitag, 26. Juni
Die Staatskanzlei widmet sich auf X dem "Realitätscheck Wasserstoff" und der Frage: "Wie kommt Europas Wasserstoffhochlauf schneller voran?"
Ministerpräsident Hendrik Wüst fragt auf LinkedIn: "Braucht unsere Demokratie eine Fanmeile?"
Die Staatskanzlei veröffentlicht die Pressemitteilung "Vorsicht bei hoher Hitze: Die Tierschutzbeauftragte gibt Tipps für Tierhalterinnen und Tierhalter"
Das NRW-Umwelt- und Verkehrsministerum dankt auf Bluesky dem Landesbetrieb Straßen NRW "für den Einsatz auch bei größter Hitze, von uns Büromenschen an die Teams in Orange" und warnt dort noch am gleichen Tag vor der "Hitze in NRW". In diesem Post ist das Umweltportal NRW verlinkt. Hier finden sich wiederum weitere Links auf den Deutschen Wetterdienst und das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz.
Der WDR fragt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) an für ein Interview zum Thema "Hitze in Pflegeheimen" für die Sendung Westpol. Das Ministerium sagt ohne Angabe von Gründen ab. Stattdessen gibt es schriftliche Antworten. Nein, eine Pflicht zur energetischen Sanierung von Pflegeheimen plane die Landesregierung nicht.
Westpol
Westpol. 28.06.2026. 28:43 Min.. UT. DGS. Verfügbar bis 28.06.2031. WDR.
NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) stellt sich in "WDR extra: Rekordhitze" unseren Fragen. Da nur ein Drittel der NRW-Kommunen Hitzeaktionspläne haben, kündigt Krischer an, dies zur Pflichtaufgabe für Kommunen zu machen und sie finanziell zu unterstützen. In den nächsten drei Jahren sollen die restlichen Kommunen Aktionspläne erstellen. "Jetzt machen wir mehr Druck, weil diese Zeiten zeigen, wie notwendig das ist." Der Minister sieht jedoch keinen massiven Investitionsbedarf: "Ich glaube, es sind gar nicht so viele zusätzliche Investitionen nötig. Das, was ohnehin an Bauaktivitäten stattfindet, das muss auf ein verändertes Klima ausgerichtet werden."
10. Warntag, Samstag, 27. Juni
Wir finden keine Postings auf den einschlägigen Kanälen, weder von der Staatskanzlei, Hendrik Wüst, dem Gesundheits- oder Umweltministerium. Es gibt von ihnen auch keine Pressemitteilungen.
11. Warntag, Sonntag, 28. Juni
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst postet auf Instagram "Vier Jahre Ministerpräsident. Wie beschreibt man diesen Zeitraum am besten?" Ein Video zeigt, schnell zusammengeschnitten, Bilder der letzten vier Jahre: Bei der Vereidigung im Landtag, mit Kindern, mit dem niederländischen König, mit Udo Lindenberg, mit Lukas Podolski. Bilder zur aktuellen Hitzekrise im Land fehlen.
Unsere Quellen:
- Eigene Berichterstattung
- Christoph Kuckelkorn im WDR-Interview
- Social-Media-Kanäle der Staatskanzlei und weiterer Ministerien
- Homepages der Staatskanzlei NRW und weiterer Ministerien
Sendung: WDR 5, Nachrichten / Ott fordert mehr Hitzeschutz, 30.06.2026, 16 Uhr
