Eigentlich sollte an diesem Wochenende in Pattscheid gefeiert werden. Ein Festzug, Musik, Nachbarschaft am Straßenrand - seit Jahrzehnten gehört das zum Sommer im Leverkusener Ortsteil.
Doch die Vereine werden heute nicht im klassischen Festzug durch den Ort ziehen, sondern mit einem politischen Anliegen unter dem Motto: "Für unsere Dorftradition - Auflagen runter, Stimmung hoch". Der Verein hat auch andere Vereine aus der Region dazu aufgerufen, sich an der Demo zu beteiligen.
Leverkusens Oberbürgermeister Stefan Hebbel nennt das ein "legitimes Mittel", um auf die Herausforderungen der Vereine aufmerksam zu machen. Gleichzeitig kündigt er an, bereits über Lösungen für das Jubiläumsjahr 2027 nachzudenken, damit dann in Pattscheid wieder ein Umzug möglich wäre.
"Wir wollen nicht, dass das nächstes Jahr ein Geisterzug wird." Stefan Hebbel, Oberbürgermeister Leverkusen
Enttäuschung trotz Gesprächen
Deutlich emotionaler klingt es bei der Dorfgemeinschaft selbst. Nach Gesprächen mit der Stadt spricht Sebastian Folkers, Sprecher "Paroli" von "Enttäuschung". Zwar habe es Unterstützungsangebote und alternative Vorschläge gegeben, am Ende sei der Verein aber an den Rahmenbedingungen gescheitert.
Straßensperren und Beschilderung für 8.000 Euro
Allein die Sperrung der geänderten Umzugstrecke samt Aufstellen von Schildern hätte für den Dorfverein über 8.000 Euro an Zusatzkosten bedeutet. "Wir hätten uns gewünscht, dass das Gespräch mit der Stadt in dieser Richtung lösungsorientierter gewesen wäre", sagt Folkers.
Nach Angaben der Stadt sind die organisatorischen Belastungen durch gestiegene Sicherheitsanforderungen deutlich größer geworden. Im Fall des "Paroli"-Umzugs hätte die Burscheider Straße komplett gesperrt werden müssen. Grund seien Sicherheitsbedenken wegen des starken Publikumsverkehrs direkt auf der Fahrbahn.
Die Stadt betont zugleich, dass Vereine grundsätzlich selbst für Sicherheitskonzepte verantwortlich seien. Verwaltung und Polizei prüfen diese und können zusätzliche Maßnahmen verlangen.
Protest in Gummistiefeln
Der Fall aus Leverkusen ist kein Einzelfall. Im münsterländischen Ascheberg-Herbern sorgte zuletzt ein Schützenverein bundesweit für Aufmerksamkeit: Die Schützen marschierten aus Protest in Gummistiefeln über einen matschigen Acker zum Festzelt, weil für den Straßenumzug umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen nötig geworden wären.
Gevelsberger Vereine arrangieren sich mit der Stadt
Auch bei der Gevelsberger Kirmes spielen Sicherheitsfragen inzwischen eine deutlich größere Rolle. Zufahrtsschutz, Sperren und zusätzliche Sicherheitskräfte gehören dort mittlerweile fest zum Konzept.
Während größere Veranstaltungen solche Anforderungen oft noch organisieren können, stoßen kleinere Dorf- und Brauchtumsfeste vielerorts an ihre Grenzen - personell, organisatorisch und finanziell.
Zwischen Sicherheit und Tradition
In Leverkusen wird daraus nun ein ungewöhnliches Symbol: Eine Demonstration ersetzt den traditionellen Festzug - und umgeht gleichzeitig teilweise die Regeln, an denen der ursprüngliche Umzug gescheitert ist.
Ehrenamtliche fühlen sich aufgerieben in Bürokratie
Genau darin sehen viele Vereine inzwischen ein Zeichen dafür, wie kompliziert Brauchtum geworden ist. Nicht weil niemand mehr feiern will. Sondern weil Ehrenamtliche immer häufiger das Gefühl haben, zwischen Sicherheitsauflagen, Verantwortung und Bürokratie aufgerieben zu werden.
Oder wie es die Stadt Leverkusen selbst formuliert: Die Sorgen der Vereine seien nachvollziehbar - gleichzeitig müssten Sicherheitsbelange bei öffentlichen Veranstaltungen berücksichtigt werden.
Unsere Quellen:
- Sebastian Folkers, Sprecher "Paroli"
- Stadt Leverkusen
- Gevelsberger Kirmesverein
Sendungen: WDR.de, "Demo in Leverkusen-Pattscheid statt Festumzug", 4.7.2026, 5 Uhr
