"Bonn ist unerreichbar gut"
Bildquelle: WDR / Jenny OttoJetzt ist sie auf Werbetafeln dokumentiert, die Verzweiflung des Bonner Einzelhandels, der Gastronomen und der Hoteliers. "Bonn unerreichbar? Ja, unerreichbar gut" - so lautet die Message einer neuen Kampagne der Stadt und der Bonner Wirtschaft. Ausreichend wäre wohl der Slogan: "Bonn ist unerreichbar", in Anbetracht des andauernden Verkehrschaos' hier. Aber die Werbung sieht das offenbar anders.
Mit diesem Plakat wirbt die Stadt Bonn für den Einzelhandel.
Bildquelle: WDR/Sebastian TittelbachJa, wie konnte dieser unerreichbar gute Zustand der Stadt Bonn dann nur die letzten Wochen unbemerkt bleiben? Die unerreichbar gute Verkehrslage in der Innenstadt und auf den Rheinbrücken? Der unerreichbar gute Zustand des Godesberger Tunnels? Die aktuell unerreichbar gute Bahnanbindung Beuels?
Der Werbeslogan steht da in Magenta-Schrift auf gelbem Grund. Nein, die FDP hat damit nichts zu tun, obwohl dies mehr als 10 Jahre deren Parteifarben waren. Aber die Entwicklung der Bonner Innenstadt ist seit dem Nordbrücken-Desaster ähnlich bedrohlich wie die politischen Zustimmungswerte der Liberalen.
Die Umsätze der Bonner Einzelhändler und Gastronomen - insbesondere in der Innenstadt - sind zwar noch nicht ganz so niedrig wie der Pegel des Rheins, aber sie entwickeln sich rapide abwärts. Diese Entwicklung gibt es nicht erst seit der Sperrung der Nordbrücke, sie wurde dadurch nur beschleunigt.
Unerreichbar gut ist auch die Veranstaltungshallen-Landschaft in Bonn. Die Miete der Beethovenhalle ist so unerreichbar hoch, dass sie für die meisten Veranstalter unerschwinglich ist. Das neue popkulturelle Zentrum in Endenich - das Westwerk - ist so unerreichbar gut, dass es schon vor dem ersten Spatenstich Insolvenz anmelden musste.
Jetzt soll es also diese neue PR-Kampagne für die Bonner Innenstadt richten. Aber warum eigentlich nur für die Innenstadt? Dafür gibt es doch vielfältigere Verwendungsmöglichkeiten: Das Haushaltsdefizit der Stadt Bonn ist zum Beispiel unerreichbar hoch, ein neues Stadthaus dafür in unerreichbare Ferne gerückt. Die Anzahl der Schwimmbäder in Bonn ist zwar unerreichbar hoch, mit dem Nahverkehr aber aktuell auch gar nicht erst erreichbar! All das zu ändern scheint genauso unerreichbar und das ist definitiv NICHT gut.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters
- Stadt Bonn
Sendung: WDR.de, Bonn startet "Unerreichbar-Kampagne", 26.08.2026, 14:26 Uhr
