Bonner Nachtkollektiv für mehr Sicherheit für feiernde Frauen
Bildquelle: WDRWDR. 3 Min. 17 Sek.. Verfügbar bis 22.04.2028.
Ein typisches WG-Wohnzimmer mitten in der Bonner Altstadt. Sie nennen es ihr Hauptquartier. Das Bonner Nachtkollektiv, kurz "BoNaKo", trifft sich hier. Auf dem Sofa werden Bierdeckel mit BoNaKo-Logo gestapelt, Sticker ausgeschnitten und in der anderen Ecke schneiden drei Leute ein selbstgedrehtes Video.
Mit dem Video wollen sie für übergriffiges Verhalten sensibilisieren und haben typische Szenen in Kneipen nachgestellt. Denn die kommen noch zu oft vor. Deswegen haben Neele Schumann und Stefan Lindner das Bonner Nachtkollektiv gegründet. Beide arbeiten in der Gastronomie. Als Kellnerin kennt die Studentin Schumann übergriffige männliche Gäste nur zu gut, doch eines Abends reicht es ihr.
Nein wird ignoriert
An dem Tag öffnet sie alleine die Bar, ein Mann spricht sie an. "Dann sagte er, er könnte ja noch mit reinkommen, ein Bierchen trinken, dann könnte er mich weiter anbaggern." Als Schumann ihn abweist, wird er aggressiv. "Dann war er richtig wütend: Er ist vom Fahrrad abgestiegen, fing an mit Hasstiraden und sagte, seit MeToo wären Frauen so garstig, da sollten wir uns nicht wundern, wenn uns Gewalt angetan wird."
Neele Schumann und Stefan Lindner wollen das Bonner Nachtleben für Frauen sicherer machen
Bildquelle: WDR/Nadine Mena MichollekNach der Schicht erzählt Schumann ihrem befreundeten Kollegen Lindner vom Vorfall. Zehn Kölsch später, um fünf Uhr nachts, steht für beide fest: Es muss sich etwas ändern. Die Geburt des Bonner Nachtkollektivs.
Das Problem sichtbar machen
Es ist ein warmer Frühlingsabend, der sich fast wie Sommer anfühlt. Rosa Kirschblüten säumen die Straße. Mit Stickern und Bierdeckeln zieht das Kollektiv durch die Bars der Bonner Altstadt. Damit will BoNaKo Gäste auf die Situation von Frauen im Nachtleben aufmerksam machen.
Mit Bierdeckeln und Aufklebern im Stadtbild will BoNaKo auf sich hinweisen
Bildquelle: WDRSchulung des Kneipenpersonals
Neeles Chefin Fanny Delaune steht hinter der Theke im Moby’s und nimmt die neuen Bierdeckel an sich. Sie unterstützt das Kollektiv und sagt, dass auch die Gastrochefs Verantwortung tragen. "Die Angestellten wissen natürlich manchmal nicht, wie sie reagieren dürfen. Da könnte es vielleicht von der Chefetage ein bisschen mehr Freiheit geben und mehr Linie."
Dazu gehöre auch, dass manchen Gästen der Eintritt verboten wird, so Delaune. Deswegen setzt sich das Kollektiv auch dafür ein, dass Gastronomiepersonal geschult wird, damit sie überhaupt wissen, wie sie die Nacht für Frauen sicherer machen können.
Zusammenarbeit mit Stadt
Angekommen an der Bar Babel - hier beginnt gleich Schumanns Schicht. Es dämmert schon. Schumann bringt den Nachtbürgermeister Achim Kettemer auf den neuesten Stand. Er ist Ansprechpartner vor Ort. BoNaKos Aktionen werden von der Stadt gefördert, bald ist es auch ein eingetragener Verein.
Schumann erklärt, dass sich ihre Aktionen von anderen unterscheiden, weil sie auch die Männer stärker in die Pflicht nehmen wollen. "Sehr oft sollen Frauen zusehen, wie sie sich einen sicheren Rahmen schaffen. Wir gehen zur Theke und sagen: 'Hey, wir werden belästigt.' Und dann wird geschaut, was wir damit machen." Drum herum stünden dann aber 15 Männer, die nichts sagen, so Schumann. "Haut eure Kollegen an und sagt, ihr verhaltet euch grade beschissen, tut es nicht."
Schutzräume für alle
Mittlerweile ist es dunkel. Orangene Windlichter flackern auf den Holztischen der Bar. Die Mitglieder des Bonner Nachtkollektivs gönnen sich zum Abschluss noch ein Kaltgetränk. Schumann wünscht sich, dass Bars ein Schutzraum für alle werden. "Kneipen sollten Orte von Spaß, Freude und Gemeinschaft sein und das sollten sie auch für Frauen werden."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Neele Schumann und Stefan Linder vom Nachtkollektiv Bonn
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Bonner Nachtkollektiv für mehr Sicherheit für feiernde Frauen, 22.04.2026, 9:38 Uhr
