Videoauschnitt aus der Therapiesitzung mit der VR-Brille
Bildquelle: LVR-Klinik BonnWDR. 03:18 Min.. Verfügbar bis 21.08.2028.
"Sind Sie bereit, in die Bar zu gehen", fragt Psychologe Lenard Thieme seinen Patienten. "Ja, das bin ich", antwortet der Mann, der anonym bleiben will. Dann setzt ihm Thieme eine VR-Brille auf und es beginnt eine besondere Therapiesitzung.
Vom Computer aus spielt der Therapeut dem Patienten eine Szene vor, die so echt wirkt, dass der trockene Alkoholiker bald vergisst, dass er nicht wirklich in einer Bar sitzt. Er sieht andere Gäste, kann sich frei bewegen und Gegenstände benutzen. Wie in einem Computerspiel.
Suchtdruck ohne Risiko
Was bei Angststörungen schon länger praktiziert wird, soll jetzt auch bei Suchterkrankungen erforscht werden. Die LVR-Klinik in Bonn ist dabei eine der ersten in Deutschland, die auf die neue Therapiemethode setzt. Chefärztin Dr. Francesca Borlak sieht einen entscheidenden Vorteil:
"Die Patienten erleben ohne Risiko Situationen, in denen sie testen können, wie stabil sie sind." Chefärztin Dr. Francesca Borlak
Das lasse sich auch auf andere Substanzen anwenden: Cannabis, Nikotin, Kokain oder Heroin.
Psychologe Lenard Thieme bei Therapiesitzung mit einem Patienten (möchte anonym bleiben)
Bildquelle: Jörg StolpeBei manchen Patienten zeigen sich sehr schnell Symptome des Suchtdrucks. "Das Herz schlägt schneller, die Hände schwitzen und zittern", sagt Psychologe Thieme. Während der Sitzung stellt er dem Patienten immer wieder Fragen nach dessen Empfinden. Wird die Reaktion zu intensiv, könnte er die Sitzung unterbrechen oder ganz abbrechen.
Mit VR-Brille den Alkohol stehen lassen
Aber eigentlich will er etwas anderes erreichen. In solchen Szenen wie in der Bar oder zum Beispiel in einem Supermarkt mit Regalen voller alkoholischer Getränke soll sein Patient lernen, abzulehnen, wenn man ihm Alkohol anbietet oder auf den Einkauf von Bier, Schnaps oder Wein zu verzichten.
Das sehen die Patienten mit der VR-Brille: Ein Supermarktegal mit Alkohol
Bildquelle: LVR-Klinik BonnDass das funktioniert, sieht man dem Patienten an. Entspannt setzt er die Brille wieder ab. Es gehe ihm gut, sagt er. "Wenn ich einkaufe oder auf einer Grillparty bin, erinnere ich mich an das Training hier. Dann kann ich die Situation aushalten und konsumiere eben keinen Alkohol."
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Psychologe Lenard Thieme, LVR-Klinik Bonn
- WDR-Gespräch mit Chefärztin Dr. Francesca Borlak, LVR-Klinik Bonn
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Videoausschnitt aus der Therapie mit der VR-Brille, 24.8.2026, 7 Uhr
