Die Hitzewelle Ende Juni brachte Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in NRW an ihre Grenzen. Nach Todesfällen und überlasteten Notaufnahmen kündigt Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) nun Konsequenzen an. Gemeinsam mit Rettungsdiensten, Kliniken und Pflegeeinrichtungen soll ein flächendeckendes Warnsystem für das Gesundheitswesen entstehen. Das erklärte Laumann auf einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses im Düsseldorfer Landtag.
Zudem sollen Warnungen des Deutschen Wetterdienstes künftig stärker mit konkreten Maßnahmen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen verknüpft werden. Außerdem sollen Hitzewellen in der Alarmplanung der Krankenhäuser berücksichtigt werden. Auch die Nutzung sogenannter Kühlräume in Kliniken soll ausgeweitet werden.
Auslöser der Debatte sind mehrere Todesfälle während der Hitzewelle, darunter zwölf in einem Krankenhaus in Leverkusen.
Laumann betonte zudem: Auch die Bevölkerung müsse Hitzewarnungen künftig ähnlich ernst nehmen wie Sturm- oder Hochwasserwarnungen.
"Hitze kann genauso gefährlich sein wie andere Unwetter, Glatteis oder Hochwasser." NRW-Gesundheitsminister Karl-Joself Laumann (CDU)
Im Pflegebereich kündigte Laumann an, bestehende Hitzeschutzkonzepte und Notfallpläne zu überprüfen und die Zusammenarbeit mit den Kommunen weiterzuentwickeln. Außerdem sollen Hitzeschutzmaßnahmen bei einer geplanten Reform der Investitionskostenfinanzierung berücksichtigt werden.
Laumann: Kein Geld für neue Förderprogramme
Der Opposition gehen die Ankündigungen jedoch nicht weit genug. Die SPD fordert zusätzliche Investitionen statt weiterer Arbeitsgruppen und Gesprächsrunden. Gesundheitsexperte Thorsten Klute warf der Landesregierung vor, seit Jahren vor allem Arbeitsgruppen, Leitfäden und Gesprächsrunden auf den Weg zu bringen, statt den Hitzeschutz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen konkret auszubauen. Angesichts der Hitzewelle brauche es mehr Investitionen in den baulichen Hitzeschutz sowie eine ressortübergreifende Krisensteuerung.
Neue Förderprogramme für bauliche Maßnahmen stellte Laumann allerdings nicht in Aussicht. Dafür stünden derzeit keine Haushaltsmittel zur Verfügung, erklärte der Minister.
"Für weitere Förderprogramme stehen aktuell im Landeshaushalt keine Mittel zur Verfügung." NRW-Gesundheitsminister Karl-Joself Laumann (CDU)
Krankenhaus in Leverkusen weiter im Fokus
Besonders im Blick steht seit der Hitzewelle ein Krankenhaus in Leverkusen. Dort waren an dem Hitzewochenende zwölf Menschen gestorben. Das Gesundheitsministerium sei erst am 2. Juli durch Medienberichte auf die Häufung aufmerksam geworden, erklärte Laumann. Daraufhin leitete die Bezirksregierung eine Prüfung ein und besichtigte gemeinsam mit dem Gesundheitsamt die Klinik.
Die bisherigen Erkenntnisse seien "gravierend", erklärte Laumann. Die Prüfung durch die Krankenhausaufsicht sei aber noch nicht abgeschlossen.
Weitere Todesfälle werden untersucht
Auch zu weiteren Fällen laufen nach Angaben der Landesregierung Untersuchungen. In Duisburg starb eine 91-jährige Patientin. Deren Tochter wirft dem Krankenhaus vor, nicht angemessen auf die Hitze reagiert zu haben. Laut Pflegedokumentation soll ihre Körpertemperatur bei 42 Grad gelegen haben. Ein weiterer möglicher hitzebedingter Todesfall in einem Krankenhaus in Düren wird ebenfalls geprüft.
Landesweit gebe es aber bislang nur wenige Ermittlungsverfahren mit einem möglichen Zusammenhang zwischen Hitze und Versäumnissen in Krankenhäusern, erklärte ein Vertreter des Justizministeriums. Für Leverkusen habe die Staatsanwaltschaft nach bisherigen Erkenntnissen keine ausreichenden Anhaltspunkte gefunden, dass Beschäftigte notwendige Schutzmaßnahmen pflichtwidrig unterlassen hätten. Mehrere Obduktionen und Ermittlungen dauern allerdings noch an.
Land sieht keine landesweite Krise
Laumann verteidigte im Landtag die Entscheidung, keinen Krisenstab während der Hitzwelle einberufen zu haben. Dies sei nicht erforderlich gewesen, so der Minister. Die vorhandenen Lagezentren und Meldewege hätten ausgereicht, eine ressortübergreifende Krisenlage habe zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.
"Der Krisenstab ist das äußerste Mittel." NRW-Gesundheitsminister Karl-Joself Laumann (CDU)
Zugleich räumte Laumann ein, dass extreme Hitze für das Gesundheitswesen künftig eine größere Rolle spielen werde. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) starben bis zum 28. Juni rund 1.230 Menschen in NRW hitzebedingt, bundesweit rund 5.100.
Inzwischen habe sich die Lage entspannt, erklärte Laumann. Weitere außergewöhnliche hitzebedingte Ereignisse seien seit Ende Juni nicht gemeldet worden. Dennoch bleibe die Auslastung vieler Notaufnahmen und Intensivstationen hoch. Mit neuen Warnsystemen und einer besseren Vorbereitung von Kliniken und Pflegeeinrichtungen will die Landesregierung verhindern, dass sich ähnliche Belastungen bei der nächsten Hitzewelle wiederholen.
Unsere Quellen:
- Sondersitzung des Gesundheitsausschusses im Düsseldorfer Landtag
- Mitteilungen und Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zu Hitzetoten 2026
Sendung: WDR.de, Gesundheitsausschuss zu Hitzetoten, 13.07.2026, 12:45 Uhr
