Mit einem Gottesdienst wurde in Bonn den vielen Hitzetoten aus dem Sommer gedacht

Bildquelle: WDR/ Maike Krebber

WDR 3 Min. 23 Sek. Verfügbar bis 23.09.2028

Stille Helden Wie Pflegende den Hitze-Sommer erlebt haben

Stand:

Der Sommer 2026 hat traurige Rekorde gebrochen: Mehrere Wochen mit Temperaturen über 30 Grad, extreme Trockenheit und so viele Hitzetote wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders Pflegende und Angehörige standen vor großen Herausforderungen und ziehen jetzt Bilanz. In Bonn gab es dafür einen Gedenkgottesdienst, der an die Verstorbenen des Hitzesommers erinnern und den Pflegenden danken sollte.

Von Maike Krebber

Ältere oder kranke Menschen, die allein in ihren aufgeheizten Wohnungen sitzen - oft ohne ausreichenden Hitze-Schutz. Das haben Kathrin Ketzer und ihre Mitarbeitenden der Diakonie Bonn diesen Sommer oft gesehen. Sie arbeiten in der ambulanten Pflege und versorgen Pflegebedürftige Zuhause.

"Bei solchen Temperaturen können sich chronische Erkrankungen schnell lebensbedrohlich verschlechtern", erklärt Ketzer. "Daher haben wir in unseren eng getakteten Einsätzen mehr Zeit benötigt, um Warnzeichen wie Dehydration zu erkennen. Und auch, um unsere Pflegebedürftigen zum Trinken zu motivieren und ihnen kühlere Räume zu schaffen."

Nahaufnahme einer Frau, die lächelt
"An Hitzetagen dauert Pflege deutlich länger - bei sowieso schon dicht getakteten Einsätzen." Kathrin Ketzer, Pflegefachkraft und stellvertretende Einrichtungsleitung in der Diakonie Bonn

So viele Hitzetote wie noch nie

Laut Robert Koch-Institut gab es in Deutschland in diesem Jahr mehr als 16.300 Hitzetote - so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in den 90er Jahren. Allein in NRW seien mehr als 3.000 Menschen an Hitze gestorben.

Außergewöhnliche Belastungen - fast wie in der Corona-Zeit

Eine Pflegekraft hilft einer alten Frau beim Trinken

Symbolbild: Viel Trinken war diesen Sommer eine der wichtigsten Maßnahmen

Bildquelle: dpa

Auch Robert Sins, Mitarbeitendenseelsorger bei der Caritas Bonn, hat den Hitzesommer in der Pflege erlebt: "Es war eine absolut außergewöhnliche Belastung. Viele Mitarbeitenden haben auch den Vergleich zur Corona-Zeit gezogen, da man oft sehr spontan reagieren musste", erklärt er. "Zum Glück war die Zahl der Hitzetoten zumindest bei uns in der Caritas Bonn aber nicht viel höher als in den letzten Jahren."

Es ging aber nicht nur um Gesundheit. Die Hitze habe viele Menschen auch einsam gemacht. "Viele konnte wegen der hohen Temperaturen kaum noch vor die Tür gehen und auch viele Freizeit-Angebote wurden abgesagt", erklärt Sins.

Gottesdienst in Bonn zum Dank an Pflegende und Angehörige

In der Bonner Kreuzkirche gab es am Abend einen ökumenischen Gedenkgottesdienst zum Hitzesommer. Vor Ort war eine ganz bewegende Stimmung: Mitarbeitende von Pflegediensten, Angehörige und Nachbarn haben gemeinsam an den Ausnahmesommer gedacht. Sie alle haben an den heißen Tagen ältere oder kranke Menschen gepflegt und teilweise auch geliebte Menschen verloren.

Eine Frau steht links neben zwei Männern in einer Kirche. der Mann in der Mitte hält ein Mikrofon.

Kathrin Ketzter (Diakonie Bonn), Robert Sins (Caritas Bonn) und Pfarrer Joachim Gerhardt beim Gedenkgottesdienst

Bildquelle: WDR/ Maike Krebber

Auch Kathrin Ketzer und Robert Sins waren beim Gottesdienst dabei und haben von ihren Erfahrungen berichtet. "Wir begrüßen diesen Gottesdienst, da er die Pflegebedürftigen in den Mittelpunkt rückt. Und weil er wertschätzt, welche zusätzliche Sorge, Prävention und Anstrengung von den Angehörigen und von Menschen aus sozialen Berufen geleistet wurde", so Ketzer.

Trotzdem ging es aber nicht nur um Trauer, sondern auch darum, in die Zukunft zu blicken, erklärte Superintendent Dietmar Pistorius, der den Gottedienst mit organisiert hat: "Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass sich Hitzewellen dieser Art wiederholen und müssen dann besser vorbereitet sein und vor allem an allen Orten unserer Gesellschaft aufeinander acht geben“.

Die Idee, zum allerersten Mal einen solchen Gottesdienst zu machen, kam vom Arzt und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen. Auch er fand im Gottesdienst emotionale Worte: "Früher habe ich mich über den Sommer gefreut. Jetzt bin ich froh, wenn er wieder vorbei ist."

"Die nächsten Hitzesommer werden kommen"

Auch der Bonner Klimatologe Karsten Brandt war beim Gottesdienst und hat gewarnt: "Der Trend ist klar: Wir laufen in eine wärmere Zukunft. Selbst, wenn der nächste Sommer wieder kälter werden sollte, werden wir bald die nächste Hitzewelle haben. Wir brauchen also so schnell es geht mehr Hitzeschutz in Pflege und Klinik, kühle Schattenplätze und wir müssen unsere Schulen und Kitas hitzefest machen."

"Gerade Bonn ist aufgrund seiner Lage eine der wärmsten Städte Deutschlands." Karsten Brandt, Bonner Wetter-Experte
Mann steht in der Kirche und hält ein Mikrofon in der Hand

Karsten Brandt

Bildquelle: WDR/ Maike Krebber

Und auch die Mitarbeitenden der Sozialdienste hoffen auf Veränderung: "Wir freuen uns über alle Förderungen und Mittel, die uns mehr Ressourcen verschaffen und die Gebäudesituationen verbessern", erklärt Sins. "Gerade weil wir wissen, dass die Hitze in Zukunft nicht weniger, sondern immer mehr wird."

Gedenkgottesdienst für Hitzetote in Bonn

WDR 23.09.2026 18 Sek. Verfügbar bis 23.09.2028

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Kathrin Ketzer, Diakonie Bonn
  • WDR-Gespräch mit Robert Sins, Caritas Bonn
  • WDR-Gespräch mit Klimatologe Karsten Brandt
  • Evangelischer Kirchenkreis Bonn
  • Robert Koch-Institut
  • Eindrücke der WDR-Reporterin beim Gedenkgottesdienst

Sendung: WDR 2, WDR 2 für das südliche Rheinland, 23.09.2026, 17:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 23.09.2026, 19:30 Uhr

Weitere Beiträge aus Bonn

1 / 2