"Alter, wie geil ist das denn?" Die zwei Jungs, vielleicht 14, 15 Jahre alt, haben mächtig Spaß. Selfies mit dem Handy vor einer lebensgroßen Batman-Figur. Eigentlich nichts Besonderes. Spannend aber, wo es passiert - in einer Spielwarenabteilung einer Galeria-Filiale im Ruhrgebiet. Vielleicht ist genau das die Zukunft, die sich das Galeria-Management erträumt: Junge Kundschaft, begeistert von den Produkten.
Im Eingangsbereich vieler Galeria-Filialen schreien einen die Rabatt-Schilder förmlich an.
Aber eine Einkaufswelt, in der Warenhäuser Superkräfte wie Batman haben, gibt es nur noch im Film. Die Realität ist oft bitter. Schon im Eingangsbereich der Galeria-Filialen schreien einen die Rabatt-Schilder förmlich an: "Sale, Sale, Sale." Weiß auf rotem Grund. Mal 20 Euro gespart, mal 30 oder 50 Prozent reduziert.
Galeria in der Krise: Ende am Jahresende?
Handelsexperte Gerrit Heinemann
Kann man so Geld verdienen? Wohl kaum, wenn Gerrit Heinemann recht hat. Der Handelsprofessor von der Hochschule Niederrhein war vor vielen Jahren selbst mal Filialleiter und gibt dem Warenhaus-Dinosaurier nur noch wenige Monate: "Spätestens Weihnachten ist Schluss", sagt Heinemann. Er glaubt schon lange nicht mehr, dass die Pläne für die jetzt noch 83 Filialen und rund 12.000 Mitarbeitenden in irgendeiner Form tragen. Gerade hält ein frischer 160-Millionen-Euro-Kredit der Investmentgesellschaft Gordon Brothers noch Galeria über Wasser.
"Wahrscheinlich zu 16 Prozent Zinsen", unkt Heinemann. Allein die Hälfte des Geldes ginge für die Ablösung eines alten Kredits drauf. Und mit 80 Millionen Euro eine Neuausrichtung des Handelstankers zu starten, hält Heinemann für ziemlich unrealistisch.
Galeria spricht von Neuausrichtung
Aber genau das hat der Konzern laut einer aktuellen Pressemitteilung vor. Schon im Geschäftsjahr 2026/27 rechnen die Düsseldorfer demnach mit schwarzen Zahlen. "Im Zentrum steht eine Konzentration auf profitable Warenhäuser, verbunden mit einer Schärfung des Sortiments und Ausrichtung an lokalen Kundenstrukturen."
Soweit, so bekannt. Ähnliche Worte fand der Konzern nach so gut wie jeder Insolvenz.
Druck auf Politik und Vermieter
Der Plan sieht weniger Ware und mehr Fläche für ausgewählte Partner vor. "Wir stellen Galeria grundlegend neu auf", lässt sich Geschäftsführer Tilo Hellenbrock zitieren. Es müssten sich "Rahmenparameter" deutlich ändern: "Die Gespräche mit den Vermietern, Politik und weiteren Stakeholdern werden wir mit klarer Perspektive führen."
Was er meint: Kosten runter - und im Zweifel muss auch irgendwie der Staat helfen. Sonst ist der Ofen bald (wieder) aus, Schließungen sind zumindest sehr wahrscheinlich: "Die genaue Zahl der fortzuführenden Warenhäuser wird sich im Verlauf der Verhandlungen ergeben."
Insolvenz als Geschäftsmodell?
Handelsexperte Heinemann hält so ein Gebaren inzwischen für "unsittlich". Nach drei Insolvenzen von Galeria in vier Jahren - zwischen 2020 und 2024 - spricht er von "Insolvenz als Geschäftsmodell" und fragt: "Wo ist der Aufschrei der Gesellschaft und der Politik - schließlich geht es auch um Steuergeld."
Die Gläubiger und der Staat haben durch die Insolvenzen weit über vier Milliarden Euro verloren. Allein über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), der Galeria über die Coronakrise brachte, musste der Bund Hilfen von mehr als 500 Millionen Euro abschreiben. Kann das immer so weitergehen?
Galeria-Belegschaft resigniert
Die Zukunft der Warenhäuser ist unklar.
Auch Insolvenzgeld für die Beschäftigten würde von der Bundesagentur für Arbeit wohl nur wieder fließen, wenn sich eine wirtschaftlich tragbare Perspektive ergäbe. Betriebsräte sagen im vertraulichen Gespräch, dass sie Teile der Belegschaft längst verloren haben: Ältere Beschäftigte versuchten, sich in die Rente zu retten, jüngere suchten nach Alternativen und die in der Mitte wollen irgendwie durchhalten.
Symbolisch ist vielleicht auch das, was ein anderer Betriebsrat verrät: In den heißen Tagen seien die Ventilatoren in der Filiale ausgegangen. Im Lager hätte es noch welche gegeben - es gab jedoch keinen Lkw, um sie in die Filiale zu bringen. Vielleicht hätte es in so einer Situation Batman gebraucht. Aber auch der würde wohl so langsam an Galeria verzweifeln.
Unsere Quellen:
- Interview mit Gerrit Heinemann
- Pressemitteilung Galeria Kaufhof
- Hintergrundgespräch mit Betriebsräten
- Beobachtungen des WDR-Reporters
Sendung: WDR.de, Galeria - ein Blick hinter die Kulissen, 02.07.2026, 5:02 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 02.07.2026
