NRW-Innenminister Herbert Reul (18.10.2017)

NRW-Innenminister Herbert Reul

Bildquelle: dpa

Stromnetz-Sabotage Daniel V. plante offenbar mehr als 150 Anschläge

Stand:

Im In- und Ausland soll der mutmaßliche Stromnetz-Saboteur Daniel V. Anschläge auf das Stromnetz geplant haben, in NRW alleine 40.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Strom-Saboteurs Daniel V. berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Innenausschuss des NRW-Landtags über weitere Erkenntnisse der Ermittler. Demnach sind weitere "potenzielle Tatörtlichkeiten" bekannt geworden, "bei uns in NRW, aber auch in anderen Bundesländern und sogar im benachbarten Ausland", so Reul.

Allein in NRW hätten die Ermittler bislang über 40 Einrichtungen gefunden, die zum Abschuss von leitfähigem Material auf Leitungen von Umspannwerken dienen. So sollte ein Kurzschluss mit anschließendem Stromausfall herbeigeführt werden. Im sichergestellten Lkw des Tatverdächtigen habe die Polizei ein "Notizbuch mit mehreren handschriftlichen Vermerken" gefunden zu über 150 Sabotagezielen. Sämtliche Orte seien abgesucht worden. Nach der Festnahme habe Daniel V. zudem sieben Orte benannt, an denen er Lager eingerichtet habe. "Wir haben nicht nur den mutmaßlichen Täter der Anschläge gefasst, sondern damit womöglich immer weitere Anschläge verhindert", sagte der Innenminister.

1.700 Einsatzkräfte in NRW

Der Innenminister skizzierte auch den Verlauf der bisherigen Ermittlungen. In NRW seien über 1.700 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz gewesen. Man habe die Lage sehr ernst genommen und unmittelbar nach den ersten Sabotageakten in NRW eine "Besondere Aufbauorganisation" bei der Polizei eingerichtet und mit anderen Bundesländern zusammengearbeitet.

"Explosivstoffe, großflächige Tatorte, länderübergreifende Koordination und die potenziellen Schäden sprechen für sich." Herbert Reul, NRW-Innenminister

Auch das Landeskriminalamt NRW und das "Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen" seien in die Ermittlungen eingebunden. Aktuell prüfe die Generalbundesanwaltschaft eine mögliche Übernahme des Verfahrens.

Strom-Saboteur soll mehr als 150 Anschläge geplant haben

WDR Studios NRW 10.09.2026 38 Sek. Verfügbar bis 09.09.2028 WDR Online

Gab es Komplizen oder "fremde Mächte"?

Für Herbert Reul stellt sich angesichts der Vielzahl der Abschussvorrichtungen die Frage nach Komplizen. "Oder auch, ob er nicht doch von fremden Mächten angeheuert wurde." Dafür gebe es aktuell keine Belege, aber diesen Fragen würde weiter nachgegangen. "Die Ermittlungen laufen weiter auf Hochtouren", so Reul.

Diese Forderungen leitet Reul aus den Vorgängen ab

Reul betonte mehrfach die Gefahren, die von den Anschlägen ausgegangen seien: "Wer so vorgeht, will nicht nur Leitungen treffen - derjenige will unser Land treffen." Dabei sei in Kauf genommen worden, "dass die Stromversorgung für Menschen zuhause ausfällt, in Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegestationen, Bahnanlagen, an Flughäfen und wo sonst noch", zählte der CDU-Politiker auf. "Jemand, der das macht, riskiert Menschenleben!"

"Ein Zaun aus den Neunzigern schützt keine Netze des 21. Jahrhunderts." Herbert Reul, NRW-Innenminister

Darum müsse die Kritische Infrastruktur besser geschützt werden. Dazu bräuchten nach Auffassung von Reul die Betreiber Kritischer Infrastruktur mehr Rechte, aber auch Pflichten. Diese müssten bundeseinheitlich geregelt werden. Das im März in Kraft getretene "KRITIS-Dachgesetz" zum Schutz der Infrastruktur müsse nun konkretisiert werden. Sowohl Transparenz als auch Datenschutz seien zu überdenken, regte der Minister an.

Unsere Quellen:

  • Innenausschuss-Sitzung im NRW-Landtag
  • Eigene Berichterstattung

Sendung: WDR.de, Plattgetretenes Gras führt zu mutmaßlichem Stromnetz-Saboteur, 10.09.2026, 8:33 Uhr
Sendung: WDR.de, Strom-Saboteur soll mehr als 150 Anschläge geplant haben, 10.09.2026, 14:00 Uhr

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