Der Ausbau für Privathaushalte in der Region stockt

WDR 02:35 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Glücksspiel Glasfaser-Ausbau Unternehmen lassen Kunden hängen

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Ein Glasfaseranschluss verspricht flotte Downloads und ruckelfreies Streaming. Doch Anbieter in NRW stoppen ihre Bauprojekte.

Karl-Heinz Everding ist gerne digital unterwegs und für sein Haus in Bonn-Beuel will er deshalb schon lange einen Glasfaseranschluss. Als vor zwei Jahren das Angebot von "Deutsche Glasfaser" kam, hat er nicht lange überlegen müssen: "Hier in der Gegend haben relativ viele zugeschlagen. Unsere Nachbarn in den Seitenstraßen und Bekannte von mir haben einen Vorvertrag unterschrieben."

Deutsche Glasfaser spricht von "geänderten Rahmenbedingungen"

Inzwischen hat Everding die Warterei aufgegeben, denn das Unternehmen aus Borken hat den Ausbau in Beuel gestoppt. Wie viele Kunden betroffen sind, sagt Deutsche Glasfaser nicht. Auf WDR-Anfrage nennt der Anbieter geänderte Rahmenbedingungen als Ursache für den Ausstieg:

"Vor diesem Hintergrund fokussiert Deutsche Glasfaser ihre Aktivitäten auf (...) den Abschluss bereits beauftragter Projekte." Deutsche Glasfaser

Für das Münsterland hat das Unternehmen angekündigt, den weiteren Netzausbau zu verlangsamen. In zwei Stadtteilen von Dorsten haben Kunden acht Jahre auf ihren Glasfaseranschluss warten müssen.

Kommunen fühlen sich rechtlich ausgebremst

Auch das Unternehmen "Unsere Grüne Glasfaser" setzt in NRW nicht alle seine Projekte um und nennt zahlreiche Gründe dafür: Kapazitäten und Kosten der Baufirmen, steigende Material- und Energiekosten, außerdem die Inflation und Aktivitäten des Wettbewerbs vor Ort. Betroffen sind unter anderem Kommunen in Südwestfalen und im Rheinland. Der Bürgermeister von Sankt Augustin (Rhein-Sieg-Kreis), Max Leitterstorf (CDU) wirft dem Unternehmen Wortbruch vor, weil es einen Stadtteil und weitere Straßen nicht wie angekündigt anschließe. Problematisch sei die Rechtslage:

"Eigentlich hätte der Gesetzgeber vorsehen sollen, dass wir als Stadt unser Stadtgebiet ausschreiben. Dann hätten wir einen Anbieter wählen können, der das ganze Stadtgebiet flächendeckend und vertraglich verbindlich ausbauen muss." Max Leitterstorf (CDU), Bürgermeister Sankt Augustin

Doch diese Freiheit gebe das Telekommunikationsgesetz nicht.

Verbraucherrechte bei Glasfaser-Vorverträgen

Kunden, die lange auf ihren Anschluss warten, können nicht in jedem Fall von ihrem Vorvertrag zurücktreten, heißt es von der Verbraucherzentrale NRW. Entscheidend sei, ob eine entsprechende Kündigungsklausel vereinbart wurde. Andernfalls sei ein Rücktritt nur dann möglich, wenn Netzbetreiber ihrer vertraglichen Pflicht nicht nachkommen.

Wenig Druckmittel gegen Netzbetreiber

Auch den Städten und Gemeinden fällt es schwer, Druck auf die Glasfaser-Unternehmen auszuüben. Für den Stadtteil Beuel hofft die Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn, dass die Deutsche Telekom als großer Anbieter vor Ort einspringen könnte. Doch laut Telekom-Sprecherin Martha Mauelshagen ist das nicht geplant: "Unser Fokus liegt weiterhin darauf, die von uns angekündigten Ausbaupläne konsequent umzusetzen."

Karl-Heinz Everding in Bonn-Beuel hat Glück, dass die Telekom in seiner Straße sowieso einen Ausbau geplant hat. Gebucht hat er bereits, allerdings muss er wieder Geduld aufbringen: 2028 soll sein Glasfaseranschluss in Betrieb gehen.

Schleppender Glasfaserausbau in NRW

WDR 22.07.2026 00:43 Min. Verfügbar bis 21.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • WDR-Anfrage bei Deutsche Glasfaser
  • Interview mit Max Leitterstorf (CDU), Bürgermeister Sankt Augustin
  • Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn
  • Deutsche Telekom

Sendung: WDR 5, WDR Aktuell, 22.07.2026, 7 Uhr

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