So bekommt Kleidung ein zweites Leben

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WDR 3 Min. 17 Sek. Verfügbar bis 24.08.2028

Secondhand in Bonn Wie Kleidung ein zweites Leben bekommt

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Heute ist Tag der gebrauchten Kleidung. Secondhand wird immer beliebter. Doch was passiert mit Kleidung, die aussortiert wird?

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Anette Flentge

Der schwarze Rock ist genau ihr Ding, findet Amelie Haves. Sie steht im Secondhand Shop "Don-R" in Beuel vor dem Spiegel, dreht sich. Er passt perfekt. Mit Mama und Freundin ist sie hier, sucht nach ausgefallenen und günstigen Sachen.

Ladeninhaber Nial Keelaghan beobachtet, dass immer mehr junge Menschen sich für gebrauchte Mode interessieren. "Sie brauchen nicht mehr diese Fast Fashion, sie brauchen Qualität, sie können die tragen für ganz viele Jahre und sie sind immer in Mode", glaubt er.

Hier gibts auch Secondhand Kleidung für Männer

Auch heute ist einiges los in dem kleinen Laden. Ganz hinten gibt es sogar eine Herrenabteilung. Darauf ist Nial Keelaghan stolz, denn sie sei selten. Bei ihm kaufen 80 Prozent Frauen ein, sagt er, aber auch 20 Prozent Männer.

Ivan Rubirov probiert gerade eine Lederjacke an. "Hier hat man dann sehr gute Möglichkeit für nicht so viel Geld etwas Spannendes zu finden", sagt er, "Und die sehen nicht gebraucht aus, das finde ich gut".

Qualität, Nachhaltigkeit und eine besondere Geschichte

Neben gebrauchten Hüten, Jacken, Blusen, Schuhen gibt's hier Neues aus dem Veedel.  Unterschiedliche Kundinnen und Kunden haben unterschiedliche Gründe gebrauchte Kleidung zu shoppen. "Die Qualität ist einfach viel, viel besser", glaubt  Anna-Maria Wedewardt.

Für sie und für die meisten anderen Kundinnen, spiele aber auch die Nachhaltigkeit eine Rolle. Und für Amelie Haves ist noch ein anderer Aspekt wichtig: "Getragene Klamotten haben eine Geschichte. Und deshalb find ich das ganz schön, wenn man Teil dieser Geschichte auch weiter sein kann".

Neue App von Bonn Orange für gebrauchte Kleidung

Bekleidung wegwerfen kommt für viele nicht mehr in Frage. Aber wohin damit? Das Abfallentsorgungsunternehmen Bonn Orange hat schon 2004 im Netz eine Tauschbörse eröffnet. Suchen, Finden, Verschenken, Tauschen - alles ist hier möglich, von Socken bis zum Brautkleid.

Eine Jacke wird im Abfallplaner angeboten

Swipe, swipe, neue Jacke. So geht nachhaltige Mode heute.

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Und ganz neu ist die App. Sie ist wie eine Dating-App, eben nur für gebrauchte Klamotten, schmunzelt Unternehmenssprecher Jérôme Lefèvre. "Da kann man wie beim Dating wischen. Nach links wischen, wenn man kein Interesse hat und nach rechts öffnet sich dann das Inserat". Die habe so um die 100 Zugriffe pro Tag.

Nur noch 10 Prozent Altkleider können wieder getragen werden

Außerdem bietet Bonn Orange in Zusammenarbeit mit der AWO Container für gebrauchte Kleidung. Die wird sortiert und in der Kleiderkammer angeboten. Doch das, was wirklich wieder getragen werden kann, sei immer weniger, so Lefèvre.

"Das ist die so genannte Creme-Ware, also die, die tatsächlich von hohem Wert ist. Das nimmt immer weiter ab, wir reden da inzwischen nur noch von um die 10 Prozent, die tatsächlich weiter gebraucht werden können". Das liege vor allem an der sinkenden Qualität, glaubt er.

Ein Mann arbeitet am Computer, im Hintergrund eine Jacke in Signalfarben

Jérôme Lefèvre von Bonn Orange merkt, dass immer weniger Kleidung wieder getragen werden kann.

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Zu viel Müll und Vandalismus an und in Kleidercontainern

Das Sortieren werde immer aufwendiger und schwieriger. Über zerrissene Kopfkissen, einzelne Schuhe oder alte Salatköpfe in den Altkleidersäcken hatte Manu Gardeweg von "Lohmar hilft e.V." schon im vergangenen Jahr geklagt. "Da hast du alles in diesen Spenden drin, vom aufklappbaren Weihnachtsbaum bis hin zum Dildo", erzählt sie.

Das Sortieren lohne sich nicht mehr, sagt Petra Heller, Vorständin vom DRK Kreisverband Bonn e.V.. Daher würden die gebrauchten Sachen aus DRK-Containern nur noch der Industrie zugeführt.

Eine große Menge Altkleider vor Altkleidercontainern

Kleidercontainer werden oft vermüllt, aufgebrochen oder sogar angezündet.

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Ein weiteres Leben und eine weitere Geschichte für Kleidung

Wer sicher gehen will, dass seine Kleidung noch mal getragen wird, gibt sie am besten bei einer Kleiderkammer ab, einer anderen karitativen Einrichtung. Oder man bringt sie in einen Secondhand Shop, wie den von Nial Keelagha. Manchmal bekommt er richtig teure und hochwertige Dinge - zum Beispiel kaum getragene Gucci-Schuhe. Die können gekauft, getragen und wieder hergebracht werden.

Den Rock könnte Amelie Haves also auch noch mal wieder zurückbringen, wenn er ihr nicht mehr gefällt. Und dann bekommt er noch ein weiteres Leben und eine weitere Geschichte.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Nial Keelaghan, Don-R Second-Hand
  • WDR-Gespräch mit Jérôme Lefèvre, Unternehmenssprecher Bonn Orange
  • WDR-Gespräch mit Kundinnen und Kunden
  • Beobachtungen WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, So bekommt Kleidung ein zweites Leben, 25.08.2026, 05.05 Uhr

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