Ein Mann streckt seine Faust ins Bild

Rechte Gewalt in NRW Zahl der Vorfälle hat sich verdoppelt

Stand:

Gewalttätige Übergriffe aus Rassismus, Antisemitismus oder Queerfeindlichkeit nehmen rasant zu. Die Zahlen haben sich seit 2023 fast verdoppelt.

Von Nina Magoley

Sie sprechen von "enthemmter Gewalt": Angriffe mit rechtsextremen, rassistischen oder antisemitistischen Motiven nehmen seit mehreren Jahren zu in NRW. Die Opferberatung Rheinland und die Beratungsstelle BackUp gaben am Dienstag die neuesten Zahlen bekannt. Die Jahresstatistik von 2025 zeigt demnach einen bisherigen Höchststand solcher Gewalttaten.

Seit 2023 hat sich die Zahl der Angriffe von 355 auf 623 im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Rassistische Motive machten 2025 mit Abstand die meisten Übergriffe aus (313), gefolgt von Angriffen auf politische Gegner (181), antisemitischen Motiven (57) und queerfeindlichen Taten (54).

Opferberatungsstellen: Mehr rechte Gewalt in NRW

WDR Studios NRW 21.07.2026 46 Sek. Verfügbar bis 20.07.2028 WDR Online

Mehr Angriffe auf Kinder

Besonders alarmierend: Waren Kinder und Jugendliche in den Vorjahren meist "zufällig" Opfer von Gewalttaten, weil sie mit ihren Familien unterwegs waren, seien im vergangenen Jahr Minderjährige vermehrt auch gezielt angegriffen worden. "Der Status von Kindern als besonders schutzbedürftige Wesen schreckt viele Täter nicht mehr ab", sagte Sabrina Hosono von der Beratungsstelle BackUp.

Die Mitarbeitenden der Beratungsstellen beobachteten ein gesellschaftliches Klima, "in dem menschenfeindliche Einstellungen sichtbarer werden und sich Täter zunehmend in ihrem Handeln bestärkt fühlen", sagte Niklas Weitekamp von der Opferberatung Rheinland.

Mit Kippa oder Queer-Outfit zur Zielscheibe

Antisemitismus an Unis

Kippatragen wird zum Risiko

Bildquelle: wdr

Menschen würden dort angegriffen, wo sie ihre Identität zeigten, sagte Hosono. Auslöser seien dabei die tatsächliche oder von den Angreifern vermutete Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder gesellschaftlichen und politischen Engagement. Angriffe passierten etwa beim Gang zur Synagoge oder beim Tragen der Kippa, auf dem Weg zu queeren Veranstaltungen oder beim Protest gegen rechtsextreme Gesinnung. Auch Kommunalpolitiker würden zunehmend zu Feindbildern.

Gleichzeitig beobachten die Opferberatungsstellen, dass sich immer wieder von der Polizei dokumentierte Übergriffe nicht in der Polizeistatistik für politisch motivierte Kriminalität (PKM) wiederfänden. So seien 33 Fälle mit rechter Tatmotivation durch Pressemitteilungen der regionalen Polizeibehörden oder der Bundespolizei öffentlich bekannt gemacht worden, von denen demnach nur acht in der PMK-Statistik auftauchten.

Jedes Jahr Zittern um Finanzierung

Die beiden Opferberatungsstellen Rheinland und BackUp werden vom Land mit jeweils zehn Vollzeitstellen finanziert. Sie begleiten Opfer zur Polizei oder zu Gerichtsverhandlungen, helfen bei der Suche nach Anwälten oder beim Ausfüllen von Entschädigungsanträgen. Auch die psychosoziale Unterstützung sei Teil der Arbeit, erklärte Hososno: "Rechte Gewalt kann sehr isolierend wirken". Betroffene trauten sich oft kaum noch aus dem Haus. Die Verunsicherung durch Gewalterfahrung könne zudem das Familienleben und den Freundeskreis stark verändern.

Die Fortsetzung der Finanzierung werde allerdings zu jedem Jahresende vom Land neu geprüft. Das heiße, sagte Sabrina Hosono, die Mitarbeitenden müssten sich jedes Mal vorsorglich arbeitslos melden, bevor das Land eine Verlängerung zusage. Eine verlässliche Finanzierung sei daher wünschenswert.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR2, WDRaktuell, 21.07.2026, 14:00 Uhr

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