Fünf Jahre Flut: Milliarden für den Wiederaufbau | Aktuelle Stunde

WDR 00:28 Min. Verfügbar bis 07.07.2028

Fünf Jahre Fluthilfe Viele Privathäuser stehen wieder, Innenstädte warten noch

Stand:

80 Prozent der durch die Flut zerstörten Privathäuser sind laut Landesregierung wieder aufgebaut. Bei den Kommunen läuft es zäh.

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe sind nach Angaben der Landesregierung etwa 80 Prozent der privaten Gebäudesanierungen abgeschlossen. Insgesamt habe das Land rund 4,7 Milliarden Euro für den Wiederaufbau bewilligt, sagte NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU).

Für Bürgerinnen und Bürger endete die Antragsfrist am 30. Juni. Bis dahin seien mehr als 29.000 Anträge von Privatleuten eingegangen - über 95 Prozent davon seien "abschließend bearbeitet". Für privat genutzte Wohngebäude und den Ersatz von Hausrat habe das Land bis dato rund 900 Millionen Euro bewilligt.

Hälfte der Infrastruktur wieder aufgebaut

Flutlawine in der Innenstadt von Schleiden-Gemuend 2021

2021: Flutlawine in Schleiden-Gemünd

Für den Aufbau der kommunalen Infrastruktur wurden nach Angaben der Ministerin über drei Milliarden Euro beantragt und bewilligt. Von den ursprünglich 181 Kommunen, die Schäden gemeldet hatten, würde in rund 50 Prozent der Wiederaufbau im kommenden Jahr abgeschlossen sein.

Die kommunalen Wiederaufbaumaßnahmen seien häufig sehr kompliziert, sagte Ministerin Scharrenbach, weil beispielsweise zukünftige Entwässerung mitgedacht werden müsse. Teilweise sei auch das Abwassersystem geschädigt worden. "Dann sind in Teilen komplette Straßensysteme neu aufzubauen und das nimmt dann mitunter viel, viel mehr Zeit in Anspruch als vorher gedacht." 

Auch seien Ingenieure für Brücken schwer zu bekommen. In Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis zum Beispiel rechne man nicht damit, dass wichtige Wegeverbindungen vor Ende des Jahrzehnts fertig werden.

Stand der Wiederaufbau-Hilfen fünf Jahre nach dem Hochwasser

WDR Studios NRW 07.07.2026 00:42 Min. Verfügbar bis 06.07.2028 WDR Online

Extrageld für Personalkosten

In vielen Verwaltungen hätten Mitarbeiter wegen des anhaltenden Wiederaufbaus Überstunden angehäuft, was die finanziell klammen Kommunen weiter belaste, sagte Scharrenbach. Da der Aufbaufonds aber nicht für Personalkosten genutzt werden darf, wolle das Land NRW im Haushalt 2027 zusätzlich 15 Millionen Euro für die besonders betroffenen Städte zur Verfügung stellen.

Schutt zwischen beschädigten Häusern

Die Hochwasser-Katastrophe im Juli 2021, bei der die Ahr, aber auch viele andere Flüsse in NRW über ihre Ufer traten, hatte ganze Landstriche verwüstet. Allein in NRW kamen 49 Menschen ums Leben.

Beratungshotline bleibt bis Ende 2026

NRW-Bauministerin Scharrenbach am 7. Juli im WDR-Interview

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU)

Viele Betroffene hätten den Wiederaufbau zwar bereits geschafft, sagte Scharrenbach, aber: "Emotional haben viele unverändert mit den Folgen für sich und ihre Familien umzugehen." Deshalb werde die sogenannte aufsuchende Hilfe in besonders betroffenen Gebieten bis zum 31. Dezember 2026 fortgesetzt: im Rhein-Sieg-Kreis, in der Städteregion Aachen und im Kreis Euskirchen. Hier würden Berater aktiv auf die Menschen zugehen.

Zusätzlich stehe Betroffenen weiterhin das landesweite Servicetelefon unter der Rufnummer 0211/4684-4994 montags bis freitags von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr für Fragen rund um den Wiederaufbau zur Verfügung.

Betrüger überführt

Auch Betrüger versuchten offenbar, aus der Fluthilfe Nutzen zu ziehen. Laut Scharrenbach wurden rund 625 Verdachtsfälle an die Staatsanwaltschaften weitergeleitet. Es gab bereits mehrere Gerichtsprozesse. Nach den bisher ergangenen Urteilen seien rund 8,5 Millionen Euro zu Unrecht ausgezahlt worden.

Unsere Quelle:

  • Pressemitteilung des NRW-Bauministeriums
  • Deutsche Presseagentur

Sendung: WDR.de, Stand der Wiederaufbau-Hilfen fünf Jahre nach dem Hochwasser, 07.07.2026, 12:52 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 07.07.2026, 18.45 Uhr

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