Backen wie vor 100 Jahren in Königswinter
Bildquelle: Frederik SchumacherWDR. 2 Min. 51 Sek.. Verfügbar bis 08.09.2028.
Um Punkt 10 Uhr beginnt Hubert Gilleßen damit, den historischen Ofen anzuheizen. Er ist im Ruhestand und arbeitet ehrenamtlich im Siebengebirgsmuseum. Dabei hält er sich an einen strikten Zeitplan. Damit der Ofen am Nachmittag die richtige Temperatur erreicht, muss er in zwei Schritten befeuert werden. Nach und nach schichtet Gilleßen Buchenholzscheite auf, bis das Feuer lodert.
Heizen und warten - eine Art Meditation
Für Ehrenamtler Hubert Gilleßen ist das Brotbacken eine Art Meditation.
Bildquelle: WDR/ Frederik SchumacherDie praktische Arbeit gefällt ihm. Er ist studierter Mathematiker und mittlerweile im Ruhestand. Anders als bei seiner früheren Arbeit als Softwarentwickler ist das Ergebnis hier unmittelbar sichtbar: Am Ende des Tages kommen fertige Brote aus dem Ofen. Und die finden Abnehmer:
"Ich habe in jungen Jahren mal getöpfert. Irgendwann wollte keiner mehr meine Töpfersachen haben, aber die Brote will immer jeder haben." Hubert Gilleßen, Ehrenamtler im Siebengebirgsmuseum
Nach einer Stunde Aufheizen kann Gilleßen eine Pause machen. Die Steinplatten aus Tuff-Stein heizen jetzt eine weitere Stunde alleine auf. Zeit für einen kleinen Spaziergang - und eine Kugel Eis aus der Eisdiele um die Ecke. Die Arbeit mit dem historischen Ofen wirkt vielleicht ein wenig aus der Zeit gefallen. Für Gilleßen liegt gerade darin der Reiz. Das Heizen und Warten hat für ihn etwas Meditatives.
Was ist Tuff-Stein?
Tuff hat sich in der Zeit des Vulkanismus im Siebengebirge gebildet. Der Stein ist aus Asche entstanden. Aufgrund seiner lockeren Struktur kann dieser gut Wärme halten. Seit dem Mittelalter wurde der Tuffstein im Siebengebirge gewonnen, um aus Ihm Öfen zu bauen. Bis zum Aufkommen der elektrischen Öfen war Königswinter über Jahrhunderte ein wichtiger Standort für den Ofenbau.
Über 300 Grad im Ofen für Sauerteigbrot
Nach der Pause beginnt die zweite Runde. Wieder schichtet Gilleßen Holz nach und kontrolliert regelmäßig mit einem Messgerät die Temperatur. Damit die Sauerteigbrote später backen, muss der Ofen im Inneren über 300 Grad erreicht haben. Dass der Ofen inzwischen ordentlich Hitze entwickelt, lässt sich allerdings auch ohne Technik spüren.
Hubert Gilleßen wartet vor dem lodernden Ofen bis der auf Temperatur ist
Bildquelle: WDR/ Frederik SchumacherZu viel Hitze ist aber auch ein Problem für den Teig - dann kann das Brot schnell verbrennen. Was Ehrenamtler Hubert Gilleßen nicht haben möchte, ist "schwarzweiß-Brot", wie er schmunzelnd sagt. Dann wäre das Brot oben verbrannt und innen noch nicht ganz durch.
Die Liste mit den Vorbestellungen für die Brote ist meist schnell voll. Und der Ofen mittlerweile auf Temperatur. Jetzt muss Hubert Gilleßen noch die Asche ausfegen. Sonst wird die im Brot eingebacken - und "das ist nichts, was man möchte", erklärt er lachend.
Nach dem Anheizen kommt die Kür
Gegen 14:30 Uhr kommt dann Konditormeister Martin Heimbach in der Museumsbäckerei dazu. Im Gepäck hat er die vorbereiteten Teigrohlinge. In seiner Konditorei backt Heimbach eigentlich Torten und andere süße Spezialitäten. Seit mehr als zehn Jahren bereitet er aber auch die Brotrohlinge für den historischen Ofen im Museum vor.
Konditormeister Martin Heimbach liefert die Teigrohlinge.
Bildquelle: WDR/Frederik SchumacherTraditionelle Backweise von Kunden geschätzt
Während des Backvorgangs können Besucher hier im Siebengebirgsmuseum in Königswinter vorbeikommen und mehr über den historischen Ofen und die traditionelle Backweise lernen. Kulchytksa Yevheniia ist heute spontan mit ihrer Tochter gekommen. Die beiden hoffen jetzt, noch eines der Brote zu bekommen. Und sie haben Glück.
Wenn die Brote fertig sind, kaufen die Kunden sie noch warm direkt im Siebengebirgsmuseum. Wolfgang Uphoff gehört zu den Stammkunden. Für ihn liegt das Besondere darin, dass dieses Brot kein Massenprodukt ist. Monika Schneider ist ebenfalls häufiger da. Sie schätzt die traditionelle Backweise im historischen Ofen. Und Brotbäcker Hubert Gilleßen ist heute ebenfalls zufrieden, es "hat gut geklappt".
Wer noch tiefer in die Geschichte des Steinofenbaus in Königswinter eintauchen möchte, hat dazu an mehreren Tagen in der Woche Gelegenheit: Das Siebengebirgsmuseum ist immer von dienstags bis sonntags geöffnet.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR Reporters vor Ort
- WDR-Gespräch mit Hubert Gilleßen
- Webseite des Siebengebirgsmusem
Sendung: WDR.de Sauerteigbrot aus 100 Jahre altem Ofen, 09.09.2026 5:00 Uhr