NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vor seiner Befragung im Untersuchungsausschuss Solingen

Reul vor Solingen-Ausschuss Lief die Warnung eines Mitbewohners ins Leere?

Stand:

NRW-Innenminister Herbert Reul hat sich im Untersuchungsausschuss zum Solingen Anschlag erstmals den Fragen gestellt. Er konnte sie nicht alle beantworten.

"Ich weiß nicht alles, auch wenn ich manchmal so tue", sagte der CDU-Politiker zu Beginn der Sitzung. Da war das noch scherzhaft gemeint. Aber im Laufe der Sitzung bewahrheitete sich das dann doch irgendwie.

Reul stand zuletzt vor allem im Fokus der Aufklärung, weil es die Opposition Zweifel an der Theorie hegt, dass der Attentäter Issa al H. tatsächlich ein Einzeltäter war, der den Ermittlern nicht hatte auffallen können.

Issa al H. hatte Kontakt zu islamistisch-radikalisierten Personen

Zu dieser Einschätzung kommt Reul bis heute, auch die Strafverfahren haben bisher keine anderen Erkenntnisse ergeben. Noch laufen aber weitere Ermittlungen zu H.s Kontakten im Ausland. Zudem wurden von der Opposition im Untersuchungsausschuss zuletzt immer mehr mögliche Kontakte zu islamistisch-radikalisierten Personen thematisiert.

In der vergangenen Woche hatte Reul darauf im Innenausschuss reagiert und erstmals offengelegt, dass sich im Telefonbuch des Attentäters die Telefonnummern von zwei Gefährdern befunden haben. Einer von ihnen plante Anschläge auf die Fußball-Europameisterschaft 2024 - er wurde dafür inzwischen erstinstanzlich zu einer Haftstrafe verurteilt. Der andere wurde erst im Oktober 2024, also zeitlich nach dem Anschlag in Solingen, als Gefährder eingestuft.

Dennoch blieb Reul dabei: Der Solingen-Attentäter sei ein Einzeltäter. Dazu referierte er in seinem Eingangsstatement noch einmal das Urteil gegen Issa al H., der zu lebenslanger Haft mit Sicherheitsverwahrung verurteilt wurde.

Auch eine aktuelle Überprüfung möglicher Gerüchte über IS-Kontakte habe ergeben: Es bleibe dabei, dass "Issa al H. kein Netzwerk oder ähnliches hatte", so Reul. Niemand könne aber "ausschließen, dass durch neue Erkenntnisse künftig weitere Informationen hinzukommen".

Unangenehme Fragen an Reul im Untersuchungsausschuss

WDR Studios NRW 17.07.2026 01:01 Min. Verfügbar bis 16.07.2028 WDR Online Von Christoph Ullrich

SPD: "Attentäter war kein einsamer Wolf"

Die Opposition aus SPD und FDP hegt zumindest den Verdacht, dass die Kontakte zu den in NRW lebenden Gefährdern bei der Radikalisierung von Issa al H. eine Rolle gespielt haben könnten. Beide Personen hätten die Sicherheitsbehörden schon vor dem Anschlag beschäftigt.

Daher stelle sich auch die Frage, wieso Issa al H. den Sicherheitsbehörden nicht schon früher aufgefallen war. "Es wird jedenfalls immer deutlicher, dass der Solingen-Attentäter nicht der einsame Wolf war, als den ihn der Minister darstellen will", sagt Lisa Kapteinat, SPD.

Was wurde aus der Warnung eines Mitbewohners?

Zudem hatte laut Urteil ein ehemaliger Zimmernachbar, der in derselben Unterkunft wie der Attentäter untergebracht war, angegeben, Issa al H. habe auf seinem Handy lautstark IS-verherrlichende Videos geschaut. Er habe später aus Angst um ein anderes Zimmer gebeten und weitere Beobachtungen einer Sozialarbeiterin gemeldet, die sich wiederum an die Polizei wenden wollte.

Reul konnte im Ausschuss nicht beantworten, ob diese Meldung tatsächlich erfolgt ist. Dem Untersuchungsausschuss liegen dazu bisher keine Akten vor. Reul versprach, dem nachzugehen, es sei eine "berechtigte Frage".

Kurz vorher hatte der Minister noch mit Sarkasmus in der Stimme gesagt, dass es in jeder Unterkunft entweder Personen oder Abhöranlagen bräuchte, um wirklich jede Auffälligkeit und jedes Gespräch von potenziellen Gefährder dokumentieren zu können. Das könne aber keiner wollen, so Reul. Stattdessen wies er daraufhin, dass NRW inzwischen Verfassungschützer in Flüchtlingseinrichtungen schicke, um Mitarbeiter dort stärker für Hinweise auf Radikalisierungen zu sensibilieren.

Reul: Kommunikation zur damaligen Fluchtministerin sei zweitrangig gewesen

Zu der Frage, warum er am Tat-Wochenende erst spät Josefine Paul (Grüne) als damalige Fluchtministerin kontaktiert hatte, reagierte Reul emotional. Ihm sei es wichtig gewesen den Täter zu fassen, als dieser noch flüchtig war.

Ihm sei zwar klar gewesen, dass es die Baustelle von Paul werden würde, wenn herauskomme, dass er hätte abgeschoben werden müssen. Aber er hatte andere Prioritäten. Sein Job sei mit der Ergreifung erledigt gewesen: "Ich hatte ihn ja, wir haben ihn ja schön ordentlich weggesperrt" , so Reul.

Er könne sich auch nicht daran erinnern, dass die inzwischen zurückgetretene Paul ihm gegenüber Kritik geäußert hätte, sie nicht schnell genug angerufen zu haben.

Unsere Quellen:

  • Aussage Herbert Reul im Untersuchungsausschuss
  • Eigene Recherche
  • Sitzung Untersuchungsausschuss am 17.07.2026

Sendung: WDR 5 Westblick, Reul sagt im PUA Solingen aus, 17.07.2026, 17:05 Uhr

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