NRW-AfD wählt Martin Vincentz zum Spitzenkandidat für Landtagswahl | Aktuelle Stunde
Aktuelle Stunde . 10.07.2026. 28:47 Min.. UT. Verfügbar bis 10.07.2028. WDR. Von Timucin Tim Köksalan.
Von der Zwei auf die Eins. Bei der letzten Landtagswahl in NRW war Martin Vincentz (AfD) noch auf dem zweiten Platz seiner Landesliste. Bei der kommenden Wahl im April 2027 wird er nun als Spitzenkandidat die Partei anführen. Er wurde mit 327 von den rund 500 Deligierten-Stimmen gewählt.
In seiner Rede sagte Vincentz, dass "Migration keine Naturgewalt sei, die man hinnehmen muss". Im Anschluss bekam er Standing Ovations und lauten Applaus.
Martin Vincentz: Nicht der Lieblingskandidat aller
Für Vincentz dürfte das eine große Erleichterung bedeuten. Die NRW-AfD ist einer der zerstrittensten Landesverbände. Vincentz ist seit 2022 Landes- und Fraktionschef. Er hat es bislang nicht geschafft, alle Strömungen in seiner Partei zu vereinen. Seine Gegner werfen ihm Intrigen und Machtspiele vor.
Insbesondere die völkischen und teils rechtsextremen Kräfte machten bis zuletzt parteiintern Stimmung gegen ihn. Gegenseitig gab es Misstrauen und Kandidaten, die man nicht auf der Liste sehen möchte.
Erwarteter Machtkampf auf offener Bühne bleibt aus
Doch es scheint so, als hätte das Lager rund um Vincentz sich durchgesetzt: Die ersten zehn Plätze - quasi diktiert und sortiert durch den Landeschef und sein Umfeld - gehen durch: ohne große Widerstände.
Enxi Seli Zacharias beim Parteitag der NRW-AfD in Marl
Auf Platz zwei - von Vincentz selbst vorgeschlagen - schaffte es Enxi Seli-Zacharias aus Gelsenkirchen. Sie ist bereits Mitglied im NRW-Landtag und bekam mit 340 Ja-Stimmen sogar ein besseres Ergebnis als ihr Chef. In der Partei ist sie bei vielen beliebt und hatte am WDR-Mikrofon am morgen "eiserne Disziplin" und Geschlossenheit von ihrer Partei gefordert.
Auf den weiteren Plätzen befinden sich unter anderem die Landtagsabgeordnete Christian Loose und Sven Tritschler, welcher auch Mitglied im Bundesvorstand ist und als Vertrauter von Alice Weidel gilt.
Alle weiteren Kandidaten der Liste bis Platz 10 schafften es direkt im ersten Wahlgang.
Vincentz als Ministerpräsident?
Parteitag der NRW-AfD in Marl
Es ist wohl auch das aktuelle Umfragehoch der Partei, welches den Deligierten in Marl Selbstbewusstsein verlieh: Noch vor der Abstimmung über die ersten Listenplätze entschied man sich den Spitzenkandidaten als designierten Ministerpräsidenten ins Rennen zu schicken.
Vincentz versprach später "mit einer Kanzlerin Weidel und einem Ministerpäsidenten Martin Vincentz" gehe es in Deutschland wieder bergauf.
Aktuell hat die Partei 12 Sitze im Landtag. Nach aktuellen Umfragewerten dürfte sich die Anzahl aber verdreifachen. Somit rechnen sich viele der Deligierten eine Chance aus im neuen Landtag zu sitzen.
Entsprechend hatte Vincentz bei der Eröffnung der Versammlung die Deligierten darauf eingeschworen, es sich trotz der harten Plastikstühle gemütlich zu machen. Ganze vier Wochenenden für die vollständige Aufstellung der Liste hat die Partei angesetzt.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Interview Deligierte vor Ort
Sendung: WDR.de, AfD bestimmt Vincentz zum Spitzenkandidaten, 10.07.2026, 13:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 10.07.2026, 18:45 Uhr
