Vielleicht das Positive von diesem Wochenende zuerst: Markus Söder hatte zeitweise richtig miese Laune. Gut gelaunt war der bayerische Ministerpräsident erst, nachdem er den Sieg unter Dach und Fach hatte.
Das gab er auf der Pressekonferenz nach der DOSB-Entscheidung offen zu. NRW habe der Münchener Olympia-Bewerbung das Leben echt schwer gemacht, atmete der CSU-Politiker sichtlich erleichtert aus.
Ein überraschend deutlicher Abstand
Es gehört aber zur Wahrheit: Das nackte Ergebnis war deutlich. Zumindest deutlicher als man nach der Evaluierung der Konzepte erwarten konnte. Lag man in der Empfehlung des Deutschen Olympischen Sportbundes noch knapp hinter der bayerischen Hauptstadt, gewann München dann die Abstimmung klar mit 91:50 Stimmen.
Und warum das so war, das muss man jetzt genau analysieren. So richtig es ist, dass KölnRheinRuhr seit Jahresbeginn Schub bekam, so wahr ist aber auch eine andere Betrachtung: Zu lange hat man die Bewerbung vor sich hin dümpeln lassen.
Zu spät "All In" gegangen
Als man vor bald zehn Jahren mit Olympia an Rhein und Ruhr liebäugelte, waren die Konzepte halbgar. Anfangs ging eine Privatinitiative für das Land in Vorleistung, angeführt vom heutigen IOC-Mitglied Michael Mronz. Das scheiterte für alle Versuche bis 2032 - teilweise sogar auf eine peinliche Art und Weise.
Dann durfte sich irgendwann mal die Düsseldorfer Sportmarketingagentur an der Bewerbung für weitere Spiele versuchen. Ihr vermeintlich guter Ruf nutzte nichts, die Bewerbung kam nicht aus den Startblöcken.
Rückstand, den man nie aufholen konnte
Wüst und Söder warben auf der Veranstaltung noch einmal für ihre Konzepte.
Bildquelle: Uwe Anspach/AFPErst als man in der Staatskanzlei erkannte, dass man für Olympia "All-In" gehen musste, begann die Aufholjagd. Düsseldorf wurde die Betreuung abgenommen, es wurden Millionen bereitgestellt, Köln wurde sogenannte "Leading-City" und Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wurde das, was er lange nicht sein wollte: Das Gesicht der Kampagne.
So sehr man damit aufholen konnte - München war da schon längst einen Schritt weiter. Die Bewerbung aus Bayern hatte einen Vorsprung, der so groß war, dass man ihn nicht mehr einholen konnte. Wo NRW Lobbyarbeit machen wollte, war München schon längst da gewesen. Oder sagen wir: da hatte Markus Söder schon dreimal vorbeigeschaut.
Das Ende des olympischen Traums?
Das Land NRW hat somit zwar schlussendlich bewiesen, dass man die dringlichen Fragen für Großveranstaltungen beantworten kann. Aber man hat den Start vermasselt.
Und daher ist es schade, dass Europas größter Ballungsraum sich vielleicht endgültig vom Traum verabschieden muss, jemals Olympische Spiele ausrichten zu dürfen.
Sendung: WDR.de, Kommentar: Eine Aufholjagd ohne olympisches Gold, 26.09.2026, 18 Uhr
