"Die Situation ist durchwachsen" - Generationswechsel und steigende Kosten bieten keinen guten Nährboden für den Öko-Anbau.

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WDR 2 Min. 39 Sek. Verfügbar bis 09.09.2028

Höhere Kosten, weniger Höfe Wieso Bio-Betriebe in NRW schwächeln

Stand:

Die Zahl der Bio-Betriebe ist NRW-weit rückläufig, die bewirtschafteten Flächen haben nur ein bisschen zugenommen. Was ist da los?

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Melanie Weyand

Auf dem Weidenhof in Lengerich hat vor einer Woche die Kürbisernte begonnen. Schaut man nur darauf, sieht es erstmal nach einer reinen Erfolgsbilanz für dieses Jahr aus. Matthis Füllig ist Chef der Gärtnereien und sehr zufrieden: "Die Kürbisse sind schön rot, haben keine Schädlinge und die Menge ist gut." Zwischen 50 und 60 Kulturen werden auf dem Biohof angebaut.

Auf der Plane eines sonst grünen Kürbispflanzen-Felds steht eine schwarze Kiste mit Kürbissen.

Hitze und Trockenheit: Den Kürbissen hat das Wetter dieses Jahr nicht geschadet.

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Insgesamt sei die Gemüseernte dieses Jahr durchwachsen, sagt Betriebsleiter Andreas Bauer. Für die Kartoffeln sei das Wetter schlecht gewesen, für Kürbisse und Blattgemüse hingegen gut. Der Weidenhof ist einer von 185 Bio-Betrieben im Münsterland.

Geschäftsführer Andreas Bauer, ein Mann mit braunen Haaren und einer Brille, hält eine grüne Kiste, unter anderem gefüllt mit einem Salatkopf, in den Händen. Er lächelt, während hinter ihm ein Bulli mit weiteren Kisten steht.

Vor allem mit Gemüsekisten macht der Weidenhof sein Geld.

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Bio-Betriebe in NRW: Alle haben zu kämpfen

Jede Woche liefert der Weidenhof 1000 Gemüsekisten ins Tecklenburger Land, nach Münster und ins östliche Ruhrgebiet. Es läuft und doch macht sich auch Geschäftsführer Andreas Bauer Sorgen: "Wir haben mit dem Wetter im Anbau zu kämpfen, in den Betrieben sind die Kosten enorm gestiegen und in vielen Betrieben ist auch der Generationenwechsel ein Thema."

Weniger Öko-Höfe in NRW trotz Bio-Boom

Nach Auskunft der Landwirtschaftskammer NRW ist die Zahl der Öko-Betriebe seit 2022 rückläufig. Gab es 2022 noch 2.284 Betreibe waren es 2024 nur noch 2.212. Die meisten Öko-Betriebe gibt es im Regierungsbezirk Arnsberg (670). Die ökologisch bewirtschaftete Fläche nimmt wieder leicht zu. Die Gründe sind vielfältig: Es wird kein Nachfolger gefunden oder der Kostendruck ist zu hoch.

Umstellung auf "Öko" ist teuer und riskant

Auch wenn sie eigentlich gern würden, entscheiden sich viele Landwirte gegen eine Umstellung auf einen Bio-Betrieb. Viele scheuen die hohen Pachtkosten und den großen wirtschaftlichen Druck. Insbesondere in der Tierhaltung sei die Umstellung mit hohen Investitionen und wirtschaftlichen Risiken verbunden, so die Landwirtschaftskammer.

"Die Betriebe brauchen mehr Planungssicherheit, dann steigt die Bereitschaft zur Umstellung." Landwirtschaftkammer NRW

Nachfrage nach Bio-Produkten bleibt hoch

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: An der Nachfrage liegt es nicht. Bio-Lebensmittel sind weiterhin deutschlandweit hoch im Kurs. Die Herausforderung besteht darin, die Nachfrage in verlässliche Absatzmöglichkeiten für heimische Betriebe zu überführen.

Drei Männer stehen auf einem Feld und ernten Kürbisse.

Kürbisernte auf dem Weidenhof in Lengerich.

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Geschäftsführer Andreas Bauer, ein Mann mit braunen Haaren und Brille, lächelt in ide Kamera.
"Das Interesse an hochwertigen Lebensmitteln aus der Region ist gegeben. Es ist eher die Frage, wie kommen die Lebensmittel an Mann oder Frau, das ist der Knackpunkt, dem wir uns in der Branche stellen müssen." Andreas Bauer, Geschäftsführer Weidenhof Lengerich

Münsterland als Öko-Modellregion für NRW

Und da kommt das Münsterland als Öko-Modellregion ins Spiel. Hier hat man sich seit 2022 auf die Fahnen geschrieben, regionale Bio-Produzenten mit Abnehmern zusammenzubringen.

Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Kantinen. Außerdem werden Hof- und Dorfläden, sowie kleine Supermärkte unterstützt, in ihrem Sortiment regionale Bio-Produkte aufzunehmen.

Andreas Grotendorst, ein Mann mit Brille und blauem Jackett, lächelt in die Kamera.
"Im Münsterland werden jetzt gut sechs Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet. Ziel ist es, bis 2030 bei 20 Prozent zu sein. Das werden wir hier nicht erreichen." Andreas Grotendorst, Münsterland e.V./Öko-Modellregion Münsterland

Öko-Modellregion Münsterland: Ein mühsamer Weg

Dabei ging es erst mal ums Netzwerken. Inzwischen konnten gerade mal drei Kantinen zur Bio-Zertifizierung begleitet werden, sieben Mensen wurden zertifiziert.

Und es gibt immer wieder Aktionen: Bei "Münster Is(s)t gut!" werden mehrere Tausend bioregionale Essen in Kitas oder Mensen ausgegeben und beim Münsterland-Giro einige Tausend "bioregionale Tüten" verteilt. Die kommen zum Beispiel vom Weidenhof in Lengerich.

Unsere Quellen:

  • Landwirtschaftskammer NRW
  • Weidenhof Lengerich
  • Münsterland e.V./Öko-Modellregion Münsterland

Sendung: WDR.de, Öko-Landwirtschaft in NRW in der Krise, 10.09.2026, 5:55 Uhr

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