Reform-Rückenwind? Merz trifft NRW-CDU
Aktuelle Stunde . 04.07.2026. 35:32 Min.. UT. Verfügbar bis 04.07.2028. WDR. Von Astrid Houben.
Merz beim CDU-Landesparteitag : Nöler und Nörgler sollen wegtreten
Stand:
Beim Landesparteitag der CDU setzte der Kanzler in seiner Rede auf Optimismus. Der Tenor des Parteitags: Nach vorne schauen. Die nordrhein-westfälische Union steht hinter dem Reformpaket, das die schwarz-rote Koalition gerade auf den Weg gebracht hat.
In der Düsseldorfer Arena feiern die Toten Hosen an diesem Wochenende ihr Heimspiel mit tausenden Fans. Und im Maritim Hotel am Düsseldorfer Flughafen macht sich die CDU daran, gute Stimmung zu verbreiten.
Im Foyer ist eine weiße Leinwand aufgespannt, an der jeder "Ideen für Morgen" hinterlassen kann. Schon am frühen Vormittag stehen da jede Menge Stichworte: "In die Infrastruktur investieren", "stabile Autobahnbrücken", "Catcalling strafbar machen".
Aber auch: "Bleibt gesund - sonst wird’s teuer!", "Minijobs behalten". Der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Jens Spahn, schreibt: "Wir bringen jedes Kind zum Schulabschluss mit bester Förderung" - weiter weg von Diskussionen um Krankschreibungen und Steuerreformen geht es wohl kaum.
Denn eines ist klar: Dieser Parteitag steht unter dem Eindruck des frisch geschnürten Reformpakets der Berliner Koalition. Dabei soll es eigentlich ein reiner Arbeitsparteitag sein, an dem thematisch Weichen für die Landtagswahl gestellt werden. Und so erwarteten natürlich viele gespannt die Rede des Kanzlers, der kurzfristig seine Teilnahme zugesagt hatte.
Merz will Wohlstandsversprechen erneuern
Friedrich Merz zog in seiner Rede Parallelen zwischen der Nachkriegszeit und heute: "Freiheit, Frieden, Wohlstand kommen nicht von selbst", es gehe auch heute wieder darum, Grundentscheidungen zu treffen und damit auf Herausforderungen zu reagieren.
Er warb für die Reformen seiner Koalition und nannte einige Punkte: Etwa, dass der Arbeitsmarkt flexibilisiert werde. Die Ausweitung sachgrundloser Befristungen nannte er eine gute Botschaft für Start Ups.
Das Wort "Krankschreibung" fiel jedoch nicht. Dabei ist gerade das ein Thema, das auch in der Union so manch einen umtreibt. Generell ist der Tenor unter den Delegierten: Nicht alles, was im Paket drinsteht, ist voll und ganz tragbar. Aber sie sind froh, dass sich etwas bewegt.
Landtagswahl am Horizont
Der Kanzler machte in seiner Rede auch deutlich, welche Rolle NRW spielt: "Was in Nordrhein-Westfalen gelingt, kann in Deutschland gelingen." Und sicherte Unterstützung für den langsam nahenden Landtagswahlkampf zu. Merz schloss seine Rede mit dem Versuch, Optimismus zu verbreiten:
"Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker – wegtreten. Wir gehen mit Zuversicht und Optimismus an die Arbeit und wir bringen unser Land wieder auf Kurs." Friedrich Merz, Bundeskanzler
Dafür bekam er Applaus. Und von Hendrik Wüst ein Fahrradtrikot: Das Gelbe, das führende Fahrer auszeichnet. An Fußball will hier keiner mehr denken, und weil heute die Tour de France beginnt, verschenken sie lieber Radfahrtrikots. Carsten Linnemann bekommt ein Sprinter-Trikot, Johannes Winkel eines für Nachwuchsfahrer.
Von schlechter Laune keine Spur, das Wort Kanzlertausch nimmt kaum jemand in den Mund. Die Union zeigt sich wieder geschlossen, aufbruchsbereit, mit dem Blick nach vorne.
Wüst spricht sich für Reformpaket aus
Der Landesvorsitzende und Ministerpräsident Hendrik Wüst lobte in seiner Rede die Parteikollegen im Bundestag, dankte ihnen für die Arbeit der vergangenen Wochen: "Das ganze Paket kann sich wirklich sehen lassen." Ein besonderer Dank gelte dem Kanzler. Es seien dicke Bretter, die aktuell gebohrt werden - auch, weil manche Themen über Jahre liegen geblieben seien. Merz könne sich auf seine Landespartei verlassen.
Wüst betonte die Verantwortung, die seine Partei übernehme. Und wie wichtig es sei, dass die Bürger wieder Vertrauen in den Staat fassen. Er erinnerte auch daran, welche Aufgaben seine Landesregierung angehe, etwa dass viele Schülerinnen und Schüler kaum Deutsch sprächen, wenn sie in die Schule kämen. Er freue sich auf die Arbeit an Themen an diesem Parteitag, die später mal ins Programm zur Landtagswahl fließen könnten.
Es scheint eine Art Erleichterung durch die Partei zu gehen - trotz sinkender Zufriedenheitswerte für die Landesregierung und obwohl der Bundeskanzler laut Umfragen so unbeliebt ist wie nie. Eine Erleichterung darüber, dass auf Bundesebene offenbar ein Knoten geplatzt ist und sich die Koalition nicht weiter im Streit verhakt.
Unsere Quellen:
- Reden beim Landesparteitag der CDU in Düsseldorf
- WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 04.07.2026, 12:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 03.07.2026, 18.45 Uhr
